Reiseimpressionen Trekking Nepal Teil 3

Trekking in Nepal

Die Bürde der Träger
Selbst für Maultiere sind manche Strecken nicht mehr passierbar. Immer wieder begegnen wir Trägertrupps, die unglaubliche Mengen an Gepäck und Gütern per Menschenkraft in die Dörfer transportieren. Es gibt keine Straßen in der Nähe, keine Materialseilbahn, keine Hubschrauberversorgung. Alles wird per Stirnriemen tagelang hergetragen. Jeder Zementsack, jede Sperrholzplatte, jede Stück vom Wellblechdach. Wir laufen einen halben Tag hinter einem wandelnden Schrank her und begegnen einem Bund 5 meterlangen Abwasserrohren. Aber auch jede Coca-Cola Flasche und Gaskartusche für die Touristen wird per Menschenkraft hochgetragen. Wenn man bedenkt, mit welchem Aufwand das verbunden ist, empfinden wir das Vorhandene als enormen Luxus. Da wir unser Gepäck selbst tragen, wissen wir zumindest um einen Bruchteil der Leistung, die die Träger hier vollbringen. Und trotzdem sind die Leute hier genügsam, zufrieden und sehr herzlich. Der Beruf des Trägers hat eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten besteht diese alte Händlerstraße, auf der schon früher Reis aus dem Tiefland gegen Salz aus Mustang getauscht wurde. So wurden auch die Strecken immer in Schuss gehalten. Die Touristen haben sich diesen alten Berufszweig zu Nutzen gemacht und lassen sich heute das Gepäck tragen.

Die Mühsal der Menschen
Überall wo Siedlungen sind, sind schmale Terrassen in den Berg modelliert. Von oben sieht das aus wie Höhenlinien auf einer Landkarte. Es ist für uns unvorstellbar, wie viele Höhenmeter die Bauern jedes mal aufs neue erklettern müssen, um die Felder zu pflügen, zu düngen, zu säen, zu jäten, hacken und bewässern und schließlich zu ernten. Ist die kümmerliche Ernte endlich eingebracht, muss sie Hunderte von Höhenmetern in das Dorf getragen werden, wo sie schließlich von den Frauen per Hand gedroschen, gesiebt und getrocknet wird. In den schmalen Streifen nahe der Dörfer gedeihen im Moment Kohl, Kartoffeln und Mais und eine Art Salat, den wir in unseren vegetarischen Gerichten wieder finden. Alles Bio – versteht sich. Nahe der Häuser befindet sich oft ein wackeliger Unterstand für den einzigen Wasserbüffel, der als Milchlieferant und Arbeitstier dient. Als Futter dienten Blätter von Bäumen, die von den Frauen und Kindern in großen Tragekörben in den Wäldern gesammelt werden. Der Mist wird Tag für Tag von den Frauen in den selben Tragekörben auf den Feldern verteilt. Es ist eine scheinbar friedliche Idylle, doch Kinder oder junge Leute sehen wir nur sehr wenig. Das Leben hier ist zu hart und die Jungen zieht es in die Städte um sich als Schmuckverkäufer oder Träger zu verdingen.

Zum Annapurna Basis Lager
Der reißende Gletscherfluß schneidet sich durch das schmale Tal. Der Weg führt uns unterhalb der Steilwände am Fluß entlang. Mit etwas weniger Gepäck kommen wir zügig voran. Zum Warmlaufen gibt es gleich am Morgen 1000 Treppen bergab und drüben wieder hinauf. Der Muskelkater vom Vortag wird bald kleinlaut, nur nach den Pausen will er noch aufbegehren, doch die nächsten Treppen lassen ihn endlich verstummen. Wir durchqueren mehrere Dörfer. Aber es sind keine gewachsenen Dörfer mehr sondern eine Ansammlung von Unterkünften. Der ganze Weg ist nur mehr für Wanderer gemacht. Auch Maultiere kommen nicht mehr bis hierher. Alles muss von Menschen hochgetragen werden. Jede Lodge beschäftigt angeblich 2 Porter, die täglich je 35 Kg. Ware vom nächsten Ort Chomrong holen. Der Ort ist einfach 5-7 Stunden Fußmarsch entfernt und es müssen mehrmals mehrere Hundert Höhenmeter überwunden werden. Allerdings gibt es hier nicht mehr ganz so viele Treppen, so dass das Wandern angenehmer wird. Immer wieder haben wir grandiose Aussichten in das Tal. Der „Fischschwanz“ begleitet uns auf der ganzen Strecke und immer wieder können wir bis weit hinter in die Schlucht sehen, die von den hohen Bergen der Annapurna eingegrenzt wird. Mächtig thronen sie über allem wie Götter. Nie würde uns in den Sinn kommen, sie bezwingen zu wollen. Dazu sind sie einfach zu mächtig. Es ist, als ob sie mit Ihrer drohenden Haltung dem Menschen seine Grenzen zeigen wollten.

