Piemont: die Überraschungsreise

Piemont

Freitag, 24.09.21 München – Saluzzo im Piemont
Dass das Piemont eine wunderschöne Urlaubsregion ist, hat sich bei uns noch nicht herumgesprochen. Die neue Flugverbindung von München nach Cuneo ist jedenfalls nicht ausgebucht. Dem Piloten scheint der Flug zu gefallen. Er nimmt Kurs auf die Alpen, bei den Drei Zinnen biegen wir rechts ab und überfliegen die Brenta und ein paar beachtlichen Gletscher. Dann geht es im Landeanflug über Flachland, während rechts von uns noch eine steile Alpenkette sichtbar ist. Das fängt ja schon gut an.

Hotel San Giovanni in Saluzzo

Per Bustransfer gelangen wir im Morgenlicht nach Saluzzo in das sehr elegante Hotel San Giovannni. Ein wunderschönes altes Gebäude nahe einer Festung hoch über der Stadt. Alle begrüßen uns freundlich, es werden ein paar Croissants gereicht und Kaffee. Wir ziehen uns kurz um, denn es geht gleich los mit dem Programm: jetzt ist E-Bike-Fahren angesagt.

Eingerahmt von den Bergen durchqueren wir das von Gletschern geformte Sturatal an dessen Ende schon die Grenze zu Frankreich liegt. So weit radeln wir natürlich nicht mit unseren flotten E-Bikes. Unsere Fahrt ist in Vinadio vorerst zuende. Bei einer umfangreichen Führung lernen wir die riesige Festungsanlage kennen, die Italien einst vor einer französischen Invasion beschützen sollte. Die Ausmaße dieses eindrucksvollen Gebäudes sind von außen gar nicht so recht zu erkennen. Schon ziemlich hungrig vom Staunen und E-Bikefahren lassen wir uns bei einer zünftigen Brotzeit die ersten Leckereien der Region schmecken.

Das Hotel San Giovanni ist ein sehr edles altes Haus, mit wunderschönem Interieur. Stilecht, geschmackvoll mit großen Zimmern, WLAN, Jacoozy, Der Ausblick vom Fenster reicht über die Dächer der Stadt Saluzzo.


Samstag, 25.09.21 Saluzzo – Macra im Valle Maira
Das wunderschöne Hotel in dem wir die Nacht verbrachten, entpuppt sich als ehemaliges Kloster San Giovanni. Es wird uns ein tolles italienisches Frühstück aufgetischt bevor wir das Kloster mit seiner wunderschönen Kirche und den eindrucksvollen Fresken bei einer lebhaften Führung besichtigen.

Über eine steile, mit Kopfsteinen gepflasterte Straße gelangen wir hinunter in die Altstadt von Saluzzo. Hier ist heute Markt, der die gesamte Innenstadt einnimmt. An einem Stand auf dem Mercato Terre werden wir bereits erwartet und dürfen verschiedene Spezialitäten aus dem Piemont verkosten: Honig, Nüsse, Äpfel, Wurst, Wein und natürlich Käse. Alles regional, ökologisch und biologisch produziert. Sehr lecker!

Mercato terre in Saluzzo

Die Reise geht weiter in das Tal Castelmang. Über eine lange Passstraße schrauben wir uns hinauf bis zum Kloster des heiligen Magnus. Der Pfarrer erwartet uns bereits um uns die Kirche aufzusperren. Doch die eigentliche Überraschung wartet in der noch älteren Kapelle, die sich im hinteren Teil der Kirche versteckt. Sie beherbergt sehr gut erhaltene Fresken von unschätzbarem Wert.

Fresken im Kloster Castelmang

Im selben Bergdorf befindet sich eine der Käsereien in denen der berühmte Castelmang-Käse seit 1000 Jahren auf die gleiche traditionelle Weise hergestellt wird. In den Lagern reifen die zahlreichen Käselaibe geruchvoll vor sich hin. Natürlich darf eine Verköstigung nicht fehlen. Vom einjährigen bis zu einem ehrwürdigen fünfjährigen Käse, welcher mit einem Artemisialikör genossen wird.

Käse von Castelmang

Unser nächstes Ziel ist das Mairatal. Aus einem verlassenen Dorf hoch in den Bergen wurde in 40 Jahren mühevoller Arbeit ein uriges Berghotel, das Locanda del Silenzio ausgebaut. Die sehr geschmackvoll im alpinen Stil eingerichteten Zimmer sind über verschiedene Gebäude verteilt. Wie der Name schon sagt, ein perfekter Platz um Ruhe zu finden.
Das Abendessen ist auch heute wieder der Hammer. Nach 7 Gängen lokaler Spezialitäten – einer besser als der nächste – sind wir mehr als satt.


Sonntag, 26.09.21 Valle Maira – Crisollo im Po-Tal

Bergdorf im Valle Maira

Bei einer Wanderung erkunden wir ein kleines Stück des Valle Maira. Natürlich liegt auch auf diesem Weg eine sehr fotogene Kirche. Die Sonne blitzt durch die bereits rot angehauchten Wälder. Das Maira-Tal ist wunderschön. Die Ruhe, die Abgeschiedenheit, die kulturellen Schönheiten sind unbedingt eine Reise in die noch völlig unverbrauchte Region wert.

