Alpenüberquerung Oberstdorf nach Meran vor 20 Jahren

Alpenüberquerung Oberstdorf-Meran

Als Allgäuerinnen hatten wir schon viele gemeinsame Wanderungen in den Bergen vor unserer Haustüre unternommen. So oft es ging trafen wir uns zu Tageswanderungen und immer öfter wurden Mehrtagestouren mit Übernachtungen in den Berghütten daraus. Umso mehr wir unternahmen desto mehr wuchs der Wunsch, die Alpen komplett von Nord nach Süd zu überqueren.

2001 erfüllten wir uns den Traum einer Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran.

Zu einer Zeit, als der Europäischen Fernwanderweg E5 nur unter Bergwanderern bekannt war, mit DM, Schilling und Lira gehandelt wurde und die Orientierung anhand von Papier-Landkarten erfolgte.


Tag 1 der Alpenüberquerung im September 2001

Alpenüberquerung Oberstdorf-Meran
Etappe Madau-Memminger Hütte

Strecke: Madau (1100 m, Lechtal) – Parkplatz Memminger Hütte (1449 m) – Memminger Hütte (2242 m)

Es geht schon gut los. Am Vortag gibt es einen unverhofft frühen Wintereinbruch. 10 cm Neuschnee bis ins Tal. Wir verschieben unseren Start um einen Tag bei schlechten Wetterprognosen. Die Strecke Oberstdorf-Kemptener Hütte-Lechtal kennen wir bereits und beginnen gleich in Holzgau im Lechtal. Da wir den Aufstieg zur Memminger Hütte ebenfalls kennen und wissen, wie kräftezehrend der 8 km lange Zustieg von Madau zur Materialseilbahn der Memminger Hütte (1449 m) ist, beschließen wir für diesen Teil ein Taxi zu rufen.

Der Fuhrunternehmer erzählt uns, der Ansturm auf die Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran sei am Abklingen. In den letzten Jahren habe er im Tal mit dem Bus nicht lange warten müssen, bis genügend Wanderer für den Transfer nach Bach beisammen waren. Heutzutage lohne sich das nicht mehr – nun rufen die Wanderer individuell mit dem fest installierten Telefon bei ihm an. Da ahnt er noch nicht, welchen Bekanntheitsgrad die Strecke über den Alpenhauptkamm noch bekommen sollte.

Kurz hinter dem Parkplatz überqueren wir einen Bach. Ab hier beginnt der steile, schweißtreibende Aufstieg über fast 800 Höhenmeter. Das Wetter hat bisher gehalten. Nach etwa einer Stunde jedoch beginnt es zu regnen. Bis wir unsere gesamte Regenkleidung auspacken und uns darin einpacken hört es wieder auf. Nicht zur Strafe, nur zur Übung… Je höher wir steigen desto kühler wird es. Wir erreichen die Latschengrenze und bekommen Blick auf einen schönen Wasserfall. Oberhalb des Wasserfalls quert ein Holzsteg den Bach. Von hier zieht sich der Weg noch eine Stunde über Almen bis zur Hütte, die man erst kurz vor Erreichen sehen kann. Immer wieder haben wir schönen Blick in das Parseier Tal.

