
Unser Reisebericht Albanien nimmt Sie mit auf eine abwechslungsreiche Rundreise mit dem Mietwagen durch ein Land voller Gegensätze. Von Tirana über die Adriaküste und historische Städte bis in die beeindruckende Bergwelt von Valbona und Theth erleben wir Albanien auf eigene Faust. Wir berichten von kurvenreichen Bergstraßen, traumhaften Landschaften, überraschend guten und günstigen Unterkünften, kulinarischen Entdeckungen und vielen kleinen Reiseerlebnissen, die uns unterwegs begegnen.
Tirana
Wie kommt man auf die Idee, Albanien zu bereisen?
Gerade weil Albanien noch nicht jeder auf dem Zettel hat! Wir wollten einfach mal etwas Neues entdecken – schöne Landschaften, Berge, Meer, eine noch gesunde Tourismusinfrastruktur und vor allem ein Land, das noch nicht von Influencern verdorben wurde.
Unser erster Eindruck nach der Landung in Tirana war überraschend positiv: eine saubere und moderne Stadt mit sehr freundlichen, hilfsbereiten Menschen, vielen netten Cafés und Restaurants – bei 34 Grad allerdings ziemlich heiß und mit einem Verkehr, den selbst die Einheimischen als „crazy“ bezeichnen.
Abends schlendern wir entspannt durch das Zentrum, verschaffen uns von der Pyramide mitten in der Stadt noch den Rundumblick, genießen ein leckeres Abendessen im Straßencafé – und schon haben wir Tirana quasi im Schnelldurchlauf abgehakt.

Tirana – Berat
Nach einem leckeren Frühstück lassen wir Tirana hinter uns. Ein kurzer Stopp im Supermarkt, schnell noch mit Proviant eingedeckt – und schon geht’s hinaus aus der Stadt und hinein in die Berge. Unser erster Halt: Petrela Castle. Die Burg thront hoch oben auf einem Felsen und belohnt uns mit einem tollen Blick über Tirana und die umliegenden Berge. Aber das eigentliche Highlight wartet direkt auf der Burgmauer: Ein kleines Café mit Aussicht, das wirklich Charme hat. Auf jedem noch so kleinen, ebenen Fleck stehen liebevoll Tische und Stühle im Schatten – und wer lieber etwas Ritterfeeling möchte, kann es sich im rustikal eingerichteten Rittersaal gemütlich machen.
Weiter geht die Fahrt in Richtung Berat, das seit 2005 zum UNESCO-Welterbe gehört. Wir lassen die Berge rund um Tirana langsam hinter uns und fahren durch eine Landschaft, in der sich Olivenhaine und Weinberge aneinanderreihen – Albanien zeigt uns also schon mal, dass es nicht nur Berge und Meer kann.
Und dann liegt vor uns Berat, die „Stadt der tausend Fenster“: Die weißen Häuser des historischen Viertels Mangalem schmiegen sich terrassenförmig an den Hang oberhalb des Osum-Flusses, darüber thront die alte Festung Kala. Mit seiner rund 2.400-jährigen Geschichte, den engen Gassen, alten Kirchen und Moscheen und dem charmanten Nebeneinander verschiedener Kulturen ist Berat ein echtes Highlight – und definitiv ein Ort, an dem man die Kamera nicht allzu schnell wieder wegpackt.
Das andere historische Stadtviertel neben Mangalem heißt Gorica. Es liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Osum und ist über die historische Gorica-Brücke mit Mangalem verbunden. Die beiden Viertel sind quasi die beiden Hauptdarsteller von Berats berühmter „Stadt der tausend Fenster
Wir haben uns direkt im Stadtviertel rund um die Festung Kala hoch über der eigentlichen Stadt einquartiert. Durch die engen, verwinkelten Gassen schlendern wir vorbei an kleinen Läden, gemütlichen Bistros und alten Steinhäusern mit toller Aussicht. Wir lassen uns einfach treiben. Viel mehr braucht es eigentlich nicht für einen gelungenen Abend.

