
01.05.2013 Las Vegas
Sogar die Landung in Las Vegas ist spektakulär. Aufgrund eines Staus auf der Landebahn zieht der Pilot noch einmal durch und kreist im Tiefflug über den Strip. Danach versinkt er in dem glitzernden Lichtermeer, das sich wie ein Teppich in der Dunkelheit ausbreitet. Dem Zauber Las Vegas kann man sich kaum entziehen. Das ist Amerika pur: überdimensional, grenzenlos, verrückt. Allein das Hotel ist überwältigend. Wir bewundern Wassershows und Vulkanausbrüche mitten in der Stadt. Es gibt einen Eiffelturm, ein Kolosseum, eine Freiheitsstatue und eine Brooklyn Bridge. Die Casinos sind so riesig, dass man kaum den Ausgang findet. Ein großartiger Start in unsere USA-Reise.
02.05.2013 Las Vegas – Grand Canyon
Wie es nicht anders zu erwarten war, scheint über Las Vegas die Sonne. Wir nutzen das schöne Wetter für ein paar Fotos am Strip. Die spinnen, die Amis. Aber sonst sind sie sehr entspannt. Alle wünschen uns einen schönen Tag. Eine Tasse Kaffee und ein Gebäckstück zum Frühstück kosten mit 15 Dollar so viel wie das Abendessen gestern. Ein Taxifahrer fährt uns wild durch die Stadt und schiebt seine Unkenntnis auf alle anderen, bevor wir endlich unseren Autovermieter finden.
Unser Mietwagen ist ein PKW, der in einen Camper umgebaut wurde. Er heißt Juicy und hat einen Aufdruck: „The Juicy comes with everything – even with the kitchen sink!“ Mit ihm werden wir noch viel Spaß haben. Aber erst mal geht es hinaus aus der Stadt, hinein in die Wüste. Erst am Hoover-Damm sehen wir Wasser. Stundenlang fahren wir durch wüstenähnliches Gebiet in Richtung Grand Canyon. Es ist schon dunkel, als wir dort ankommen.
Gerade angekommen, müssen wir uns erst einmal in unserem Juicy orientieren. Alles ist ein heilloses Durcheinander. Gepäckstücke, Lebensmittel und Campingausrüstung liegen wild durcheinander. Wir richten uns ein: Es gibt ein Schlafzimmer im Heck, eine Küche im Kofferraum, ein Bad an der Decke, ein Büro zwischen den Sitzen und ein Wohnzimmer hinter den Sitzen. Jetzt müssen wir noch den Keller ausmisten und die Küche einrichten. Wir sprechen hier von insgesamt zwei Quadratmetern Platz. Zusätzlich haben wir noch ein Dachzelt, aber es ist so kalt, dass wir lieber im Auto schlafen.
03.05.2013 Grand Canyon
Vor uns tun sich Abgründe auf. Dieses Loch ist unfassbar groß! Früh am Morgen ist noch nicht viel los am Canyon. Es gibt Wanderwege an der Kante entlang. Immer wieder tun sich spektakuläre Einblicke auf. Die Sonne scheint aber es weht ein kalter Wind. Unsere Wanderung endet an einem Kiosk mit Frühstück und Kaffee. Nachmittags nehmen wir uns die andere Richtung vor. Von diesem spektakulären Naturspektakel kann man nicht genug Fotos machen. Wir bleiben bis die Sonne untergeht und die Farben des rostroten Canyons aufleuchten lässt. Beim Abendessen leisten uns ein paar Hirsche Gesellschaft. Dieses Naturspektakel ist ein Muss auf jeder USA Reise.
04.05.2013 Grand Canyon – Navajo National Monument
Tagsüber sind die Temperaturen angenehm, doch nachts sinken sie auf 0 Grad, und es geht ein frischer Wind. Früh am Morgen ist das Licht am schönsten. Die Sonne steht noch tief, die ersten Sonnenstrahlen wärmen uns. An den Aussichtspunkten ist noch nichts los. Einer ist schöner als der andere. Wir nutzen die Ruhe und die grandiose Aussicht zum Frühstücken, direkt am Abgrund des Grand Canyons. Nur schwer können wir uns losreißen, doch das nächste Highlight wartet schon auf uns. Das Horseshoe Bend ist eine riesige Schleife des Colorado. Danach machen wir einen Abstecher zu einem der beiden Antelope Canyons. Für schlappe 25 Dollar Eintritt und 6 Dollar Parkgebühr werden wir mit gefühlt 100 Personen durch die schmale Felsschlucht geschoben. Wir stehen uns gegenseitig auf den Füßen und im Bild. Es ist ein bisschen nervig, ständig aufzupassen, dass man mit niemandem zusammenstößt. Auf den zweiten Canyon verzichten wir daher und fahren weiter in Richtung Monument Valley.