Fischschwanz

In der Nacht hat es ein bisschen geschneit. Der Weg ist leicht gefroren und von den Sträuchern rieselt uns das Pulver in den Nacken. Die Schlucht ist so schmal, dass uns die steilen Wände den Blick auf die umliegenden Siebentausender verdeckt. Das Gebiet ist stark lawinengefährdet. Mehrmals überqueren wir große Schneefelder von alten Lawinen. Nach drei Stunden öffnet sich das Tal zu einem kleinen Kessel. Der berühmte „Fischschwanz“ zeigt sich uns nur kurz, das Wetter zieht zu, es beginnt wieder zu schneien. Zum Annapurna Basis Lager geht es nun stetig bergauf. Das Schneetreiben wird immer dichter. Wir können gerade noch den Weg erkennen. Inzwischen befinden wir uns auf 4100 Metern Höhe. Die dünne Luft macht sich bemerkbar. Obwohl der Weg nicht sehr steil ist, ist es doch recht anstrengend. Von der Landschaft und den Bergen ist nun nichts mehr zu erkennen. Alles ist in dicke Wolken verpackt und es schneit kräftig weiter. In der Hütte ist es klamm und kalt. Das Wasser in der Toilette ist gefroren. Der Boden vereist und rutschig. Im Gemeinschaftsraum wird unter dem Tisch, der mit Decken gesäumt ist, ein Kerosinbrenner angezündet. Wer sich die Füße wärmen will, muss 100 Rupies bezahlen. Eine Monoxidvergiftung bekommt man gleich noch kostenlos dazu. Im Schlafzimmer ist es noch kälter. Die Wasserflaschen gefrieren. Heute stellen wir die Qualität unserer Schlafsäcke auf die Probe. Zusammen mit den muffligen Decken ist es gut auszuhalten.

Annapurna Basecamp

Über Nacht hat es 25 cm geschneit. Am morgen hat es aufgeklart und ein strahlender Tag erwartet uns. Ebenso strahlend begrüßen uns heute Annapurna und Co. aus nächster Nähe. Alle sind glücklich und stapfen mit ihren Kameras im frischen Schnee herum. Die Szenerie ist wirklich unglaublich schön. Wir brechen früh auf, um das lawinengefährdete Gebiet so früh wie möglich zu verlassen. Wir kämpfen uns durch den tiefen Schnee. Einige Passagen sind ausgesetzt und durch den frischen Schnee rutschig. Eine Lawine ist bereits abgegangen und stoppte kurz vor dem Weg. Weiter unten sehen wir an der Wand gegenüber eine Staublawine abgehen. Nach 3 Stunden verlassen wir das gefährdete Gebiet und machen Frühstückspause in einer Hütte. Bei einem Abstieg von 1800 Höhenmetern in 6 Stunden haben wir am Abend mehrere Klimazonen durchquert. Inzwischen befinden wir uns wieder im Bambuswald. Hier ist es endlich wieder warm. Von Schnee keine Spur mehr. Ein Schild preist „24 hours hot shower by Solar“ an. Es ist die kälteste „Hot Shower“ die ich je hatte. Beim Haare waschen gefrieren mir beinahe die Haarwurzeln.