Tal des Osum
Heute geht es tief hinein ins Osum-Tal – und die Straße macht dabei jede Menge Kurven. Entlang des Flusses fahren wir durch fruchtbares Land, vorbei an Obstgärten, Olivenhainen und Getreidefeldern. Je weiter wir ins Tal vordringen, desto eindrucksvoller wird die Landschaft: Die Felswände rücken immer näher zusammen und der Osum hat sich hier über Jahrtausende tief in das Gestein gegraben.
Unser erstes Ziel ist der Bogova-Wasserfall. Wobei „Wasserfall“ heute eher eine historische Bezeichnung ist – wegen der großen Trockenheit führt er momentan tatsächlich kein Wasser. Übrig geblieben ist immerhin eine schöne Gumpe, die normalerweise zum Baden einlädt. Allerdings haben das heute offenbar ziemlich viele Menschen genauso gesehen. Die kleine Badestelle ist gut besucht, um nicht zu sagen: rappelvoll. Wir verzichten daher auf das Bad und ziehen lieber weiter – schließlich wartet der Osum-Canyon noch auf uns.
Immer wieder halten wir an, um die spektakulären Ausblicke zu genießen und natürlich auch fotografisch festzuhalten. Je tiefer wir ins Tal kommen, desto höher ragen die Felswände auf. Schließlich entdecken wir eine Stelle, an der wir tatsächlich hinunter zum Fluss gelangen und ins kühle Wasser springen können. Genau das Richtige bei den sommerlichen Temperaturen von 36 Grad!
Noch weiter hinten im Tal wartet eine weitere Badestelle mit Restaurants und kleinem Badestrand auf uns. Hier lassen wir uns ins erfrischende Nass fallen und schwimmen ein Stück zwischen den steil aufragenden Felsen in die Schlucht hinein. Ein ziemlich besonderer Badeplatz – und definitiv besser als die überfüllte Gumpe.
Anschließend fahren wir die gesamte wunderschöne Strecke wieder zurück nach Berat. Und als wäre der Tag damit noch nicht schön genug gewesen, wartet am Abend unser persönlicher Logenplatz hoch oben bei der Festung Kala auf uns. Von unserem „Thron über Berat“ genießen wir den Blick auf die inzwischen beleuchtete Stadt. Unten glitzern die Lichter, oben sitzen wir bei einer Flasche Wein und sind uns einig: Es war wieder ein wunderschöner Tag in Albanien.

Berat – Strand Vlora
Heute heißt es Abschied nehmen von Berat – wir machen uns auf in Richtung Meer. Unser erster Zwischenstopp führt uns nach Apollonia, eine der bedeutendsten antiken Städte Albaniens. Die griechische Stadt wurde bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet und entwickelte sich später unter den Römern zu einem wichtigen Handels- und Kulturzentrum. Heute liegen die antiken Überreste ziemlich friedlich in der Landschaft – und man kann sich nur schwer vorstellen, dass hier einst reges städtisches Leben herrschte. Besonders schön: Apollonia liegt auf einem Hügel und bietet einen weiten Blick über die umliegende Landschaft.
Danach geht es weiter Richtung Küste. Wir steuern das Kanine Castle oberhalb von Vlora an – zumindest war das der Plan. Leider stehen wir vor verschlossenen Toren.
Dafür entschädigt uns die Weiterfahrt umso mehr. Über die neue Bypass-Straße schlängeln wir uns hoch über der Küste entlang. Immer wieder eröffnen sich fantastische Ausblicke auf das tiefblaue Meer und die Halbinsel Karaburun, die sich lang und schmal ins Adriatische beziehungsweise Ionische Meer hinausschiebt. Die Straße selbst ist eine Panoramastraße – fahren, anhalten, fotografieren und weiterfahren. Viel mehr Programm braucht es eigentlich nicht.