Die Memminger Hütte liegt knapp unterhalb der Wolkengrenze. Sie wird gerade vergrößert. Im Schlafraum flattert statt der Außenwand eine dünne Plastikfolie. Draußen hat es Minusgrade, innen gefriert der Atem zu grauen Wolken. Das kalte Wasser im Bad läßt die Haut prickeln und so wird uns ein wenig wärmer. Im Lager ist Platz für 80 Personen. Wir teilen uns heute das ganze Lager mit 2 jungen Männern.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Dauer des Aufstiegs von Bach bis Parkplatz Memminger Hütte ca. 1,5 Stunden (ca. 350 Höhenmeter ⇑) und vom Parkplatz bis zur Memminger Hütte 2-3 Stunden (ca. 800 Höhenmeter ⇑). Ca. 10 km.
  • Ab Holzgau und Bach gibt es einen regulären Taxiservice für die 8 km lange Mautstrecke bis zum Parkplatz Memminger Hütte. Das Taxi fährt um 7:30, 8:30, 14:00 und 16:30 ab Bach und benötigt ½ Stunde. Kostenpunkt 90 Schilling. Außerhalb dieser Zeiten kann man ein Sammeltaxi bestellen (Telefonnummer steht an der Anschlagtafel in Bach) für 140 Schilling pro Person ab 4 Personen aber 500 Schilling für das Auto bis 3 Personen. Zurück fährt das Taxi ab dem Parkplatz um 8:15, 9:15, 14:30, und 17:15. Bei großer Nachfrage sind ständig Taxis unterwegs.
  • Am Parkplatz der Memminger Hütte gibt es eine Materialseilbahn, mit der man gegen Entgelt sein Gepäck transportieren lassen kann.
  • Für einen Abstecher von der Memminger Hütte auf den Gipfel des Seekogels (2412) muß man etwa eine Stunde einfach rechnen.
  • Übernachtung im Lager der Memminger Hütte 22 DM pro Person ohne Frühstück. 1 Liter heißes Wasser 7 DM (!). Für DAV-Mitglieder jeweils halbe Preise.

Tag 2 der Alpenüberquerung im September 2001

Wanderung von Oberstdorf-Meran auf dem E5
Etappe Memminger Hütte – Zams

Memminger Hütte (2242 m) – Seescharte (2599 m) – Zams (775, Inntal)

Die Wetterprognosen halten Wort – draußen schneit es dicke Flocken. Aber schon nach dem Frühstück steigt die Wolkendecke ein wenig und wir können wenigstens die Richtung erkennen, in die uns der Weg heute führt. Wir folgen den frischen Spuren im 20 cm tiefen Neuschnee hinauf in die Wolken. Dampfend kämpfen wir uns durch den grauen Vorhang. Kein Ende in Sicht. Nach knapp 1,5 Stunden erreichen wir schließlich eine Felswand in der wir einen schmalen Durchgang hinüber in das, wie uns scheint schon viel wärmere Inntal, erkennen. Wir lassen die Wolken hinter uns und genießen einen tollen Blick auf die von der Sonne angestrahlte Silberspitze vor uns und die schöne Alm unter uns.

Für den Rest des Tages geht es nur noch bergab – 1800 Höhenmeter (!). Gemsen begleiten unseren steilen Abstieg durch Latschenfelder und Beerensträucher bis zur unbewirteten Oberlochalm (1799), die sich wunderbar für die Mittagsrast eignet. Ab hier führt uns der Weg am Ufer eines wilden Gebirgsbaches entlang durch wunderschönen Lärchenwald. Immer wieder überqueren wir den Bach, von Stein zu Stein hüpfend oder auf abenteuerlichen Brücken. Schließlich eröffnet sich vor uns eine tiefe, steile Schlucht. Der Weg schlängelt sich von nun an knapp an der steilen Felswand entlang. Immer wieder haben wir schöne Blicke zurück zur Seescharte, vor nach Zams und hinunter in den tiefen Abgrund des Lobachtals. Zum Schluß steigen wir über steile Serpentinen die letzten 200 Höhenmeter hinunter nach Zams.

Beim Abstieg treffen wir die beiden jungen Männer vom Vortag wieder. Einer hat dick angeschwollene Kniee und kann kaum noch laufen. Wir übernehmen Teile des Gepäcks und begleiten die Jungs. Sie hatten sich am Vortag das Taxi gespart und sind 20 km im Tal zu Fuß gelaufen. Am zweiten Wandertag und ohne Vorbereitung für so eine Tour. Der fast 2000 Hm lange Abstieg nach Zams hat ihnen dann noch den Rest gegeben. Später erfahren wir, dass die Jungs an dem Tag die Tour abgebrochen haben.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Dauer des Aufstiegs von der Memminger Hütte bis zur Seescharte 1 – 1,5 Stunden (ca. 350 Höhenmeter ⇑), Abstieg nach Zams 5-6 Stunden (1800 Höhenmeter ⇓). Insgesamt ca. 12 km.
  • Das Gasthaus alte Post Gemse ist über 1000 Jahre alt. Wer dort nicht bleiben möchte sollte mindestens einen Blick in das Foyer des Gebäudes werfen. Eine Übernachtung im DZ mit Etagendusche kostet 33,50 DM pro Person inkl. Frühstück. Außerdem bietet das Gasthaus auch eine exklusive Küche an. Fußweg zur Seilbahn ca. 10-15 Min.
  • In der Pizzeria im Ort bekommt man riesige Pizzas zu einen akzeptablen Preis.