05.05.2013 Navajo National Monument – Blanding
Die Sonne und der blaue Himmel sind verschwunden. Dafür ist es nicht mehr so kalt. Das Verkehrsaufkommen am Monument Valley ist wie am Großglockner. Ein riesiger Parkplatz, Souvenirshops, Kaffee und Infostand. Die aus zahlreichen Western, aus der Werbung und aus amerikanischen Filmen bekannten drei Türme des Monument Valleys sind natürlich in echt noch viel schöner. Wir machen natürlich auch ein Foto von der schnurgeraden „Wir machen den Weg frei“-Straße, halten am Mexican Hat – einem Felsen, der auf einem Turm balanciert – sowie am Goosenecks State Park, wo der Fluss zwei große Schleifen macht. Danach führt die Straße über spektakuläre Serpentinen hinauf auf ein Hochplateau, das von der Ferne unbezwingbar erschien. Von oben haben wir einen weitreichenden Blick über das leere Land, aus dem nur vereinzelt Felsnadeln herausstechen. Weiter geht die hügelige Route bis zum Natural Bridges Monument. Die natürlichen Steinbrücken wollen wir gerne auch von unten sehen. Dazu unternehmen wir eine spannende und wunderschöne Wanderung über Leitern aus verknorpelten Holzteilen. Schon alleine der Weg ist spektakulär, und die Steinbrücken sind von unten noch beeindruckender als von oben. Erst aus diesem Blickwinkel kann man die wahre Dimension erahnen.

06.05.2013 Blanding – Canyonlands Nationalpark
Wir verlassen unseren schönen Schlafplatz am Fluss und machen einen Abstecher zum Needles Overlook, wo es das erste Frühstück gibt. Nach einem Rundgang in Moab geht es weiter in den Canyonlands Nationalpark. Einen kurzen Regenguss überbrücken wir, indem wir einfach unser Dachzelt hochklappen und uns ein wenig ausruhen. Ein paar Neugierige glauben sich unbeobachtet und werfen mal einen Blick in unseren winzigen Juicy. Ein Phänomen, das wir noch viel öfter beobachten werden. Überall werden wir auf unseren spartanischen Camper angesprochen. Fast täglich geben wir eine Führung. Da bei den Amerikanern in der Regel alles XXL ist, kommen sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Auf den Campingplätzen bieten sie uns oft mal eine Pfanne an oder dass wir ihre Spüle oder ihren Grill benutzen dürfen. Sie gucken dann immer ganz ungläubig, weil wir tatsächlich alles selbst dabei haben. Wir klappern noch die Aussichtspunkte des Nationalparks ab und suchen uns dann einen Schlafplatz, wo wir gemütlich in den Kissen lesen, während draußen der Donner grollt.
07.05.2013 Canyonlands Nationalpark – Moab
Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei, und die Sonne lacht uns schon wieder entgegen. Das trifft sich gut, denn den Arches-Nationalpark wollen wir nämlich bei schönem Wetter anschauen. Aber zunächst machen wir noch einen Abstecher zum Dead Horse Viewpoint gleich um die Ecke, wo es mit grandioser Aussicht Frühstück gibt. Die Wanderung zum Landscape Arch führt durch tolle Felslandschaften von einem Bogen zum anderen. Jeder ist anders, und jeder ist schön. Beim letzten angekommen, ertönt aus der Ferne ein tiefes Grollen. Als wir aus der Schlucht herauskommen, erwartet uns eine tiefschwarze Gewitterwand. Und dann regnet es uns gnadenlos ab. Nass bis auf die Knochen erreichen wir den Juicy. Das durchkreuzt unsere Planung komplett. Wir hatten für die Reise mit wärmerem und vor allem trockenerem Wetter gerechnet. Die warmen Schlafsäcke haben wir aus Platzmangel zu Hause aussortiert und zu wenig Wechselwäsche für kühlere Temperaturen eingepackt. Der ständige kühle Wind vergrault uns jeden Aufenthalt im Freien. Sobald man eine Fahrzeugtür öffnet, weht es alles heraus, was lose herumliegt. Und das ist viel. Die Flamme am Kocher brennt bei dem Wind nicht richtig, und zum Sitzen im Freien am Abend ist es uns zu kalt. Jetzt spannen wir erst mal eine Wäscheleine quer durchs Auto und hoffen, dass es bald mal wärmer wird.