Und dann ist es endlich so weit: Strand in Sicht! Nach den Bergen, Schluchten und historischen Städten der letzten Tage beziehen wir unser Hotel in der Nähe von Vlora. Nach so viel Kultur und kurvigen Bergstraßen machen wir jetzt erst mal Urlaub am Strand. Bei 36 Grad kommt die ersehnte Erfrischung im Meer gerade recht – wobei das Wasser selbst inzwischen eher Badewannentemperatur hat und von „Erfrischung“ eigentlich keine Rede mehr sein kann.

Strand Vlora – Qepare
Der Morgen beginnt standesgemäß mit einem erfrischenden Bad im Mittelmeer – wobei wir uns inzwischen mitten an der albanischen Riviera befinden und eigentlich vom Ionischen Meer sprechen müssen. Aber Meer ist Meer, Hauptsache nass und bei den Temperaturen eine ziemlich gute Idee. Danach gibt es Frühstück auf der Dachterrasse unserer Unterkunft mit Blick auf die gegenüber liegende Halbinsel Karaburun.
Heute steht der Nationalpark Llogara (Parku Kombëtar i Llogarasë) auf unserem Programm. Unsere Wanderung beginnt auf etwa 800 Metern Höhe und führt hinauf zur Qafa e Thellë auf rund 1.200 Metern. Der Weg ist durchaus alpin: felsig, wurzelig, stellenweise schottrig und ziemlich ruppig. Also nichts, was man mal eben im Sonntags-Schlappen erledigt. Zum Glück spendet der urige Wald reichlich Schatten. Im Llogara-Nationalpark treffen auf engem Raum ganz unterschiedliche Vegetationszonen aufeinander. Besonders charakteristisch sind alte Schwarzkiefern, Bosnische Kiefern und Tannen, die hier in ungewöhnlichen Formen wachsen. Schuld daran sind unter anderem die kräftigen Winde, die über den Gebirgskamm fegen und den Bäumen über die Jahre einen ganz eigenen Charakter verleihen.
Und tatsächlich ist das Wandern dank des Schattens der Bäume und einer angenehmen Brise trotz der rund 30 Grad erstaunlich gut auszuhalten. Schließlich erreichen wir unseren Zielpunkt. Wir überschreiten den Grat – und plötzlich liegt das tiefblaue Ionische Meer direkt 1200 Meter unter uns. Der Blick reicht bis zur etwa 50 Kilometer entfernten Insel Korfu. Dafür hat sich jeder einzelne Felsen unter unseren Füßen gelohnt.
Oben am Grat pfeift ein kräftiger Wind und treibt die Wolken über die Gipfel. Wir lassen uns den grandiosen Ausblick trotzdem nicht nehmen, bevor wir uns wieder an den Abstieg machen.
Von den Bergen führt die Passstraße in engen Serpentinen hinunter nach Dhërmi. Der Ort klebt förmlich an den Hängen der Ceraunischen Berge, die hier ziemlich spektakulär direkt zum Ionischen Meer abfallen. Das alte Dorf liegt erhöht am Hang, während sich unten an der Küste Strände, Buchten, Restaurants und Beachbars angesiedelt haben.
In Dhërmi legen wir einen kulinarischen Zwischenstopp ein. Eine moderne Bäckerei mit einer Kuchenauswahl, bei der man sich nur schwer entscheiden kann, wird kurzerhand zum nächsten Etappenziel erklärt. Es wäre ja auch unvernünftig, ausgehungert wie wir sind, an all den herrlichen Kuchen und Pies einfach vorbeizufahren.
Danach geht es auf der wunderschönen, kurvigen Küstenstraße weiter über Himarë Richtung Qeparo. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer Blick auf das tiefblaue Meer, die steilen Berge und die kleinen Buchten der albanischen Riviera. Die Straße ist dabei mindestens so abwechslungsreich wie die Landschaft.
