Reisebericht Namibia Botswana Teil 1 (Windhoek – Maun – Moremi Nationalpark)

Grenze zwischen Namibia und Botswana

Windhoek
Wir sind wieder da! Fast zwei Jahre, 3 ½ Stunden Zugfahrt und 10 Stunden Flug und einer endlosen Schlange am Zoll, sind wir dem grauen Nebel und den eisigen Wintertemperaturen erfolgreich entkommen und glücklich in Namibia eingereist. Gleich am Flughafen holen wir unser schickes Auto ab, diesmal einen Toyota Allrad und machen die ersten Fahrversuche mit dem Koloß in Richtung Windhoek. Bald schon werden die alten Erinnerungen wieder real, die warme Luft, der blaue Himmel, die Straßen Windhoeks, und wir steuern zielsicher unseren Stammparkplatz in der Innenstadt Windhoeks an. Der erste Tag muss wieder einmal zum Organisieren und Eingewöhnen herhalten. Zu unserem Pech ist Feiertag und wir können leider nicht soviel erledigen wie geplant. Erst mal decken wir uns im Shop-Rite mit den wichtigsten Lebensmitteln ein. Danach suchen wir den Campingvermieter auf, der hat wie erwartet geschlossen. Wir entscheiden uns, die kommende Nacht in der Gästefarm Elisenheim in der Nähe von Windhoek zu verbringen. Es ist noch früh am Nachmittag und so haben wir genügend Zeit, das Gepäck umzuorganisieren und uns in unserem riesigen Auto häuslich einzurichten. Am Abend unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang auf den Hausberg der Farm, doch die Hitze macht uns schon bald zu schaffen und wir widmen uns lieber dem Abendessen.

Windhoek – Karakubis
Wie erwartet erwachen wir bei strahlend blauem Himmel. Es war ziemlich kühl in der Nacht. Erst als die Sonne über den Hausberg klettert, wird es wärmer. Unser erstes Campingfrühstück besteht aus Müsli mit frischem Obst und Joghurt. Nachdem wir alles wieder verpackt haben – wir müssen das noch ein bißchen üben – fahren wir nochmal in die Stadt zum Campingvermieter. Heute ist geöffnet und wir decken uns mit allen möglichen Luxusgütern ein die wir finden können. Tisch, Klappstühle, Gaslampe, Kochtöpfe, Kochbesteck, Axt, Schaufel, Kühlbox, Wasser- und Benzinkanister, Grillrost und einen Gaskocher. Alles sauber in eine Kiste geschichtet und André packt uns noch 2 Kochlöffel und eine Abspülwanne obenauf. Wir werden noch staunen, welcher der Gegenstände, die wir im Moment als unnütz ansehen, uns im Laufe der Reise noch große Dienste erweisen wird. Schließlich ist alles verladen und die Laderampe voll. Jetzt noch schnell die restlichen Lebensmittel für die nächsten 2 Wochen (!) besorgen. Konservendosen, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Brot, Milchpulver und Knabberzeug und einige 6-Packs Windhoek Lager – nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Tapfer kämpfen wir uns durch den Supermarkt, bis der Einkaufswagen überquillt und die Leute uns ratlos angucken. Noch Grillkohle und Steaks obenauf und wir sind für die nächste Zeit versorgt. Im selben Mall gibt es eine Apotheke, wo wir noch Malariamittel einkaufen. Wie es scheint führt kein Weg an einer Prophylaxe vorbei, wenn man wie wir in der Regenzeit in das Hochrisikogebiet Botswana reisen will. Eine Kombination aus Chloroquin und Paludrine wird empfohlen und kommt uns mit 30 Euro trotzdem erheblich billiger als die selben Medikamente in Deutschland. Der letzte Stopp, bevor wir Windhoek und damit die Zivilisation hinter uns lassen, erfolgt an einer Tankstelle, wo wir noch den Ersatzkanister auffüllen und Eis für die Kühlbox besorgen. Schon kurz nach der Stadt lassen wir die letzten Hügel hinter uns und um uns herum erstreckt sich trockene Steppe, roter Sand durchwirkt mit niedrigen kugelförmigen Büschen. Am Nachmittag passieren wir die Grenze nach Botswana und beginnen bald mit der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz in der Wildnis. Eine dunkle Gewitterwolke zieht hinter unserem Rücken auf und droht uns einzuholen. Wir finden einen Feldweg und schlagen einige hundert Meter von der Hauptstraße entfernt unser Lager auf. Zwischen den Büschen glauben wir uns unbeobachtet. Der Boden besteht aus rotem Sand, der unzählige Löcher mit aufgeworfenen kleinen Sandhügelchen aufweist. Als wir mit dem Zelt fertig sind, entdecken wir hunderte ca. 8 cm lange schwarze Tausendfüßler um uns herum, die sich beklagen, das wir ihre Sandlöcher zertreten haben. Wir staunen noch, wie riesig die sind, als erst die wirklich großen, mit ca. 14 cm Länge und der Dicke einer Zigarre auftauchen. Sie sind einfach überall. Heute lassen wir besser die festen Schuhe an. Die dunkle Wolke kommt rasch näher, wir müssen uns mit dem Kochen beeilen. Doch das ist nicht so einfach in all dem unorganisierten Durcheinander, der in unserem Auto herrscht. Schließlich steht unser erstes Campingabendessen auf dem Campingtisch. Thai Curry mit Nudeln und Salat, gekocht auf unserem Campingkocher. Danach lehnen wir uns mit unserem kühlen Windhoek-Lager aus der Campingkühlbox in unseren noblen Campingstühlen zurück, genießen den schönen Sonnenuntergang, und stellen befriedigt fest, daß wir noch nie so feudal gereist sind. Als es dunkel wird geht unsere neue Gaslampe in Gebrauch. Statt Regen hagelt es jetzt kleine schwarze Käfer, die sich im Licht verirren und sich in unseren Kleidern und Haaren verfangen. Ach, was hatten wir uns doch auf die romantischen, lauen Nächte im Busch gefreut. Nicht weit von uns entfernt entdecken wir jetzt auch noch ein Feuer und bemerken, daß wir schon lange beobachtet werden. Gute Nacht.