Etappe 1 am Tag 3 der Alpenüberquerung im September 2001

Alpenüberquerung E5 Oberstdorf-Meran
Etappe Zams-Wenns

Zams (775 m, Inntal) – Wenns (982 m, Pitztal)

Unsere Gastgeber schlafen noch, als wir um 7:30 h auf unser Frühstück warten. Das kostet uns die erste Seilbahn hinauf auf den Krahberg, die uns gerade vor der Nase davon fährt. Wir nehmen die nächste Gondel um 9:00 h um die 1400 Höhenmeter auf den Krahberg (2208 m) zu bewältigen.

Es ist ein wunderbarer, strahlender Tag. Wir sind überwältigt von der Aussicht über die herrlichen Berge. Ein Einheimischer erklärt uns eifrig die Namen der Gipfel die man irgendwo schon einmal gehört hat und nun zum Greifen nahe vor sich sieht. Eine schnurgerade Linie grenzt das feine Schneehäubchen der Gipfel gegen das leuchtende Blau der Felsmassive ab. Noch haben wir ca. 450 Höhenmeter Aufstieg vor uns und die ziehen sich lange hin. Der Weg führt im stetigen Auf und Ab von einem Gipfel zum nächsten mit jeweils herrlichen Rundblicken. Schließlich steigen wir über eine sonnige Heidelandschaft ein Stück ab, naschen hier und da von süßen Blaubeeren am Wegesrand und erreichen nach etwa einer Stunde einen Fahrweg. Von hier zieht sich der Weg gemütlich aber lange hinab nach Wenns.


Etappe 2 am Tag 3 der Alpenüberquerung

Alpenüberquerung E5 Oberstdorf-Meran
Etappe Mittelberg – Braunschweiger Hütte

Mittelberg (1734 m, Pitztal) – Braunschweiger Hütte (2759 m)

Im Café nahe der Bushaltestelle treffen wir wieder auf ein paar E5-Wanderer, die sich ebenfalls mit Leckereien belohnen. Als sich herausstellt, daß der nächste Bus nach Mittelberg, auf den wir alle warten, heute gar nicht fährt, beschließen wir, Sammeltaxis zu bestellen. Nach zähem Ringen mit Fahrgästen und Taxiunternehmen sind schließlich alle Wanderer verräumt und wir durchqueren das schöne, enge Tal nach Mittelberg. Dafür berappen wir unverschämte 150 Schilling pro Person. Es ist schon spät und die meisten Wanderer beschließen in der einzigen Herberge zu nächtigen. Ein paar der älteren Herren möchten mit uns jungen Frauen gerne die Übernachtung teilen. Um die Lüstlinge loszuwerden bleibt uns keine andere Wahl, als am selben Abend noch zur Braunschweiger Hütte aufzusteigen.

Um wenigstens unser Gepäck zu befördern, rufen wir per Telefonleitung die Materialseilbahn von der Hütte ab. Als diese nach einer halben Stunde endlich heranschwebt, müssen wir erst mal einen total betrunkenen Fahrgast aus der Kiste heben und diesen irgendwie verräumen. Dann verladen wir unser Gepäck und schicken den Lift wieder nach oben. Nun gibt es kein zurück mehr. Wir müssen den beschwerlichen Aufstieg hinter uns bringen bevor es dunkel wird.