In Qeparo angekommen, beziehen wir unser Quartier für die nächsten drei Nächte. Der Ort hat etwas ganz Besonderes: Das alte Qeparo liegt weiter oben am Hang, während sich das neuere Dorf direkt unten am Meer erstreckt. Zwei Qeparos also – eines für den historischen Charme und eines für die Badefreuden.
Und wir entscheiden uns zunächst ganz eindeutig für die Variante Aussicht und Beine hoch. Nach diesem Wandertag ist das schließlich keine Faulheit, sondern konsequente Regeneration.

Qepare
Da wir uns irgendwann daran erinnern, dass wir nicht ausschließlich zum Wandern und Autofahren nach Albanien gekommen sind, beschließen wir heute kurzerhand: Wir machen einen Badetag. Schließlich haben wir Urlaub! Und die Küste rund um Qeparo bietet dafür durchaus gute Voraussetzungen.
Der lange Kiesstrand von Qeparo liegt direkt vor uns, mit Blick hinaus auf das tiefblaue Ionische Meer und sogar bis nach Korfu. Liegen und Sonnenschirme stehen ordentlich in Reih und Glied am Strand, dahinter verläuft eine kleine Flaniermeile mit netten Restaurants und Cafés. Schatten allerdings ist ein knappes Gut. Wer einen solchen Platz ergattert, sollte ihn vermutlich nicht mehr freiwillig verlassen.
Der Kiesstrand hat dafür einen großen Vorteil: Das Wasser ist wunderbar klar und angenehm kühl. Bei den inzwischen wieder hochsommerlichen Temperaturen ist es eigentlich der einzige Ort, an dem man es richtig gut aushält. Einmal im Wasser, möchte man gar nicht mehr heraus – was vielleicht auch daran liegt, dass draußen 35 Grad warten.
Trotzdem stellen wir wieder einmal fest: Wir sind einfach keine klassischen Badeurlauber. Zwei Stunden Strand und wir bekommen langsam Hummeln im Hintern. Also brechen wir am Nachmittag tatsächlich schon wieder auf – hinein ins Hinterland.
Und dort zeigt Albanien noch einmal eine ganz andere Seite. Nur wenige Kilometer von der Küste entfernt wird es erstaunlich einsam. Eine wunderschöne, fast menschenleere Berglandschaft breitet sich vor uns aus, mit kargen, bis zu 1.400 Meter hohen Bergen und tief eingeschnittenen Tälern. Der Përrua i Gurres hat sich hier über Jahrtausende tief in das Gestein gegraben und einen überraschend eindrucksvollen, rund 300 Meter tiefen Canyon geschaffen. Je weiter wir hinein fahren, desto mehr haben wir das Gefühl, dass die Zivilisation irgendwo hinter der letzten Kurve ausgestiegen ist.
Unser Ziel ist der Peshtura-Wasserfall. Wasserfall ist allerdings auch hier eher eine saisonale Angelegenheit: Der Bach ist komplett ausgetrocknet. Nach den langen Wochen ohne nennenswerte Niederschläge ist vom Wasser leider nichts mehr zu sehen. Wir nehmen es mit Humor – schließlich haben wir inzwischen gelernt, dass albanische Wasserfälle durchaus auch im Energiesparmodus betrieben werden können.
Trotzdem sind wir begeistert von dieser Landschaft. Gerade die Kombination aus kargen Bergen, tiefen Schluchten und dem fast völligen Fehlen von Bebauung macht den Ausflug zu einem besonderen Erlebnis. Einen deutlichen Wermutstropfen gibt es allerdings: Immer wieder entdecken wir illegal oder achtlos abgelagerten Müll in der Landschaft. Bei all dieser Schönheit ist es wirklich schade zu sehen, wie wenig manche Menschen damit anfangen können.