08.05.2013 Moab – Little Wild Horse Canyon (wer hat sich nur diese niedlichen Namen ausgedacht?)
Das Wetter wird eher schlechter als besser. Es regnet immer noch. Wir fahren zurück zum Arches-Nationalpark, denn den berühmtesten der Felsbögen, den Delicate Arch, hatten wir gestern nicht geschafft. Eine 45-minütige Wanderung führt dorthin, und pling: Es kommt sogar die Sonne raus. Zugehen tut es hier wie am Schloss Neuschwanstein. Wo kommen nur all diese Leute her? Es ist doch noch gar keine Hauptsaison. Wir besuchen noch den Double Arch. Auf eine zweistündige Wanderung und einen dreistündigen Ausritt durch diesen wahnsinnig schönen Landstrich müssen wir leider wegen der Wetterlage verzichten.

09.05.2013 Little Wild Horse Canyon – Capitol Reef NP
Wir haben großes Glück, als wir durch den Little Wild Horse Canyon wandern. Er ist wunderschön, und erst auf dem Rückweg treffen wir auf ein paar Besucher. Eine Wohltat im Vergleich zu all den anderen Parks, die ziemlich gut besucht, wenn nicht sogar überlaufen sind. Die Schlucht ist manchmal nur noch einen halben Meter breit, und wir quetschen uns zwischen den schmalen Wänden durch. Nach einer Stunde öffnet sich der Bachlauf. Wir haben nun gerade mal die Hälfte des Hinwegs geschafft. Für die komplette Runde fehlt uns leider die Zeit. Auf der Strecke zum Capitol-Reef-Nationalpark durchqueren wir ein riesiges Kieswerk. Ach, es ist gar kein Kieswerk, es ist einfach nur eine öde Landschaft hier. Erst am Ende gelangen wir in ein grünes Tal, in dem Obstbäume wachsen. Endlich ist es nicht mehr so kalt am Abend. Wir bummeln durch den schönen Campingplatz und bewundern die riesigen Wohnmobile und Zugmaschinen der Amerikaner. Alles ist XXL. Unser kleiner Juicy verschwindet geradewegs zwischen den RV-Ungeheuern. Bei vielen kann man einzelne „Zimmer“ seitlich ausfahren, andere haben das Format eines Reisebusses. Manche werden von riesigen Pick-ups gezogen, und bei wieder anderen passt ein kleiner PKW in den Kofferraum. In Amerika hat man halt einfach viel Platz.
10.05.2013 Capitol Reef NP – Kodachrome State Park
Die Strecke zum Kodachrome State Park ist wunderschön. Endlich geht es mal wieder durch grüne Wälder. Eine schnörkelige Passstraße führt bis auf über 2.800 Meter hinauf. Dort gibt es natürlich eine wunderschöne Aussicht. Der State Park macht seinem Namen alle Ehre. Diesmal erkunden wir auf hübschen, bunten Pferden die ebenso farbenfrohe und verwunschene Landschaft.