Eine kulinarische Reise
Obwohl wir sie schon in- und auswendig kennen, lesen wir doch jeden Tag mit großem Interesse die Speisekarte. In allen Gästehäusern steht das gleiche auf der Karte: Gebratener Reis, Reis mit Gemüse, Gemüsecurry, Kartoffeln und Dal Bhat. Zum Frühstück kann man wählen zwischen verschiedenen Brotsorten wie Chapati, Gurung Brot und Pfannkuchen. Müsli wird auch manchmal angeboten, doch da es nicht traditionell ist, kann es schon mal ein bisschen ranzig schmecken. Für angeschlagene Mägen empfehlen wir Porrige. Haferbrei mit Milch und Zucker. Interessant fanden wir auch Momo, das wir als Schwaben gleich als „nepalische Maultaschen“ identifizieren. Für Touristen gibt es auch Spagetti oder Nudeln mit Gemüse, Käse oder Tunfisch. Solcher Luxus ist sogar auf 4.100 Metern Höhe noch verfügbar. Allerdings sind vom Tunfisch nur noch Spuren im Essen nachweisbar. Nach ein paar Tagen haben wir uns schon auf Dal Bhat eingeschossen. Eine große Portion Reis mit Gemüsecurry. Dazu eine Scheibe Parpat (dünnes gewürztes Brot in Chipskonsistenz), etwas gedünstetes Gemüse und eine Schale Linsen. Somit hat man seinen Tagesbedarf an allem gedeckt was man so braucht. Aber das schönste ist, dass man bei diesem Gericht immer Nachschlag bekommt. Die Auswahl auf der Speisekarte ist zwar überall beschränkt, aber die Vielfalt der Zubereitungen sind grenzenlos, so dass man jeden Tag aufs neue überrascht wird. Ein Abendessen kostet je nach Gericht und Abgeschiedenheit zwischen einem und drei Euro. Dafür darf man aber keine europäischen Hygienestandards erwarten. Am besten man denkt gar nicht darüber nach und verzichtet auf einen Blick in die lokale Küche. Dort wird nämlich auf einem offenen Feuer gekocht. Vom jahrelangen Gebrauch ist der ganze Raum samt Armaturen, Schränken, Böden und Köchen kohlrabenschwarz. Jedoch wird alles frisch zubereitet, so dass man auch ein bisschen Geduld mitbringen muss. Vom Fleisch sollte man mangels Kühlmöglichkeiten tunlichst die Finger lassen. Wer die örtlichen Metzger gesehen hat, wird ohnehin schnell zum Vegetarier. Es sei denn, man hat einen besonders robusten Magen. Wer unbedingt Hähnchen probieren möchte, sollte sich darüber im klaren sein, dass dieses nach Bestellung im Hinterhof gefangen und frisch zubereitet wird. Sofern es nicht ohnehin gerade in der Küche im Boden scharrt.
Als Wanderer und in diesen Höhen soll man viel trinken. Es gibt leckere Tees in den Gasthäusern. Verschiedene Kräutertees oder den erfrischenden Lemontee. Aber am liebsten mögen wir Masala-Tee. Grüner Tee mit einer Gewürzmischung aus Kardamon, Nelken und Ingwer in Milch aufgekocht mit viel Zucker. Eine Kanne kostet etwa 2 Euro.
Reisen in Nepal ist sehr preisgünstig. Für 10-15 Euro bekommen wir ein Schlaflager, Frühstück, Mittag- und Abendessen inklusive Tee und Wasser für 2 Personen.

Bilder einer Wanderung
Jäh werden wir aus unserer stillen Idylle gerissen, als nach 10 Tagen Wanderung die ersten Autohupen zu uns heraufdröhnen. Während wir die letzten steilen Treppen hinabsteigen laufen die Bilder der letzten 10 Tage vor unserem inneren Auge ab. Die friedliche Stille in den Dörfern, die freundlichen und genügsamen Menschen, die Oma am Webrahmen vor dem Haus, die Mädchen beim Reis verlesen, die Männer mit dem Wasserbüffel beim Pflügen, die Hühnerfamilien am Weg, der Geruch der Küchenfeuer, die schönen Gespräche mit den anderen Wanderern beim Tee, die unbequemen Nächte auf dünnen Matratzen, die kalten Duschen, die Bäder ohne Waschbecken, die Toiletten ohne Spülung und Türen, die nicht annähernd in die Angeln passten, die stinkenden Socken, die gnadenlosen Treppen und endlosen Steigungen, die Trägerkarawanen samt dem geräuschvollen Aufziehen und Ausspucken, die ständig wechselnde Landschaft, die wackeligen Hängebrücken über reißende Bäche, die immer wieder gewaltigen Ausblicke auf die mächtigsten Berge der Welt… Das alles wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

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