Der Weg führt sehr steil über vom Gletscher abgeschliffenes Gestein. Schnell gewinnen wir an Höhe. Eine Gletscherzunge schiebt sich uns entgegen und endet in einer Schlucht. Wir können die Kälte des Eises spüren. Ein milchiger Bach entspringt dem Gletschertor und rauscht unbeeindruckt an uns vorbei in die Tiefe. Schließlich können wir die Hütte sehen wie sie frech auf einem Felsen über uns trohnt. Wir quälen uns weiter, gönnen uns kaum eine Pause und schaffen es gerade noch in den Schutz der Hütte, als es hinter uns Nacht wird. Der Wirt begrüßt uns mit einem unfreundlichen: „Wo chommat na dir ietzt no cher“ und „wender o no was essa“? Dennoch feiern wir den Tag erleichtert, erschöpft, lachend und unglaublich stolz über die vollbrachte Leistung mit einem wohlverdienten Bier.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Bahnfahrt Zams – Krahberg ¼ Stunde (1400 Höhenmeter ⇑); Aufstieg Krahberg 2208 m (Bergstation Venetbahn) – Venetberg 2513 m – Kreuzjoch 2446 m ständiges bergauf und bergab 1-2 Stunden (ca. 500 Höhenmeter ⇑); Abstieg nach Wenns 4 Stunden (fast 1500 Höhenmeter ⇓); Fahrt mit dem Bus von Wenns nach Mittelberg ca. 1 Stunde (750 Höhenmeter ⇑); Aufstieg Mittelberg – Braunschweiger Hütte 2-3 Stunden (1000 Höhenmeter ⇑). Etappenlänge 16,5 km ohne Busfahrt.
  • Die erste Seilbahn fährt um 8:30 und anschließend im ½ -stündigen Takt bis 17:00. Bei schlechtem Wetter stündlicher Fahrbetrieb. Die Bahn hält an der Mittelstation-Stütze zu jeder vollen Stunde. Kostenpunkt 140 Schilling einfache Fahrt, mit Gästekarte 130 Schilling.
  • Busverbindung von Wenns nach Mittelberg um 14:15 h, 16:02 h (nur an Schultagen)und 17:38 h für 62 Schilling. Taxiverbindung auf Abruf für 90 – 150 Schilling (Preis vorher vereinbaren!)
  • Gepäcktransport mit der Materialseilbahn auf die Braunschweiger Hütte 50 Schilling pro Gepäckstück

Etappe 1 am Tag 4 der Alpenüberquerung im September 2001

Alpenüberquerung E5 Oberstdorf-Meran
Etappe Braunschweiger-Hütte – Zwieselstein

Braunschweiger Hütte (2759 m) – Pitztaler Jöchl (2995 m) – Zwieselstein (1450 m, Ötztal)

So schnell das schöne Wetter kam, so schnell ist es auch schon wieder vorbei. Es ist dicht bewölkt und riecht nach Schnee. Heute erst sehen wir die Gletscherzungen, die sich bis nahe an die Hütte heranschieben. Der Skilift weiter oben auf dem Gletscher ist in Betrieb. Wir haben den Aufstieg zum höchsten Punkt unserer Route vor uns. Der steile Pfad zum Pitztaler Jöchl führt immer wieder über kleine Schneefelder. Im oberen Bereich müssen wir über eine Felswand klettern. Es ist kalt, unsere Finger werden klamm. Vom Ötztal pressen sich dichte Wolken am Hang entlang. Für einen kurzen Moment reißt es auf und wir können die umliegenden Gipfel und Berge sehen. Doch der Nebel schließt sich schnell wieder, wir erkennen keinen Weg mehr, finden keine Markierungen, können uns nicht mehr orientieren. Es hat keinen Zweck. Über ein großes Schneefeld steigen wir hinunter zum Parkplatz der Liftanlagen.

