Frankreich mit dem Camper

Loire – Bretagne – Normandie – Elsass

Campingurlaub in Frankreich

Samstag, 21.08.21
Deutschland – Cromary/Frankreich
Wir feiern Wiedersehen mit unserem VW-Bus T4, Baujahr 1995, den wir vom letzten Jahr schon kennen. Diesmal sind wir schon schlauer und räumen unnötiges Zubehör gleich vor Ort aus. Erstaunlich, was in so einen kleinen Bus alles rein passt. Dann verfüllen wir jede Ritze mit eigenem Gepäck. Auf diese Weise schaffen wir ein kleines Bad, eine Speis, einen Küchenschrank und einen Kleiderschrank. Den Kühlschrank füllen wir mit Getränken, Joghurt und Milch. Das Aufklappdach erklären wir zum Dachboden, den Kofferraum zur Garage und den Raum unter dem Sitz zum Keller. Zwischen Fahrersitz und Beifahrersitz passen zwei prall gefüllte Kartons. Einer mit Ladekabeln und elektronischem Schnickschnack und ein anderer mit Büchern und analogen Landkarten.

Über den Schwarzwald düsen wir ab nach Mulhouse und weiter auf der Autobahn hinein nach Frankreich. Heute ist einer der wenigen Sommertage dieses Jahres. Ab der Grenze werden die Straßen etwas schlechter aber der Verkehr deutlich entspannter. Bei Belfort verlassen wir die Autobahn. Wir wollen ja was vom Land sehen. In der Nähe von Baume-les-Dames versorgen wir uns mit weiteren Vorräten für die nächsten Tage. Insbesondere mit Wein, denn der darf in Frankreich nie ausgehen. Kurz vor Besancon quartieren wir uns in einem kleinen Campingplatz bei Cromary ein und gönnen uns unseren ersten Ankunftswein.


Sonntag, 22.08.21
Cromary–Vezelay
In der Nacht hat es ordentlich geblitzt und gedonnert. Wie sicher ist man eigentlich in einem Zelt auf dem Dach eines VW-Busses während eines Gewitters? An das neue Bett, die Geräusche der Umgebung, die Regentropfen auf dem Dach und die Beleuchtung rundherum müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Dennoch genießen wir unseren ersten Bettkaffee mit Blick auf eine herrliche Platanenallee. Dank unserer Planung und den Erfahrungen vom letzten Jahr haben wir diesmal viel weniger Räumerei. Alles hat einen festen Platz und ist schnell zusammengepackt, so dass es gleich nach dem Frühstück weitergehen kann.
Wir suchen uns eine Strecke aus, die durch viel landwirtschaftliches Gebiet führt. Dijon lassen wir links liegen, unser erster Stopp ist in Flavigny, eine mittelalterliche Stadt. Es gibt ein reizendes Museum für die Herstellung traditioneller Anis-Bonbons. Sonst ruft die Stadt jedoch keine großen Ah und Oh’s bei uns hervor. Vielleicht haben wir einfach schon zu viele mittelalterliche Städte in Frankreich gesehen. Das Mittagessen schmeckt sehr lecker und es tut gut, sich ein wenig die Füße zu vertreten.

Vezelay

Das Hauptziel des Tages ist Vezelay. Heute am Sonntag ist hier einiges los. Besonders am Parkautomaten, den irgendwie niemand versteht. Eine lange Schlange hat sich gebildet. Wir schaffen die Hürde, uns ein Parkticket zu ergattern, und erkunden den kleinen historischen Ort. Im Zentrum und am höchsten Punkt des Ortes befindet sich die wichtigste Sehenswürdigkeit, die Kirche mit dem Kloster. Dort findet gerade ein Konzert statt, so dass wir nicht rein dürfen. Also üben wir das Kaffee trinken in Frankreich zu Coronazeiten. Mit Maske oder ohne Maske? Wenn mit, dann mit FFP2 oder anderer Maske? Mit Bedienung oder reingehen? Was bestellen und was bekommen? Wir lernen dass das Vorzeigen und Scannenlassen des Cov-Passes genügt. Das war schon mal ganz einfach. Aber ein Eiskaffee ist nicht das, was wir erwartet haben sondern kalter Espresso mit Eiswürfeln drin. Inzwischen ist das Konzert zu Ende und wir werfen noch einen Blick in die Kirche, bevor wir uns beim nahegelegenen Zeltplatz ein ruhiges Plätzchen aussuchen.