11.05.2013 Kodachrome State Park – Bryce Canyon
Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise steht uns heute bevor. Es ist noch früh am Morgen, und am Eingang des Bryce Canyon Nationalparks ist noch nicht mal jemand da. Wir steuern den Sunrise Point an, aber wir kommen zu spät. Die Sonne ist bereits aufgegangen. Macht nichts. Es ist wunderschön hier. Als Erstes reservieren wir uns einen Campingplatz, da diese in der Regel schnell ausgebucht sind. Dann reservieren wir uns einen Ausritt für den nächsten Tag. Und anschließend können wir uns ganz entspannt auf die Erkundung dieses bizarren Naturspektakels machen. Die Wanderung führt durch das Labyrinth aus roten und weißen Säulen. Manchmal haben die Wände Löcher, manchmal fallen sie 50 Meter steil ab, und manchmal haben sie grüne Tupfen aus Bäumen. Manche Säulen stehen ganz alleine da, andere haben einen Hut auf. Wie viele Fotos kann man von Felsen machen? Unsere Speicherkarten laufen heiß. Später fahren wir noch alle Aussichtspunkte mit dem Juicy an, die sich auf eine Länge von 20 km verteilen, und werfen Blicke von oben in den bunten Säulenwald. Ein weiterer Höhepunkt unserer USA Reise.

12.05.2013 Bryce Canyon – Zion Nationalpark
Vor unserem Reittermin haben wir noch Zeit, einige Viewpoints anzufahren, um dort mit grandioser Aussicht zu frühstücken. Mit dem Ritt durch den Bryce Canyon geht ein 20 Jahre alter Wunsch von mir in Erfüllung und wird nicht enttäuscht. Manchmal dauert es einfach ein bisschen länger.
Weiter geht unsere Reise durch ein grünes Tal mit einem kleinen Bach. Wir passieren kleine Siedlungen mit hübschen Häuschen und verlieren langsam an Höhe, sodass es auch ein wenig wärmer wird. Schon am Eingang des Zion Nationalparks erwarten uns interessante Bergformationen, die wie Bienenkörbe aussehen. Von einem Viewpoint haben wir einen spektakulären Blick hinunter in das Zion-Tal. Danach führt die Straße durch einen Tunnel und schlängelt sich auf einer steilen Passstraße hinab ins Tal. Am Visitor Center herrscht großer Trubel. Da vergeht einem beinahe die Lust. Wir verlassen den Park am anderen Ende und quartieren uns bei einem privaten Campground ein. Das ist reinster Luxus. Es gibt eine Dusche, eine Waschmöglichkeit und sogar einen Pool. Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen, zumal wir erstmals sommerliche Temperaturen haben. Während die Wäsche wäscht, planschen wir im Pool. Hier lässt es sich gut aushalten.

13.05.2013 Zion Nationalpark – Snow Canyon
Die Kulisse des Canyons ist fantastisch und schreit förmlich nach einem weiteren Ausritt. Rechts und links steil aufragende rote Felswände und dazwischen ein kleiner, grüner Fluss, gesäumt von hellgrünen Bäumen. Jeder Blick ist anders und immer wieder schön. Am Ende besuchen wir noch die Emerald Pools. Inzwischen ist es so heiß geworden, dass wir am liebsten darin baden würden.
Weiter geht die Fahrt unserer USA Reise. Schlagartig erreichen wir wieder dicht bevölkerte Städte, die ersten größeren seit Las Vegas. Wir frischen unsere Vorräte auf und finden einen schönen Campingplatz im ruhigen Snow Canyon. Die Temperaturen sind warm und angenehm.
14.05.2013 – Snow Canyon – Death Valley
Wie schon so oft nutzen wir die frühen Morgenstunden, wenn das Licht noch weich ist und die Touristen noch schlafen. Doch in diesem Park gibt es nicht viel zu sehen. Wir fahren weiter in das Valley of Fire, das für seine Farbenvielfalt bekannt ist. Wir besuchen die Fire Wave und biegen dann Richtung Las Vegas ab. Wir wollen noch einmal den Strip runterfahren und die surreale Welt – insbesondere nach so vielen Naturerlebnissen – bewundern. Dann geht es weiter Richtung Death Valley. Wir suchen uns einen Campingplatz kurz vor dem Eingang. Die Gegend wirkt trostlos: graue Kiesflächen mit grauen Büschen und grauen Bergen im Hintergrund. Dazu pfeift uns ein glühend heißer Wind um die Ohren. Die Kulisse eines Westerns könnte es nicht besser treffen.