Der Nebel ist so dicht, dass wir nicht mal bis zur Ausfahrt des Parkplatzes sehen. Zu allem Überfluss fängt es auch noch an zu regnen. Um uns herum dröhnen Automotoren. Also versuchen wir unser Glück als Anhalterinnen. Erfolglos. Es stellt sich heraus, dass es sich um Testfahrer von Hyundai handelt, die auf der Paßstraße die neuen Fahrzeugmotoren testen. Schließlich können wir einen der Fahrer überreden, uns nach Sölden mitzunehmen. Im nagelneuen Testfahrzeug. Wir werden es auch niemandem verraten – versprochen! Die Paßstraße schlängelt sich endlos den Berg hinunter und kreuzt hier und da den E5 Fernwanderweg. Endlich erreichen wir Sölden und von hier bringt uns ein Bus in das nahe gelegene Zwieselstein.

Es ist gerade mal 11:00 Uhr und eigentlich viel zu früh, um die Tagesetappe der Alpenüberquerung für beendet zu erklären. Bei einem wärmenden Kaffee beratschlagen wir. Draußen regnet es immer noch in Strömen. Der Wetterbericht für die nächsten Tage verheißt auch nichts besseres. Wir beschließen so schnell wie möglich in den wärmeren Süden zu kommen. Da es keine Busverbindung über das Timmelsjoch nach Holz gibt, versuchen wir unser Glück ein weiteres mal per Anhalter…

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Dauer des Aufstiegs von der Braunschweiger Hütte bis zum Pitztaler Jöchl 1-1,5 Stunden (ca. 240 Höhenmeter ⇑); Abstieg zum Parkplatz Liftanlagen ¾ Stunde (ca. 200 Höhenmeter ⇓); bis Zwieselstein (1350 Höhenmeter ⇓)

Etappe 2 am Tag 4 der Alpenüberquerung

Alpenüberquerung E5 Oberstdorf-Meran
Etappe Zwieselstein – St. Leonhard

Zwieselstein (1450 m, Ötztal) – Timmelsjoch (2509 m) – Moos (1007 m, Passeiertal) – St. Leonhard (693 m, Passeiertal)

…wir müssen gar nicht lange im Regen stehen, als auch schon ein Thüringer Ehepaar Erbarmen zeigt, und uns bis zur Mautstelle am Timmelsjoch mitnimmt. Auch dort haben wir Glück, mitleidserregend, wie wir in unseren nassen Regensachen aussehen, kann ein Pärchen unsere Bitte gar nicht ausschlagen, uns mit nach Holz zu nehmen. Im Auto ist es ein bisschen eng, wir müssen unsere schweren Rucksäcke auf den Schoß nehmen. Oben auf dem Joch schneit es. Das Thermometer zeigt –0,5°C an. Wir sind froh, das wir die Strecke nicht laufen müssen. Als wir uns über unzählige Serpentinen und Kurven wieder in das Tal schlängeln, klettert das Thermometer langsam wieder auf 8 °C an. In Holz regnet es immer noch. In den beiden Gasthöfen, die es hier gibt, werden wir abgewiesen. Also nehmen wir den Bus nach St. Leonhard. Und hier schaffen wir es endlich, eine Unterkunft in einer privaten Pension zu bekommen.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Zwieselstein –Timmelsjoch (1050 Höhenmeter ⇑); Timmelsjoch – Moos (1500 Höhenmeter ⇓)
  • Der Postbus zwischen Zwieselstein und dem Timmelsjoch verkehrt nur an Schultagen.
  • Übernachtung mit Frühstück kostet in St. Leonhard in einer privaten Pension im Doppelzimmer 25 DM pro Person.

Tag 5 der Alpenüberquerung im September 2001

E5 Oberstdorf-Meran Alpenüberquerung
Etappe St. Leonhard – Hirzer Hütte

St. Leonhard (693 m, Passeiertal) – Pfandler Alm (1345 m) – Hirzer Hütte (1983 m)

Da auch für heute der Wetterbericht Regen vorhersagt, sind wir etwas unschlüssig. Es weht ein herbstlicher Wind, aber die Sonne scheint. So beschließen wir, wenigstens bis zur Pfandler Alm aufzusteigen. Der Weg führt zunächst durch schöne Almwiesen und Wälder am Hang entlang und steigt schließlich sanft bis zur Pfandler Alm an, die wir nach 3 Stunden erreichen.