Montag, 23.08.21
Vezelay – Schloss Chambord
Nichts passt besser zum Aufwachkaffee als frische Croissants mit Erdbeermarmelade. So soll sich Urlaub anfühlen. Unser erstes Loire-Schloss ist heute das Tagesziel. Zugleich ist es das wahrscheinlich größte, schönste und bekannteste Schloss der Loire. Doch bevor wir in den Genuss kommen, gilt es noch einige andere Sehenswürdigkeiten anzufahren. Erster Stopp bei etwas Nieselregen ist die Kanalbrücke von Briare, die von keinem geringerem als Gustave Eiffel konstruiert wurde. Ein Wasserkanal wird auf der 664 m langen Brücke über die Loire geleitet. Die Ähnlichkeit mit dem Eiffelturm ist nicht zu übersehen. Ein recht beeindruckendes Bauwerk. Sehr gelegen kommt uns die kleine aber feine Chocolaterie am Anfang der Brücke mit herrlichen Leckereien und köstlichem Kaffee.
Noch nie waren wir so nah an einem Atomkraftwerk. Die vier Kühltürme stehen direkt an der Straße. Die mächtigen Bauwerke sind im unteren Bereich offen und nur durch Betonpfeiler getragen. Innen sieht und hört man das Wasser herabrauschen. Orleons lassen wir diesmal rechts von uns liegen und halten stattdessen für ein Foto in Sully-sur-Loire.

Sully-sur-Loire

Dort winkt uns nämlich das erste Schloss. Nicht viel später bewundern wir auch das Wasserschloss von la-Ferité-St.-Aubin von außen. Am Nachmittag erreichen wir dann Das Chateau de Chambord. Die Zeit reicht für eine erste Orientierung und einen ausgiebigen Spaziergang im schönen Abendlicht rund um das Schloss und die Gartenanlage. Ein Campingplatz befindet sich ganz in der Nähe.


Dienstag, 24.08.21
Schloss Chambord – Blois – Chaumont-sur-Loire
Zwischen all den Türmchen, Treppchen, Zimmerchen und Balkönchen kann man schon mal den Überblick verlieren. Die Krönung der Verwirrung ist die doppelläufige Wendeltreppe, die sich Leonardo da Vinci einst hat einfallen lassen. Wir fühlen uns zurückversetzt in die Zeit der französischen Renaissance. Nachdem wir im Angesicht unzähliger düster dreinblickender Königsportraits alle Räume von der Küche bis zum Thronsaal ausgiebig erkundet haben, schlendern wir noch durch die Gärten, bewundern die inzwischen zu einer beachtlichen Länge angewachsenen Warteschlange am Eingangsportal und verlassen dann das Schloss Chambord um uns auf den Weg zum nächsten Höhepunkt zu machen.

Schloss Chambord

Chateau de Cheverny leuchtet besonders schön in der Abendsonne. Auch hier hat sich eine lange Schlange am Eingang gebildet. Wir vertreiben uns die Wartezeit im wunderschönen Lustgarten des Anwesens. Die Räume des in Privatbesitz befindlichen Schlosses sind sehr liebevoll eingerichtet und dekoriert. Ritterrüstungen im Waffensaal, wertvolle Wandteppiche im Gemach des Königs, prächtige Porträts lassen die Vergangenheit gegenwärtig werden.

Schloss Cheverny

Unser Lager schlagen wir ein paar Kilometer weiter in Chaumont-sur-Loire direkt am Fluss auf.


Mittwoch, 25.08.21
Chaumont-sur-Loire – Chenonceau
Das Schloss von Chaumont mit seinem wunderbaren Garten liegt in Fußreichweite von unserem Campingplatz. Ein wunderschöner Anblick ist das Schloss mit seinen mächtigen Türmen in der Morgensonne. Auch hier ist die Einrichtung der Räume äußerst sehenswert. Das Schloss selbst ist 1100 Jahre alt und die Ahnenreihe der Bewohner liest sich wie ein komplettes Geschichtsbuch. Gegen Mittag läuft der weitläufige Garten langsam mit Besuchern voll. Wir holen uns Gemüsequiches beim Bäcker und picknicken am Loireufer bevor es weiter geht – wie soll es anders sein – zum nächsten Schloss: Chenonceau.