15.05.2013 – Death Valley – Bishop
Manchmal muss man einfach viele Kilometer fahren. Heute ist so ein Tag. Jedenfalls ist die Landschaft schön. Wir durchqueren das ganze Death Valley. Vom tiefsten Punkt auf minus 80 Metern geht es in kürzester Zeit hinauf auf 1.500 Meter, bevor wir wieder an Höhe verlieren und die nächste Salzpfanne durchqueren. Dasselbe wiederholt sich noch einmal, und jedes Mal bekommen wir eine grandiose Aussicht auf das bevorstehende Tal. Die Straßen führen schnurgerade hinunter. Beinahe werden wir von einem Düsenjäger überfahren, der im Tiefflug unsere Straße hinauf geflogen kommt. Ganz in der Nähe dieser Wüste befinden sich die Trainingslager der Armee. Schließlich erreichen wir die schnuckelige Westernstadt Lone Pine. Der Ort hat eine herrliche Kulisse: im Vordergrund grüne Bäume und Rasenstreifen mit Häuserreihen im Westernstil, dahinter eine Bergkette, die Alabama Hills. Eine Anordnung runder, roter Felsen und dahinter die Bergkette der Mt. Whitneys, auf denen sogar ein bisschen Schnee liegt. Kein Wunder, dass hier schon so einige Filme gedreht wurden. Der Highway führt entlang der schönen Bergkette durch ein recht grünes Tal bis kurz vor Bishop, wo wir unser Nachtlager einrichten.
16.05.2013 Bishop – Yosemite Nationalpark
Ab Bishop verlassen wir das schöne grüne Tal und biegen in die Berge ab. Ein ganz anderes Landschaftsbild tut sich auf. Es gibt wieder Bäume und Berge, in denen sogar noch Schnee liegt. Und dennoch ist das Gelände so weitläufig, dass für eine vierspurige Straße mit Grünstreifen in der Mitte Platz ist. Als Erstes machen wir einen Abstecher zum Glass Creek, wo es einen Obsidian-Lavastrom gibt. Dazu wandern wir ein paar Minuten durch den schönen Wald mit mächtigen Sequoia-Bäumen. Wir sammeln ein paar XXL-Pinienzapfen ein, die uns zuhause als Weihnachtsdeko dienen sollen. Als Nächstes halten wir am Mono Lake und spazieren durch die bizarren Salzsäulen. Die Atmosphäre ist wie an der Ostsee: Ruhe, Salzwiesen und Möwengeschrei, dazu das leise Plätschern der Wellen am Strand. Die Kultur und Geschichte soll auch nicht zu kurz kommen. Deshalb statten wir der alten Goldgräberstadt Bodie einen Besuch ab. Beim Durchschlendern durch die alten Anlagen tut sich mehr auf, als man beim ersten Eindruck erwarten würde, und so erweist sich dieser Abstecher doch noch als lohnend. Jedenfalls bekommt man einen guten Einblick in das Leben zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Zurück in Vining gönnen wir uns einen Kaffee, der auch mal den Namen verdient. Wie bekommen ihn sogar in einem Porzellangeschirr serviert. Dazu Kuchen – oder das, was die Amerikaner darunter verstehen. An der Backqualität müssen die Amis aber noch arbeiten, bevor sie deutsches Niveau erreichen. Auf dem Tioga-Pass sehen wir schon die ersten dicken Schneewolken hängen. Trotzdem entscheiden wir uns, hinüberzufahren. Prompt erwarten uns auf dem Pass ein paar Schneeflocken. Von 35 Grad in der Wüste vorgestern auf Schneetemperatur heute. In kürzester Zeit sind wir vom tiefsten Punkt Amerikas auf 3.000 Meter hoch gefahren. Kontrastreicher kann eine USA Reise kaum sein. Die Strecke ist sehr schön und erinnert an die Schweiz. Unten im Tal erhalten wir einen ersten Blick auf die fantastischen Granitberge und Wasserfälle des Yosemite Nationalparks. Wie erwartet herrscht auch hier ziemlicher Trubel. Alle Campingplätze sind ausgebucht. Wir finden einen National-Forest-Campground. Und weil wir kein Zelt dabei haben, sondern nur einen Parkplatz brauchen, müssen wir nicht einmal etwas bezahlen.