Zum Abschluss des Tages zieht es uns natürlich wieder ans Wasser. Am Strand von Porto Palermo legen wir noch einen letzten Badestopp ein. Ein Sprung ins Meer, noch einmal den Blick über die Bucht schweifen lassen – und damit ist der Badetag dann doch noch ziemlich erfolgreich abgeschlossen.

Qepare
Heute steht eine Wanderung durch die Gjipe-Schlucht zum gleichnamigen Strand auf dem Programm. Die Schlucht gehört zu den schönsten Naturkulissen der albanischen Riviera: Auf rund zwei Kilometern hat sich ein kleiner Fluss tief in das Kalkgestein gegraben und eine bis zu etwa 80 Meter tiefe, schmale Schlucht geschaffen. Unten öffnet sie sich schließlich zum Gjipe Beach, der nur zu Fuß oder über eine ziemlich abenteuerliche Piste erreichbar ist. Perfekt also für uns – ein Strand, für den man sich das Badevergnügen erst einmal verdienen muss.
Heiß ist es natürlich immer noch. Sehr heiß. Wir wandern zunächst durch die Macchia oberhalb der Schlucht und folgen dem Weg, bis dieser schließlich ziemlich steil hinunter zum Meer führt. Und dann liegt er vor uns: der Gjipe Beach. Feiner Kies, türkisblaues, glasklares Wasser und eingerahmt von den hellen Felswänden der Schlucht – der bisher schönste Strand unserer Reise. Fast ein bisschen Karibik, nur dass man hier nicht ganz so weit fliegen musste.
Wir finden tatsächlich ein winziges Schattenplätzchen und beschließen, dieses kostbare Stückchen Erde mit niemandem zu teilen. Das funktioniert hervorragend – zumindest so lange, bis die Sonne weiterwandert und unseren Schattenplatz langsam, aber unerbittlich auffrisst. Die Natur kennt eben keine Liegenreservierung.
Irgendwann ist Schluss mit Schatten und Badevergnügen. Vor uns liegen rund 250 Höhenmeter Aufstieg, und zwar auf einer staubigen Fahrstraße in der prallen Sonne. Das ist ungefähr der Moment, in dem man sich fragt, warum man eigentlich freiwillig wandert. Aber auch diese Prüfung geht vorbei. Oben angekommen, haben wir uns einen Frappe verdient – und zwar dringend.

Im Bergdorf Vuno finden wir ein nettes Plätzchen und lassen uns das kalte Getränk schmecken. Ein Blick aufs Thermometer sorgt allerdings für gewisse Ernüchterung: 42,5 Grad! Damit ist endgültig geklärt, warum sich der Aufstieg gerade etwas ambitioniert angefühlt hat.
Anstatt bei dieser Temperatur noch irgendwelche sportlichen Aktivitäten zu erfinden, beschließen wir, es gemütlicher angehen zu lassen und noch ein wenig mit dem Auto durch das Hinterland zu fahren. Die Landschaft ist auch hier wieder beeindruckend: karge Berge, tiefe Täler und nur wenige Siedlungen. Heute liegt allerdings ein grauer Dunst über dem Land und trübt die Fernsicht.
Das Himara Castle lassen wir angesichts der Temperaturen lieber links liegen. Kultur kann schließlich warten. Unser Glück versuchen wir anschließend noch an einem weiteren Strand, dem Llamani Beach bei Himarë. Die kleine Bucht sieht auf den ersten Blick durchaus vielversprechend aus – wäre da nicht die Tatsache, dass praktisch jeder verfügbare Quadratmeter mit Liegen zugestellt ist, und zwar bis direkt an die Wasserkante. Freie Strandfläche? Eher ein theoretisches Konzept.
Ziemlich schnell wird uns außerdem unmissverständlich vermittelt, dass wir offenbar nicht ganz dem gewünschten Strandklientel entsprechen. Die Botschaft ist erfreulich klar und lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Liege mieten, im Restaurant Geld ausgeben – oder weiterziehen.