Schloss Chaumont

Der riesige Parkplatz lässt schon erahnen, dass hier größere Besuchermengen erwartet werden. Das Chaos am Eingang rührt aber eher daher, dass keiner das System versteht. Zuerst Time-Slot buchen oder zuerst Cov-Pass scannen oder zuerst ein Ticket kaufen? Zu alledem sind die Ticketautomaten außer Betrieb und nur ein Ticketschalter besetzt. Dennoch lohnt sich der Aufwand. Das Schloss Chenonceau wurde inmitten einer prächtigen Gartenanlage auf eine Brücke über dem Fluss Cher gebaut. Auch hier sind die Räumlichkeiten prunkvoll ausgestattet. Unfassbar, welch Reichtum damals schon bei Königs vorgeherrscht haben muss. Kein Wunder, dass das Volk irgendwann sauer war.

Schloss Chenonceau

Donnerstag, 26.08.21
Schloss Chenonceau – Villandry – Azey le Rideauz
Wir machen eine Pause vom Schlossbesichtigen und lassen das Gesehene bei einer kleinen Kanufahrt auf dem Fluss Cher wirken. Doch ganz ohne Schloss geht es auch hier nicht, denn mit dem Kanu können wir unter dem Wasserschloss Chenonceau durchpaddeln. So sehen wir das Prachtwerk noch von einer anderen Perspektive. Zwei Stunden später und mit vielen schönen Fotos auf der Kamera stärken wir uns mit traditionellen Baguette, Käse und Oliven, füllen unsere Vorräte an Tomaten, Obst und Wein auf und machen uns auf den Weg zum nächsten Schloss. Davon gibt es hier an der Loire ja reichlich. Man spricht von ca. 400 Schlössern – doch wer hat die jemals alle gezählt?

Garten von Schloss Villandry

In Villandry verzichten wir auf die Besichtigung des Schlosses und beschränken uns auf die perfekt gestylten Gärten. Ob Liebesgarten, Wassergarten, Sonnengarten oder Gemüsegarten – mehr Symmetrie geht nicht. Sehr sehr schön!
Spürbar geflasht geht es weiter zum Campingplatz beim Schloss Azay-le-Rideau nur wenige Kilometer entfernt.


Freitag, 27.08.21
Azey-le-Rideau – Saumur – Rochefort-en-Terre
Vom Schloss Azey-le-Rideau lässt sich nur die Kontur erahnen. Es ist so eingewachsen und von Wasser umgeben, dass es von außen keinen Blick darauf erlaubt. Egal, es gibt ja noch genügend andere Schlösser. Beim nächsten Märchenschloss reicht auch ein Foto vom Parkplatz aus. Da decken wir uns lieber in der nächsten Boulangerie-Patisserie mit frischen Croissants ein.
Nachdem wir ein weiteres Atomkraftwerk in greifbarer Nähe umrundet haben, erreichen wir Fontevraud-L’Abbey mit seinem 1000 Jahre alten Kloster. Schlösser und Kloster nutzen sich ab. Wir nehmen Kurs auf die Bretagne.

Sonnenblumenfelder

Wir lassen Sonnenblumenfelder an uns vorbei ziehen und durchqueren winzige Dörfer mit riesigen Kirchen bis wir in Redon die Grenze zur Bretagne überqueren und in Rochefort-en-Terre einen hübschen Campingplatz finden.


Samstag, 28.08.12
Roquefort-en-Terre – Cornac – Quiberon
Wer auch immer den Einfall hatte, Roquefort-en-Terre als Kurzstopp einzubauen, hat einen Orden verdient. Ein ganz bezauberndes Städtchen mit kleinen Gässchen und hübschen Häusern, das auch im Elsass liegen könnte. Natürlich überragt – wie sollte es anders sein – von einem kleinen Schlösschen und mit einer ordentlichen Kirche bestückt. Liebevoll gepflegt, schnuckelige Lädchen mit Handwerkskunst und sündhaft verführerischen Süßigkeiten ausgestattet. Ein wie immer köstlicher Café-au-Lait mit einem noch köstlicheren süßen Stückchen rundet den Einkaufsbummel ab.

Roquefort-en-terre

Inzwischen ist es Mittag und das Meer ruft nach uns. Doch vorher ist noch ein Stückchen Menschheitsgeschichte dran. In Cornac haben sich unsere Vorväter viel Mühe gemacht und hunderte von riesigen Felsen hochkant aufgestellt. Warum, das werden wir vermutlich nie erfahren.