17.05.2013 Yosemite Nationalpark
Die Schneewolken haben wir hinter uns gelassen, und heute scheint wieder brav die Sonne. Wir beginnen mit der Wanderung zum Vernal-Wasserfall. Anfangs geht es steil auf einem Weg hoch, bis wir den Fluss kreuzen. Von hier haben wir den ersten Blick auf den gewaltigen Wasserfall. Ab hier geht es über steile Treppen hoch durch die Gischt des Wasserfalls. Bis etwa zur halben Höhe werden wir patschnass. Danach wird es trockener und noch steiler, bis wir schließlich die Absturzkante erreichen. Dieser Wasserfall ist echt gewaltig und liegt in einem von hohen Granitfelsen gerahmten Tal. Ein schöner Weg führt weiter zum Nevada Fall. Wieder zurück im Tal geht es gleich weiter zu den Mirror Lakes. Der Weg führt flach durch den Wald mit seinen mächtigen Sequoia-Bäumen, die hier kaum Beachtung finden. Das haben sie nicht verdient. Sie sind wirklich mächtig dick und hoch. Bei den Mirror Lakes öffnet sich das Tal zu einer lieblichen Wiese, umgeben von großen Felswänden und natürlich dem Half Dome. Ein weiteres Ziel sind heute noch die Yosemite Falls, die sich über 700 Meter in die Tiefe stürzen. In Amerika muss einfach alles XXL sein. Am El Capitan können wir ein paar Kletterer in der 1.000 Meter hohen Wand entdecken. Am Bridalveil-Wasserfall bildet sich zum Abschluss des Tages ein wunderschöner Regenbogen.

18.05.2013 Yosemite Nationalpark – Columbia
Auf dem Weg zum Glacier Point treffen wir einen jungen Bären, der am Straßenrand frühstückt. Nach wenigen Minuten verschwindet er im Gebüsch, und es ist, als ob es nur ein kurzer Traum gewesen wäre. Am Glacier Point hat man eine fantastische Aussicht auf das ganze Yosemite-Tal. Die riesigen Wasserfälle, zu denen wir gestern hochgeklettert sind, sehen aus dieser Perspektive aus wie kleine Bächlein. Doch das Donnern des Wassers kann man bis hier oben hören. Der Half Dome liegt in seiner ganzen Pracht gegenüber. Vor uns fällt die Wand quasi 1.000 Meter ab – schnurstracks ins Tal. Auf der anderen Seite kann man die Yosemite-Fälle hören und sehen. Es ist ein atemberaubender Anblick, von dem man sich gar nicht losreißen kann. Ein kleines Stück weiter erklimmen wir noch den Sentinel Dome. Auch von hier ein spektakulärer Rundumblick auf Augenhöhe mit El Capitan und Half Dome. Unser nächster Stopp ist Toulumne Groves, wo es riesige Sequoias zu bewundern gibt. Eine Wanderung führt uns zu den tausende Jahre alten Bäumen. Leider haben wir nicht so viel Zeit. Wir müssen weiter nach Columbia, einer kleinen Westernstadt. Die Strecke ist ungewohnt ländlich: grüne Wiesen, Kühe und schöne Ranches mit gepflegten Orten. In Columbia finden wir einen Platz für unser Nachtlager und verkosten später im Western-Saloon bei Live-Musik amerikanisches Bier.
19.05.2013 Columbia – San Francisco
Auf dem Weg nach San Francisco bekommt unser braver Juicy ein Schaumbad und eine Innenreinigung. Dann geht es weiter durch schöne Farmlandschaften mit Obstbäumen und Rinderherden. Später kommen wir durch einen Wald von Windkraftanlagen, und bald taucht die Skyline von San Francisco vor uns auf. Ein kurzer, unaufmerksamer Moment führt dazu, dass wir unbeabsichtigt über die Oakland-Bay-Bridge fahren. Wenn wir jetzt schon in der Stadt sind, können wir sie uns auch gleich ansehen. Vom Twin Peaks-Aussichtsberg verschaffen wir uns einen Überblick. Im Hintergrund ist die Golden Gate Bridge zu erkennen. Dann stapfen wir am Baker Beach mit Blick auf die Golden Gate Bridge barfuß durch die Brandung des Pazifiks. Und dann steht der Besuch der wunderschönen Golden Gate Bridge auf dem Plan. Sie zu überqueren ist natürlich ein Muss. Von dieser majestätischen Brücke kann man einfach nicht genug bekommen. Von der gegenüberliegenden Seite hat man noch einen viel schöneren Blick auf die Pylonen und die Stadt. Wir machen hunderte Fotos. Langsam läuft uns die Zeit davon, wir sollten uns nach einem Schlafplatz umsehen. Wir finden einen RV-Platz und parken unseren Minicamper zwischen zwei riesigen Wohnmobilen. Dann nehmen wir das ganze Auto auseinander. Wir müssen uns morgen von ihm verabschieden.