Leopard

Karakubis – Maun
Heute nacht bekamen wir Besuch von zwei laut schmatzenden Eseln. Das war allerdings noch das harmloseste Geräusch, von dem wir aufgewacht sind. Wir müssen uns erst wieder an die Nächte im Busch gewöhnen. Das Frühstück gibt es bei strahlender Sonne. Das Gewitter von gestern hat sich verzogen. Immer noch sind die Tausendfüßler aktiv. Bestimmt hoffen sie, daß wir bald abreisen. Wir versuchen, etwas Ordnung in das Chaos unserer Ladung zu bringen. Aber es bleibt beim Versuch. Die 350 Km nach Maun auf schnurgerader Teerstraße sind recht eintönig. Das Buschland bietet nicht viel Abwechslung. Nur vereinzelt tauchen kleine Siedlungen am Straßenrand auf. Wir sehen einige Kühe, Esel und Ziegen. Stundenlang fahren wir durch ebenes Land, wir zählen zwei Anhöhen auf der ganzen Strecke. In Ghanzi, das wir nach 1 ½ Stunden erreichen machen wir Halt, um botswanisches Geld zu wechseln. Der Ort erinnert uns sehr an Opuwo in Namibia. Jede Menge Einheimische, die nach afrikanischer Geschäftstüchtigkeit an den Straßen herum hängen. Doch es ist sauber und die Menschen sind freundlich. In der einzigen Bank drängeln sich die Leute eng im Foyer und jede Person verbringt ca. 15 Minuten am Schalter. Ich stelle mich auf einen Tag Wartezeit ein und hoffe, daß wir an die Reihe kommen, bevor die Bank schließt. Schließlich geben wir auf und fahren unverrichteter Dinge weiter nach Maun. Hier gelingt es uns auf Anhieb, Pula zu besorgen. Außerdem besorgen wir noch Eis für die Kühlbox und für die Seele Lutscheis. Am Abend grillen wir Steaks, Maiskolben und Zwiebeln. Dazu gibt es Kartoffeln. So gut haben wir schon lange nicht mehr gespeist.