Cornac

Auf der Halbinsel Quiberon erreichen wir unser Tagesziel, den Atlantik. Im Hauptort Quiberon ist vom bretonischen Flair leider nicht viel zu spüren. Eher von den Bausünden der 70er. Schmucklose Hotelgettos und eine zubetonierte Hafenmeile. Dennoch sind die Fischrestaurants am Hafen krachend voll. In einem Hinterhof versteckt finden wir eine kleine Bar, die Pizza, Burger und Cocktails anbietet. Auf dem Rückweg bekommen wir noch einen glühenden Sonnenuntergang über dem Meer präsentiert.

Sonnenuntergang

Sonntag, 29.08.21
Quiberon Halbinsel
Der Campingplatz befindet sich auf der schmalen Quiberon-Halbinsel zwischen der offenen Atlantikküste und der Ostküste der Halbinsel. Wir unternehmen eine Wanderung entlang der wilden Atlantikküste. Die Sonne scheint, es weht ein mildes Lüftchen, wir strecken unsere Zehen ins Meer und laufen barfuß durch den feinen Sand. Obwohl heute Sonntag ist, sind die kleinen Buchten keineswegs überlaufen. So sind sie, die Franzosen. Alle entspannt, niemand gestresst. Kein Stau, keine überfüllten Parkplätze, keine überquellenden Cafés, es ist genug Platz für alle da.

Quiberon Halbinsel

Montag, 30.08.21
Quiberon – Concarneau – Pointe de Penmarch- Landudec
Spätestens, wenn der Wein ausgeht, wird es Zeit, einzukaufen. Wir füllen unsere Vorräte auf und peilen den nächsten Höhepunkt an. Die historische Altstadt von Concarneau befindet sich auf einer Insel und ist von einer Wehrmauer umgeben. Die Gelegenheit ist günstig, ein Plätzchen für das Mittagessen zu suchen. Wir staunen über unsere Tischnachbarn, die sich eine riesige Schüssel Meeresfrüchte vorgenommen haben. Die Schüssel nimmt fast den ganzen Tisch ein. Dem Abfallberg nach zu urteilen sitzen sie auch schon eine ganze Weile und pulen an Muscheln, Langusten und allem möglichen Getier herum. Als wir nach unserer Besichtigung der Altstadt nochmal daran vorbei kommen, sitzen sie immer noch und verdrücken noch den Nachtisch. Wieder einmal stellen wir fest, dass bei den Franzosen das Essen nicht nur zur Nahrungsaufnahme dient, sondern als Freizeitbeschäftigung einen hohen Stellenwert genießt.
Der Strand um den Leuchtturm von Eggmühl besteht aus winzigen Schneckenhäusern und kleinen Steinchen. Hier könnte man stundenlang Schneckenhäuser sammeln aber da gibt es ja noch das Sightseeingprogramm wegen dem wir eigentlich hier sind. Hat man die 300 Stufen auf der Wendeltreppe des Leuchtturms überwunden, wird man mit einer großartigen Rundumsicht belohnt.

Wendeltreppe im Leuchtturm Eggmühl

Der heutige Campingplatz befindet sich irgendwo zwischen den Dünen von Landudec. Kein Licht, keine Straße, keine Geräusche, nicht mal die Rezeption ist besetzt. Nur ein paar Minuten Fußweg entfernt entdecken wir hinter den Sanddünen einen kilometerlangen Sandstrand, der von der untergehenden Sonne in ein warmes Licht getaucht wird.

Kilometerlanger Sandstrand bei Landudec

Dienstag, 31.08.21
Landudec – Point du Raz
Ich kann es an nichts konkret festmachen, aber irgendwie ist dieser Platz von einem Hippyflair verzaubert. Von dem herrlichen Sandstrand können wir uns kaum trennen. In regelmäßigen Abständen trifft man auf Reste von Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg. Leider sind sie nicht mit „nie wieder Krieg“ sondern mit geschmacklosem Graffiti beschmiert.

Bunkerreste aus dem zweiten Weltkrieg

Den nächsten Leuchtturm – dem Point du Raz – kann man auf einem Wanderweg entlang der steil abfallenden Klippen durch lila und gelb blühende Heidelandschaft erreichen. Der Blick auf den tiefblauen Atlantik und die vorgelagerten Inselchen im Abendlicht ist wunderschön.

Point du Raz

Ein Campingplatz befindet sich ganz in der Nähe ein paar Kilometer im Inland. Die ältere Dame an der Rezeption ist etwas sonderbar. Erst als sie den Preis für 2 Personen und ein Campingcar unzählige Male auf einem Zettel, mit dem Taschenrechner und im Kopf nachgerechnet hat, ist sie mit dem Ergebnis zufrieden und wir dürfen die 15 Euro bezahlen. Bei der Bestellung für’s Frühstück beschränken wir uns auf Croissants. Schokocroissants wären vermutlich zu kompliziert.