Das Wetter hat gehalten. Der Himmel ist sogar noch ein bisschen blauer geworden. Trotzdem wir kaum eine Wolke sehen, bekommen wir immer wieder Regentropfen ab. Wir wollen weiter bis zur Hirzer Hütte gehen. Von nun an steigt der Weg sehr steil durch dichten Wald an. 600 Höhenmeter stehen uns bevor und scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Der Weg wird immer steiler, der Rucksack immer schwerer und wir immer müder. Irgendwann erreichen wir die Baumgrenze und endlich auch die Kuppe, von der aus es nicht mehr höher geht. Selten auf unserer Alpenüberquerung mußten wir uns so quälen.

Nieselregen, der aus vereinzelten Wolken in der Entfernung sprüht, bildet einen wunderbaren Regenbogen über dem Tal. Überhaupt haben wir einen tollen Blick über die umliegenden Berge und können die ersten Felsnadeln der Dolomiten erkennen. Hier haben wir uns eine Pause verdient. Eine Herde neugieriger Ziegen leistet uns Gesellschaft. Von nun an schlängelt sich der Weg am Hang entlang durch wunderschöne Alpenrosenfelder, mal auf mal ab, bis wir nach weiteren 2 Stunden 2 kleine Almen erreichen. Von hier ist es nicht mehr weit zur Hirzer Hütte und wir genießen den gemütlichen Marsch auf einer bequemen Fahrstraße.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Aufstieg St. Leonhard zur Pfandler Alm ca. 3 Stunden (650 Höhenmeter ⇑); Pfandler Alm – Riffelspitze ca. 2 Stunden (ca. 650 Höhenmeter ⇑); weiter zur Hirzer Hütte 2-3 Stunden ohne große Steigungen.
  • Unterbringung auf der Hirzer Hütte im Lager kostet 25 DM inklusive Frühstück. Es gibt dort eine kostenlose heiße Dusche, leckeren hausgemachten Apfelstrudel und Zwetschgendatschi und riesige Portionen Nudeln oder Kaiserschmarren für ca. 11 DM. Zudem spielt der Wirt gerne mit seinem Enkel mit der Quetsche auf. Diese private Hütte ist den Alpenvereinshütten auf jeden Fall vorzuziehen.

Tag 6 der Alpenüberquerung im September 2001

Alpenüberquerung E5 von Meran nach Bozen
Etappe Hirzer Hütte – Meraner Hütte

Hirzer Hütte (1983 m) – Hirzer Scharte (2670 m) – Meraner Hütte (1960 m)

Wir sind begeistert vom reichhaltigen Frühstück mit selbst gebackenem Brot und machen uns mit vollem Magen an den letzten schweißtreibenden Aufstieg unserer Alpenüberquerung. 680 Höhenmeter müssen wieder einmal bewältigt werden um auf die andere Seite des Hirzer Kars zu kommen. Die Luft ist klar, es ist kalt, der Boden ist gefroren. 2 Stunden dauert der Anstieg und im letzten Stück müssen wir mit kalten, klammen Händen noch über Schnee und Eis am Fels entlang klettern. Endlich haben wir es geschafft und schon geht es wieder 300 Höhenmeter steil bergab. Von nun an zieht sich der Weg angenehm aber langwierig an den Berghängen entlang. Immer wieder sehen wir Ziegen, Schafe und Kühe auf den Almen hoch über dem Sagbachtal. Wir erreichen den Kratzberger See, der idyllisch eingebettet vor uns in der Sonne glitzert. Von hier ist es nun wirklich nicht mehr weit zum Missensteiner Joch (2128 m), von dem aus man bereits die Meraner Hütte sehen kann. Nur noch ein kurzer Abstieg über die trostlosen Skipisten und schon haben wir unser heutiges Tagesziel erreicht.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Aufstieg von der Hirzer Hütte zur Hirzer Scharte 2 Stunden (fast 700 Höhenmeter ⇑); Abstieg und Wanderung zur Meraner Hütte 5 Stunden (700 Höhenmeter ⇓)
  • Übernachtung in der Meraner Hütte im Lager 30.000 Lire pro Person ohne Frühstück; Frühstück 10.000 Lire; für DAV-Mitglieder halber Preis. Zum Abendessen eine große Portion Makkaroni für 10.000 Lire. Pro Etage gibt es einen Waschraum mit 3 Waschbecken, den sich Männlein und Weiblein teilen müssen.
  • Kurz vor der Meraner Hütte liegt die Kirchsteiner Alm, wo man für 40.000 Lire pro Person ein Doppelzimmer mit Frühstück bekommt.