20.05.2013 San Francisco
Ein kleiner Programmpunkt steht noch auf dem Plan. Wir fahren zu einem märchenhaften Wald mit Farnen und riesigen Bäumen. Dann überqueren wir noch einmal das weltberühmte Bauwerk in Richtung Stadt. Das Fahren in San Francisco ist eigentlich recht entspannt. Der Verkehr ist übersichtlich, und die Straßenführung einfach. Interessant sind die steilen Berge, die man schnurgerade hinauf oder hinunter fährt. Dann geben wir den Wagen ab, ziehen in ein Hotel um und besichtigen die legendäre Hippie-Stadt noch einmal zu Fuß: vom Fisherman’s Wharf zum Telegraph Hill und vom Centrum nach Chinatown. Abends fühlen wir uns, als ob wir eine Bergtour gemacht hätten, was ja eigentlich auch stimmt.
21.05.2013 San Francisco
Ein weiterer Tag steht uns in dieser zauberhaften Stadt zur Verfügung. Wir stürzen uns ins Getümmel. Es gibt viel zu tun und zu sehen. Mit einem Tagesticket erkunden wir die ganze Stadt, fahren mit viel Gebimmel Achterbahn mit der Cable Car, stöbern durch Läden und Museen, bestaunen historische Häuserzeilen, Hochhäuser, die wie Bügeleisen oder Pyramiden aussehen, oder starren einfach nur auf die beiden fantastischen Brücken. Als das Pflichtprogramm beendet ist, wollen wir nur noch Cable Car fahren – rauf und runter, runter und rauf. Die Driver sind lustig und machen ihre Scherze. Immer wieder werden wir angesprochen und haben nette Begegnungen. San Francisco ist eine coole Stadt: sauber, freundlich, angenehm und mit viel Seele.
22.05.2013 San Francisco – New York
Leider müssen wir uns von San Francisco verabschieden, aber nur, um es mit der nächsten verrückten Stadt abzulösen. Für den Heimflug haben wir noch einen Zwischenstopp in New York eingeplant. Wir überfliegen erst mal das karge Land, das wir zuvor mit dem Auto erkundet haben. Wir beziehen unser Hotel und begeben uns auf einen ersten Erkundungsgang. Wie können Städte so unterschiedlich sein? New York ist das pure Gegenstück zu San Francisco: eng, voll, quirlig, laut. Auf einer Rooftop-Bar mit Blick auf das Empire State Building feiern wir bei einem Cocktail unsere Reise.

23.05.2013 New York
Natürlich gibt es in dieser Weltstadt viel zu sehen und zu tun. Wir besorgen uns ein Ticket für die Metro, und los kann es gehen. Wir genießen den Blick auf die Skyline von der Brooklyn Bridge aus, laufen durch die Hochhaus-Canyons zur Wall Street, spazieren durch den Central Park. Wir fahren mit der Fähre nach Staten Island, um einen Blick auf die Freiheitsstatue und Manhattan zu erhaschen. Das 9/11-Memorial darf natürlich auch nicht auf dem Programm fehlen. Irgendwann sind wir so gesättigt mit Eindrücken, dass wir müde ins Bett fallen und dem Klang der Stadt lauschen.
24.05.2013 New York
Wir nehmen Abschied von Amerika – schweren Herzens. Mit Koffer und Souvenirs bewaffnet, fliegen wir zurück nach Hause, während wir uns vorstellen, wie unser Juicy jetzt wahrscheinlich eine Therapie bräuchte, um sich von all den Abenteuern zu erholen. Amerika war groß, laut, bunt und einfach verrückt – und wir haben es überlebt! Jetzt heißt es: Füße hoch, die Erinnerungen genießen und die nächsten Reisepläne schmieden.