Mittwoch, 01.09.21
Point du Raz – Locronan – Point St. Mathieu – Le Conquet
Das Wetter ist uns treu. Sonnenaufgang durch die Heckscheibe bei einer Tasse Kaffee im Bett mit Blick auf den Leuchtturm von Point du Raz. Einfach herrlich!
Unser erster Stopp ist in Locronan, einem mittelalterlichem Städtchen, das auf wesentlich mehr Besucher eingestellt ist. Allerdings sind viele Läden und Restaurants geschlossen. Saisonende? Corona? Falsche Uhrzeit? Wir wissen es nicht. Wir schlendern durch die Gassen, machen Fotos von alten Gemäuern und kaufen Delikatessen, wie man das als ordentlicher Tourist eben macht.

Locronan

Auf dem Weg nach Brest führt uns ein Abstecher auf den „Berg“ Menez-Hom. Von dort haben wir aus 330 Metern Höhe einen 360 Grad Rundumblick.

Brücke bei Brest

Später überqueren wir zwei tief ins Landesinnere reichende Meeresarme auf sehr beeindruckenden Seilbrücken. Brest umfahren wir weiträumig, füllen irgendwo unser Vorratslager auf und erreichen schließlich einen weiteren Leuchtturm – Petit Minon. Auch hier befinden sich Bunkeranlagen der deutschen Besatzung des 2. Weltkriegs. Sie sind ein Teil des damaligen Atlantik-Walls.
Deutlich fotogener ist der Leuchtturm St. Mathieu, dem die noch gut erkennbare Ruine einer beachtlichen Abtei die Show stiehlt. Ein architektonisches Meisterwerk der Vergangenheit trifft hier auf die Gegenwart.

St. Mathieu

Donnerstag, 02.09.21
Le Conquet – Ploudalmezeau – Leuchtturm Pontusval – Tregastel
Sandstrand, Sandstrand, Sandstrand, soweit das Auge reicht. Dazwischen Steilklippen, Dünen, Leuchttürme, Kirchen und Ruinen. Dann wieder Sandstrand. Mal mit, mal ohne Meer. Je nach Tidenstand. Wer baden möchte, muss warten, bis das Meer wieder da ist. Das kann schon mal 6 Stunden dauern. Und dann ist es eher nichts für Warmbader, aber gut für Kneipper. Wer den Bauchnabel untertauchen möchte, muss erst ein paar Hundert Meter hinein waten. Dafür kann man stundenlang am Strand entlang laufen und Muscheln suchen. Das hat so etwas Entspanntes.
Leider können wir nicht an jedem Strand anhalten und laufen. So vertrödeln wir uns entlang der Küste, halten mal hier, fotografieren mal da, besuchen den Leuchtturm Pontusval und arbeiten uns Dorf für Dorf vor bis Tregastel, einem Lieblingsziel der Touristen wegen der rosa Granitküste.

Sandstrände so weit das Auge reicht

Der Campingplatz liegt zentral zwischen den Halbinseln, so dass wir noch einen schönen Spaziergang im Abendlicht machen können.


Freitag, 03.09.21
Tregastel – Cap Frehel
Am Morgen steht eine Wanderung zu den rosa Riesenmurmeln auf dem Programm. Immer wieder tun sich schöne Blicke auf Strand und Felsen auf.

Rosa Granitküste

Weiter geht die Reise entlang der Küste mit abwechselnden Höhepunkten. Da ist z. B. das Häuschen bei Gouffrey, das sich zwischen zwei riesige Felsen quetscht. Sehr fotogen, doch die Veröffentlichung der Fotos wird von der Besitzerin des Hauses angeblich gleich abgemahnt. Ein lukratives Geschäftsmodell. Ein kleiner Leuchtturm bietet sich für eine Mittagsrast an und bei der wunderschönen Klosterruine Beauport gibt es Café au Lait mit leckeren Zitronen- und Himbeertörtchen.

Abbaye de Beauport

Durch endlose Kohlplantagen (wer in aller Welt isst so viel Kohl?) erreichen wir gegen Abend einen Campingplatz beim Cap Frehel. Auch hier gibt es Zugang zum Meer mit einem schönen Sandstrand. Das Bad im Atlantik muss heute erst mal warten, stattdessen laufen wir lieber noch im Sonnenuntergang am Strand entlang.