Maun – Xakarnaxas
Das Auto ist getankt, die Nationalparks gebucht, wir sind bereit, die Zivilisation hinter uns zu lassen. Noch etwas unausgeschlafen, wegen dem heftigen Gewitter in der Nacht, verlassen wir früh morgens das Camp. Eine halbe Stunde lang ist die Straße noch geteert. Ab einer schönen Rondellsiedlung beginnt eine gut zu befahrene Piste und nach 20 km erreichen wir einen Veterinärzaun an dem wir freundliche durchgewunken werden. Die sandige Piste wird nun immer schmaler, die Spuren immer tiefer. Wir bekommen langsam eine Ahnung, was uns erwartet. Wir fahren durch niedrig wachsendes Laubgebüsch. Die Bäume haben frisch ausgeschlagen und die hellgrünen Blätter erfreuen das Auge. Wir sehen nur sehr wenige Tiere. 3 junge Schakale beim Spielen, einige Zebras und Antilopen. Der Höhepunkt des Tages sind 3 Flußpferde mit einem Jungtier an einem kleinen See. Da es in diesem Jahr noch nicht so viel geregnet hat, ist die Straße besser als erwartet. Trotzdem kommen wir nur langsam voran. Das aufmerksame Fahren und das Ausschau halten nach Tieren ist ziemlich anstrengend und wir machen Mittagsrast unter einem Leberwurstbaum in einem ausgewiesenen Camp. Das Camp ist nicht eingezäunt und überall zwischen den Tierspuren liegt Elefantendung. Wir sind ganz alleine. Über eine wackelige Holzbrücke, deren Pfähle nur mit etwas Draht zusammengebunden sind, erkunden wir weiter den Park. Leider zweigen immer wieder unbeschilderte Pfade ab, was die Orientierung sehr mühsam macht. Langsam wird es Zeit, ein Camp für die Nacht aufzusuchen, doch wir haben keine Ahnung, wo wir sein könnten. Zum Glück treffen wir auf ein anderes Fahrzeug, das uns den Weg weist. Die Dusche im Camp tut gut, das Zelt ist schnell aufgebaut und wir trinken südafrikanischen Rotwein zu unseren Grillwürstchen mit Reis und Salat. Im Schutz des Lagerfeuers lauschen wir den unheimlichen Geräuschen des Dschungels.