Tag 7 der Alpenüberquerung im September 2001

Fernwanderweg E5 über die Alpen
Etappe Meraner Hütte – Jenesien

Meraner Hütte (1960 m) – Jenesien (1087 m)

Heute haben wir die letzte große Strecke unserer Alpenüberquerung vor uns. Zuerst steigen wir über einen langen Höhenzug langsam bis zur Baumgrenze ab. Dabei kommen wir den Dolomiten immer näher. Ein unfreiwilliger Abstecher führt uns hinauf zu den „Stoinerne Manderln“ bevor wir die Möltener Kaser Hütte erreichen, wo wir eine Kuchenpause einlegen. Weiter geht es stetig bergab durch herrliche Lärchenwiesen und Haflingerweiden. Überall werden die Kühe abgetrieben. Schließlich säumen endlose Bretterzäune den Weg und wir treffen auf Tagesausflügler, die uns und unseren riesigen Rucksäcken neugierig nachsehen. Die Hütte Langfenn lasssen wir unbeachtet liegen, wir machen lieber Rast an einem einsamen Fleckchen im Wald mit Blick auf die Berge. Die Edelweißhütte, in der wir eigentlich bleiben wollten ist uns zu exklusiv, also machen wir dort nur Buttermilchpause und steigen weiter ab nach Jenesien. Die Gegend wird langsam wieder etwas bewohnter und belebter. Im Gasthof Rössle bekommen wir ein Doppelzimmer mit Terrasse und Blick auf Bozen 1000 m unter unseren Füßen im Tal gelegen.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Dauer der Wanderung 5-7 Stunden, je nach Eile (900 Höhenmeter⇓)
  • Gasthof Rössle, Doppelzimmer für 45.000 Lire pro Person inklusive Frühstück.

Tag 8 der Alpenüberquerung im September 2001

Alpenüberquerung von Oberstdorf bis Bozen auf dem E5
Etappe Jenesien – Bozen

Jenesien (1087 m) – Bozen (265 m)

Wer hätte gedacht, daß wir mit Pauken und Trompeten, bei strahlendem Sonnenschein, T-Shirt Temperaturen und kurzen Hosen in Bozen einlaufen würden. Der letzte Abschnitt unserer Alpenüberquerung war für uns einer der schönsten überhaupt. Durch wundervolle Obstplantagen, pralle Apfelbäume, leuchtende Pflaumenbäume, reife Weinberge und Brombeerhecken wie im Schlaraffenland steigen wir die steile Trasse von Jenesien über die Burg Ravenstein nach Bozen ab. Wir überqueren die Eisack und folgen dem fröhlichen Getümmel direkt zum Marktplatz. Wir schlendern durch den quirligen Markt, kaufen Schinken, Tomaten und Obst und genießen den italienischen Flair. Später suchen wir uns eine Unterkunft in der Innenstadt und stellen überrascht fest, daß heute in Bozen Stadtfest ist.

Wir sind stolz, es geschafft zu haben vom Allgäu bis nach Italien gelaufen zu sein. Wir fühlen uns überglücklich und möchten gerne feiern und ganz Bozen feiert mit uns durch die Nacht.

Info zur Etappe (Stand 2001):

  • Abstieg Jenesien – Bozen 1-2 Stunden (800 Höhenmeter ⇓). Es geht auch eine Seilbahn hinunter
  • Unterkunft im Gasthaus Weißes Kreuz für 52.000 Lire im Einzelzimmer mit Etagendusche inklusive Frühstück

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