Samstag, 04.09.21
Cap Frehel – St. Malo – Mont St. Michel
Wenigstens einmal in diesem Urlaub wollen wir im Atlantik geschwommen sein. Die Gelegenheit ist günstig, auch wenn man erst mal die Zähne zusammenbeißen muss. Ist man erst mal im Wasser, ist es aber gar nicht mehr so schlimm. Im Gegenteil. Das Wasser ist herrlich. Danach gibt es Frühstück mit Leckereien vom Bäckerbringdienst direkt an den Campingbus.
Frisch gestärkt unternehmen wir eine Wanderung entlang der Küste von Cap zu Cap, wo sich die Leuchttürme reihenweise im Morgendunst abzeichnen. Die Vegetation blüht herbstlich in lila und gelb. Sehr schön.
Die geplante Besichtigung der mittelalterlichen Festungsstadt St. Malo scheitert an der abstrakten Verkehrsführung ins Zentrum, dem damit verbundenen Verkehrschaos, den völlig überfüllten Parkplätzen und den Touristenmassen. Entnervt nehmen wir unverrichteter Dinge Reißaus. Nächster Halt ist der Höhepunkt eines jeden Normandie-Besuchs – oder der Bretagne? – der Mont St. Michel.

Mont Saint Michel

Der am nächsten gelegene Campingplatz ist 4 km entfernt. Wir haben Glück und ergattern ein schönes Plätzchen. Die Gegend ist so flach, dass wir den Kirchenberg schon von weitem erkennen können. Mächtig thront die Kathedrale auf ihrer kleinen Insel. Am Abend laufen wir gegen den nicht endenden Touristenstrom auf der Brücke hinüber zur Insel. Wir erkunden das kleine Dorf und erklimmen den Berg soweit wir können. Später köpfen wir auf einer Brücke mit Blick auf den 2 Km entfernt liegenden Mont St. Michel eine Flasche Weißwein und sehen der Sonne beim Untergehen zu.

Unser Bedarf an Brot ist enorm. Gut, dass es in so ziemlich jedem Ort eine Boulangerie-Patisserie gibt. Französisches Brot ist unglaublich lecker – am selben Tag. Am zweiten Tag kann man den Bäcker damit erschlagen. Da wir als Schwaben kein Brot wegwerfen können, haben wir ständig einen wunden Gaumen von der harten Kruste. Als unsere Katze im betagten Alter kaum noch Zähne hatte, konnte sie dank ausgeprägter Kauplatten dennoch Trockenfutter knacken. Unsere Kauplatten sind noch in der Entwicklungsphase. Deswegen testen wir verschiedene Kautechniken: Das Brot mit der weichen Seite nach oben zu essen klappt ganz gut. Großzügiges Eintunken in den Kaffee funktioniert auch am zweiten Tag noch. Weitere Vorschläge nehmen wir gerne noch an.


Sonntag, 05.09.21
Mont St. Michel – Barneville-Carteret – Portbail
Noch einmal wandern wir dem Berg mit der berühmten Kathedrale entgegen. Diesmal mit Morgensonne. Gegen Mittag räumen wir dann den Campingplatz für neue Touristen und machen uns auf zum nächsten Sandstrand. Und der kann sich sehen lassen.

Mont Saint Michel

Zuerst machen wir einen Badestopp bei den riesigen Sanddünen von Barneville-Carteret. Doch das Meer ist gerade irgendwo draußen im Atlantik und holt neuen Sand. Also wandern wir auf den Dünen umher, die gar nicht so richtig wie Sanddünen aussehen sondern locker mit Strandhafer, Gras und kratzigen Disteln bewachsen sind. Dennoch schön, besonders als vom Meer weiße Nebelschwaden hereinfließen und alles in ein mystisches Licht tauchen.

Portbail

Der Campingplatz, den wir uns bei Portbail für unser Nachtlager ausgesucht haben erweist sich als Glücksgriff. Direkt vor unserem Camper befinden sich ein kleiner Deich und dahinter direkt der Strand. Dass wir auf dem Deich gleich unsere Stühle aufstellen und ein Glas Wein daneben, versteht sich von selbst. Ab jetzt schauen wir dem Meer bei seinem Ebbe-Flut-Spiel zu, welches schon seit der Entstehung der Erde ununterbrochen anhält.