Valle Maira

Seit einigen Jahren wird im Piemont Bier gebraut. Die notwendigen Zutaten werden alle in der Region angebaut. Wir lassen uns eine Verköstigung der verschiedenen Biersorten nicht entgehen. Leichtbier, Bockbier und ein 4 Jahre gereiftes Bier werden getestet. Dazu werden jeweils passende Gerichte serviert.

Am Abend erreichen wir das Rifugio Pan della Regina am Fuß des schneebedeckten Monviso. Auch hier werden wir mit lokalen Köstlichkeiten beim Abendessen verwöhnt.


Montag, 27.09.21 Crisollo – Saluzzo
Mächtig thront das Wahrzeichen der Piomontesen über dem Po-Tal: der weithin sichtbare Monviso mit seinen 3.810 m Höhe. Der eindrucksvolle Berg mit seiner unverwechselbaren Form ragt inmitten des Parco Naturale del Monviso heraus.

Monviso

Wir schnüren unsere Wanderschuhe und begeben uns auf eine Rundwanderung zur Quelle des Po, dem längsten Fluß Italiens. Ein Nationalparkranger begleitet uns auf unserer Wanderung. Dabei erfahren wir viel über die Aufgaben, die zum Schutz des Nationalparkgebiets gehören. Von der Vergabe von Angelrechten, der Kontrolle der Pilzsucher, der Zuteilung von Viehweiden bis zur Ahndung von Wilderei gibt es hier einiges zu tun.

Quelle des Po

Schon nach kurzer Zeit entdecken wir ein kleines sprudelndes Bächlein, welches sich als Quelle des Po entpuppt. Dann beginnt ein Aufstieg über wilde Blumenwiesen zu verschiedenen glasklaren Bergseen. Und immer den mächtigen Monviso im Blickfeld. Die Rundwanderung führt schließlich wieder hinunter zum Refugio, wo schon das Lunchpaket auf uns wartet. Eine schöne Wanderung mit 350 Hm und 3 Stunden Gehzeit.

Monviso Bergsee

Die schmale kurvige Straße führt uns wieder aus dem Po-Tal ins Flachland. In der Region wird viel Obst angebaut. Auf einer Apfelplantage lernen wir das Konzept einer Anbaukooperation kennen, die sich Eplí nennt. Prall und rot leuchten uns die Äpfel entgegen. Und natürlich verköstigen wir auch hier die feinen Säfte und das Obst.

Die Übernachtung ist wieder in Saluzzo. Diesmal im Hotel Antiche Mura – was soviel wie „alte Mauer“ bedeutet. Auch dieses Hotel ist sehr elegant eingerichtet. Die Altstadt ist in wenigen Gehminuten zu erreichen.
„Pizza ist nicht einfach nur Pizza“ erfahren wir beim heutigen Abendessen. In der bekanntesten Pizzeria Saluzzos steht heute Abend Pizzaverköstigung auf dem Programm. Man lernt einfach nie aus!

Pizza ist nicht gleich Pizza

Dienstag, 28.09.21 Saluzzo – München
Auch für den heutigen Tag haben sich unsere Gastgeber von der Tourismusvertretung der Region Saluzzo noch einiges einfallen lassen. Nachdem wir während der Reise mit hervorragenden lokalen Weinen verwöhnt wurden, ist eine letzte Weinverköstigung natürlich ein Muss. Nicht nur preisgekrönte Weine gedeihen hier sondern auch hervorragende Schaumweine. Die bekanntesten dürften wohl aus Asti kommen, aber auch in der Gegend um Saluzzo wird das prickelnde Getränk produziert.
Die Weinkelterei gehört zu einem Steinverarbeitungsbetrieb, so dass wir die seltene Gelegenheit haben, einen Blick auf die rotierenden Sägen zu werfen, mit denen die riesigen Gneiswürfel geräuschvoll zu Platten verarbeitet werden.
Mit dieser beeindruckenden Vorstellung und voll mit unerwarteten Eindrücken verabschieden wir uns vom Piemont und fliegen zurück nach München.


Fazit:

Monviso Nationalpark

Die Kurzreise in das Piemont überraschte mit seiner schönen Landschaft und den wenig bekannten aber sehr wertvollen kulturellen Schätzen. In anderen Regionen müsste man für weit weniger spektakuläre Sehenswürdigkeiten teuren Eintritt bezahlen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Es wird besonders darauf geachtet, dass sich das zarte Pflänzchen des angehenden Tourismus nachhaltig entwickelt. Lokal und biologisch hergestellten Produkten wird der Vorzug gegeben, so dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Es gibt unzählige Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung: Wandern, Trekking, Radfahren, E-Bike-Fahren oder einfach nur Entspannen. Und dennoch sind die Alpentäler des Piemont weitgehend naturbelassen und unverbraucht.
Die Reise in das Piemont war für mich die Überraschung des Jahres und ich kann die Region sehr empfehlen.

Reisen in das Piemont