Löwe im Moremi Nationalpark

Moremi Nationalpark
Am frühen Morgen erhoffen wir uns eine bessere Jagdausbeute als gestern. Um ½ 7 sind wir schon zur Abreise bereit – ohne Frühstück, das möchten wir gerne beim Tierbeobachten einnehmen. Gleich hinter der ersten Kurve erwarten uns zwei Giraffen auf der Straße. Na, das ist doch schon mal etwas. Kurze Zeit später sehen wir eine Tüpfelhyäne. Eine solche soll sich letzte Nacht auch auf unserem Zeltplatz herumgetrieben haben. Die Spuren konnten wir deutlich vor dem Zelt sehen. Wir schlagen den Weg Richtung North-Gate ein. Doch die Straße ist gesperrt. Also versuchen wir zum Dead Tree Island zu kommen, wo wir gestern schon wegen der verwirrenden Straßenführung gescheitert sind. Wir irren im Sumpf umher und gelangen an einen ausgetrockneten Tümpel. Als wir am anderen Ende ankommen überfahren wir beinahe ein Löwenpärchen, das dort mitten auf dem Weg im Schatten faulenzt. Guten Morgen. Die beiden lassen sich nicht von uns stören, heben gerade mal den Kopf oder strecken eine riesige Pranken zum Gruß. Endlich erhebt sich das prächtige Männchen und läßt sich in seiner ganzen Größe bewundern. Aber was ist das? Zielstrebig schlendert er zu seinem Weibchen, das sich nun im Sand räkelt. Da sieh einer an, haben wir doch zwei Löwen beim Liebesspiel erwischt. Nach getaner Arbeit läßt sich das Löwenmännchen wieder zu Boden sinken und döst weiter. Uns verschlägt es die Sprache. Damit haben wir nicht gerechnet. Nach etwa 30 Minuten wiederholt sich das Schauspiel und wir sind höchstens 15 Meter entfernt und live dabei. Irgendwann müssen wir uns von den prächtigen Tieren trennen. Wer weiß, vielleicht wartet ja hinter der nächsten Biegung ein Elefant auf uns. Aber statt dessen scheuchen wir einige Krokodile in einen Pool. Wir holpern weiter über löchrige Pisten durch den Wald. Hier und da Impalas oder andere Antilopen. In einigen Wasserlöchern machen wir die Ohren von Flußpferden aus. Einer falschen Abzweigung verdanken wir es, daß uns plötzlich ein Leopard vor das Auto läuft. Wir können unser Glück kaum fassen. Das schöne Tier läuft einige Meter vor uns auf der Straße entlang und bleibt dann auf einem Erdhügel, keine 10 Meter von uns entfernt, sitzen. So können wir diese herrliche Katze einige Minuten beobachten, bis sie endgültig im Gebüsch verschwindet. Trotzdem wir sehr zufrieden mit unserer bisherigen Tagesausbeute sind, suchen wir weiter unseren Weg durch den Irrgarten von Pfaden, hoppeln durch das Gelände, klettern über Wurzeln und Löcher und durchqueren tiefe Schlammlöcher oder sandige Passagen. Unser tapferes Auto hält brav durch. Die aus zusammengebundenen Holzpfälen konstruierten Brücken sehen nicht sehr vertrauenswürdig aus, aber heute halten sie noch. Mehr durch Zufall finden wir endlich Dead Tree Island. Unzählige abgestorbene Bäume ragen in den Himmel und bieten einen abwechslungsreichen Anblick im Vergleich zu den Sumpf- und Waldlandschaften, die wir bisher gesehen haben. Wir tasten uns weiter am Rand der Sümpfe entlang. Immer wieder gilt es, umgefallene Bäume zu umfahren, und bald haben wir wieder die Orientierung verloren. Endlich finden wir einen der wenigen Wegweiser, der uns in das Camp „3rd Bridge“ bringt. Wir beschließen, den Nachmittag hier zu ruhen und lieber am Abend noch einmal auf Safari zu gehen. Strike, der Koch und Guide vom Zelt nebenan, leistet uns Gesellschaft. Wir spendieren ihm ein Bier und er erzählt uns von seiner Heimat Botswana und gibt uns viele hilfreiche Tipps. Später geht er mit uns zum Ende des Camps und zeigt uns eine seltene Antilope mit Kälbchen hinter einem Baum. Am späten Nachmittag machen wir uns noch einmal auf den Weg. Wir möchten ein Stück Richtung Mbane fahren, weil dort Elefanten gesichtet worden seien. Der Weg dorthin ist allerdings für uns nicht passierbar so daß wir lieber die Flußpferde vom Vortag besuchen. Heute entdecken wir sogar noch einige Krokodile dazu. Zurück im Camp bereiten wir das Abendessen auf dem Lagerfeuer. In der Nähe soll sich ein Leopard aufhalten, erzählt uns Strike. Der hat es auf die Paviane abgesehen, die auf dem Nachbarbaum hausen. Es ist eine wundervolle Nacht. Der Mond erhellt den wilden Dschungel. Langsam erwachen die Nachttiere. Die Geräuschkulisse ist unvergeßlich – besonders das Husten des Leoparden ganz in unserer Nähe…

Reisebericht Namibia-Botswana Teil 1 (Windhoek – Maun – Moremi Nationalpark)

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