Montag, 06.09.21
Portbail
Da sitzen wir nun, auf unserer Düne, der Bühne, von der aus wir beobachten, in welchem Affentempo der Strand abwechselnd voll und leer läuft. Als ob jemand den Stöpsel aus dem Atlantik gezogen hätte. Draußen ziehen die Segelboote vorbei. Am Horizont glauben wir die nur 25 km entfernte britische Insel Jersey zu erkennen. Unser Telefon loggt sich schon mal im britischen Netz ein. In einem Moment, als der Strand mehrere hundert Meter breit ist unternehmen wir eine lange Wanderung. Ein Nickerchen im feinen Sand, Kekse und Kaffee „daheim“ und wenn das Wasser gerade die Bucht füllt, nehmen wir schnell ein erfrischendes Bad, bevor es wieder verschwindet. Es wird nie langweilig und ist gar nicht anstrengend. So fühlt sich Urlaub an.

Frankreich ist perfekt auf Camper eingestellt. In fast jedem Ort gibt es einen öffentlichen Campingplatz (municipal). Sie liegen eigentlich immer an schönen Plätzen und sind mit sanitären Anlagen ausgestattet. Zudem sind sie mit 10-15 Euro für 2 Personen und einem Campingbus erschwinglich. Es gibt auch eine Reihe privat betriebener Campingplätze. Der teuerste lag für uns bei 30 Euro. Es gab günstige Plätze, die blitzsauber waren und teurere Plätze die bestenfalls zweckmäßig ausgestattet waren. Am Preis konnte man das nicht festmachen, eher ließen sie sich die Lage bezahlen. In Südfrankreich suchten wir gerne nach „Camping de la Ferm“-Plätzen. Farmen, die einen Campingplatz auf ihrem Gelände betreiben. Oft gab es dort einen kleinen Hofladen mit einem Angebot an frischen Tomaten, Gurken, Obst und Wein. Was es eben so gab auf der Farm. Recht häufig konnte man Croissants oder Brot für den nächsten Tag vorbestellen, manchmal kam das Bäckerauto sogar auf den Platz, so dass man morgens mit frischen Backwaren versorgt wurde. Da es überall genügend Campingplätze gibt, gibt es auch nie ein Platzproblem. Obwohl wir nie vorgebucht haben, haben wir immer irgendwo einen schönen Platz gefunden.


Dienstag, 07.09.21
Portbail – Trouville-sur-Mer
Der heutige Tag steht im Zeichen des 2. Weltkriegs. Einige Bunkeranlagen des Deutschen Atlantik-Walls haben wir ja bereits gesehen. Jetzt besuchen wir den Küstenstreifen der Normandie, an dem einst die Alliierten landeten, um Europa von der Pest des Kriegs zu befreien. Wir beginnen mit dem deutschen Soldatenfriedhof La Cambe. Einer von vielen. 20.000 deutsche Gefallene sind hier bestattet. Lauter junge Männer. So viele Tote. Es ist sehr bedrückend. Beim amerikanischen Denkmal und dem amerikanischen Soldatenfriedhof am Omaha Beach bezeugen 60.000 Marmorkreuze den hohen Preis für den errungenen Frieden. Dorf für Dorf und Strand für Strand entlang dieses Küstenstreifens wird den Geschehnissen und Opfern der Befreiung vom 06.06.44 gedacht.

Amerikanischer Soldatenfriedhof Omaha Beach

Ziemlich nachdenklich erreichen wir gegen Abend die Schwesterstadt von Deauville, Trouville-sur-Mer. Der Campingplatz ist ein Logenplatz, steil über dem Meer angelegt. Der Weg zum Toilettenhaus gleicht einer Bergtour, entschädigt aber mit einem grandiosen Blick auf den zweitgrößten Industriehafen Frankreichs, Le Havre.

Trouville-sur-mer

Abends um 22:00 Uhr noch 26 Grad. Super, oder? Wir schlendern durch das mondäne Seebad und bewundern die tollen Fachwerkhäuser mit ihren schönen Fassaden. Es ist gar nicht so einfach, einen Platz im Restaurant zu finden. „Avez-vous une réservation?“ Nein, leider nicht, also weiter suchen. Die meisten Restaurants haben sich auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiert. Austern, Muscheln, Krabben und undefinierbare Krustentiere befinden sich auf riesigen Schüsseln zwischen Eiswürfeln und Salat. Als Vegetarierin ist es gar nicht so leicht einen Sitzplatz UND etwas Essbares zu finden. Die Zubereitungsfantasie der französischen Köche ist grenzenlos und so suchen wir uns durch die Speisekarten, immer auf der Hut, nicht versehentlich Schnecken oder Froschschenkel zu bestellen. Am Ende sind auch wir zufrieden und satt.


Mittwoch, 08.09.21
Trouville – Etretat – Yport
Die kleinen Hafenstädte sind einfach bezaubernd. Heute drehen wir in Hornfleur eine Runde um das Hafenbecken, das eingerahmt wird von schönen Fachwerkhäusern. Ein kleiner Markt, eine riesige Holzkirche, ausgefallene Kunstgalerien. Sehr hübsch.

Hornfleur

Bei Le Havre überqueren wir zwei gewaltige Brücken. Architektonische Meisterwerke der Neuzeit, die durchaus einen Anspruch auf Beachtung haben.

Kreidefelsen von Etretat

Schließlich erreichen wir Etretat. Wir schlagen uns durch den touristisch geprägten Ortskern, vorbei am Strand mit Seebadcharakter und steigen hinauf auf die Kreidefelsen um von dort einen schönen Blick auf weitere Kreidefelsen und Felsbögen zu bekommen. Das Wetter ist schön, die Felsen sind schön, die Sicht ist noch besser und das Eis am Schluss ist auch lecker.
Der Campingplatz von Etretat ist heute ausgebucht. Macht nichts, es gibt noch viele andere und so nehmen wir den von Yport, der ebenfalls an einem sehr steilen Hang über den Dächern des eigentlichen Ortes angelegt ist.


Donnerstag, 09.09.21
Yport – Rouen – Bresles
Erster Kurzstopp in Fécamp beim Stadtschlösschen eines berühmten Kräuterlikörherstellers, noch ein letzter Blick über den Atlantik und dann biegen wir rechts ab ins Inland. Zufällig führt uns die Route über Morvillers, wo wir der Klosterruine St. Wandrille noch einen Fotostopp gönnen. Die Ruine der Abtei von Jumièges liegt auf dem Weg nach Rouen direkt an der Seine. Die Gründung der Abtei liegt 1.300 Jahre zurück und dennoch kann man den Glanz und die beachtliche Architektur der Anlage noch sehr gut nachvollziehen. Sie ist zählt völlig zu Recht zu den beeindruckendsten Ruinen Frankreichs.

Abbaye de Jumieges

Rouen ist eine sehr schöne Stadt. Obwohl sie für Touristen ein lohnenswertes Ziel sein könnte, geht es ruhig und besonnen zu. Fachwerkhäuser und Kathedrale sind wie aus Zuckerguss. Einen Regenschauer überbrücken wir bei Galettes und Café au Lait in einem schnuckeligen Bistro in der Altstadt. Dann geht es wieder zurück in das Verkehrsgetümmel. So sehenswert die großen Städte auch sein mögen, dorthin zu kommen ist sehr zeitaufwändig und nervig. Die Suche nach der Einfahrt in einen Parkplatz scheitert oft an einer völlig unübersichtlichen Verkehrsführung und die Krönung ist dann, wenn die Schranke nicht aufgeht, weil der Automat außer Betrieb ist. So quälen wir uns also über rote Ampeln im 100 Meter-Takt wieder aus Rouen hinaus und streichen einstimmig den Besuch von Reims.
Einen Campingplatz finden wir in einem Ort namens Bresles in der Nähe von Beauvais.


Freitag, 10.09.21
Bresles – Ribeauville
Ab jetzt lassen wir alle Kathedralen und Ruinen links und rechts liegen und düsen Richtung Heimat. Unser Ziel ist das Elsass, wo wir eine letzte Nacht verbringen möchten. Wir haben uns den Ort Ribeauville ausgesucht, den wir von einem früheren Urlaub kennen. Ein hübsches Fachwerkstädtchen in dem Puppenküche und Märklin-Eisenbahn sich gute Nacht sagen.

Fachwerkhäuser im Elsass

Natürlich lassen wir uns einen typisch Elsässischen Flammkuchen schmecken. Der Campingplatz ist einer der schönsten, den wir je hatten. Ein sehr schöner Abschluss dieser Reise durch Frankreich.


Samstag, 11.09.21
Ribeauville – Deutschland
Bei Marckolsheim überqueren wir den Rhein und damit die Grenze, durchqueren den Kaiserstuhl und sind pünktlich zu Mittag im Schwarzwald, wo wir uns von unserem treuen Campingbus verabschieden.

Mahnung an den Frieden am Leuchtturm Eggmühl