Wir entscheiden uns für die dritte Variante und nehmen es mit Humor. Schließlich gibt es entlang der albanischen Riviera noch genügend andere Buchten – und wir müssen uns ja nicht überall persönlich willkommen fühlen, um einen schönen Tag zu haben. Stattdessen fahren wir zurück nach Qeparo, wo wir direkt noch einmal ins Meer springen.
Und damit ist die Tagesplanung auch schon perfekt: Wasser, Schatten und möglichst wenig Bewegung. Bei 42,5 Grad ist das keine Faulheit, sondern eine ausgesprochen vernünftige Reisephilosophie.

Saranda
Weiter geht unsere Reise immer an der Küste entlang Richtung Süden. Die Straße schlängelt und schnörkelt sich durch die Landschaft – Kurven gibt es reichlich mit Ausblicken auf das tiefblaue Ionische Meer und die steil abfallenden Berge. Nach und nach verlassen wir die beeindruckende Bergwelt der albanischen Riviera, und rund um Sarandë wird die Landschaft deutlich sanfter und weniger hügelig.
Zunächst lassen wir Sarandë links liegen und fahren weiter nach Butrint. Die antike Stadt gehört heute zum UNESCO-Welterbe und ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Albaniens. Ihre Geschichte reicht mehr als 2.500 Jahre zurück: Griechen, Römer, Byzantiner und später die Venezianer hinterließen hier ihre Spuren. Besonders beeindruckend sind das gut erhaltene griechische Theater, die römischen Überreste und die frühchristlichen Mosaike.
Butrint liegt auf einer bewaldeten Halbinsel zwischen dem Butrintsee und dem Ionischen Meer – eine ziemlich ungewöhnliche Lage für eine antike Stadt. Heute wirkt der Ort angenehm ruhig und grün, sodass man beim Rundgang fast vergessen könnte, dass hier einst reges städtisches Leben herrschte. Nur die Temperaturen erinnern uns zuverlässig daran, dass wir uns weiterhin mitten im albanischen Hochsommer befinden.

Am Nachmittag erreichen wir schließlich Sarandë, eine der bekanntesten Küstenstädte Südalbaniens. Die Stadt liegt direkt an einer weit geschwungenen Bucht und ist inzwischen ein lebhafter Ferienort mit zahlreichen Hotels, Restaurants, Cafés und einer langen Uferpromenade. Hier schlagen wir für eine Nacht unser nächstes Lager auf.
Nach den letzten Tagen zwischen Bergen, Schluchten und kleinen Küstenorten ist Sarandë wieder deutlich urbaner – und damit auch ein kleiner Kulturschock, besonders was den Autoverkehr und die Parkplatzsituation in der Stadt angeht. Die engen Gassen sind gnadenlos zugeparkt. Heute freuen wir uns einfach auf ein kühles Getränk, ein gutes Abendessen und darauf, nicht mehr weiterfahren zu müssen.

Permet
Heute heißt es wieder Abschied nehmen von der Küste. Wir verlassen das Ionische Meer und fahren ins Landesinnere – und kaum sind wir ein Stück unterwegs, zeigt Albanien wieder sein anderes Gesicht. Die Landschaft wird zunehmend bergiger und stark zerklüftet. Tiefe Täler, schroffe Felsflanken und immer wieder überraschende Ausblicke machen die Fahrt zu einem kleinen landschaftlichen Dauerhighlight.
Unser nächstes Ziel ist Gjirokastër, die „Stadt der Steine“. Die historische Altstadt gehört seit 2005 zum UNESCO-Welterbe und liegt spektakulär an den Hängen des Mali i Gjerë über dem Drino-Tal. Charakteristisch sind die traditionellen Steinhäuser mit ihren schiefergedeckten Dächern und die sogenannten Kullë, wuchtige turmartige Wohnhäuser, die für die Region typisch sind.
Über der Stadt thront die mächtige Festung von Gjirokastër. Die Ursprünge der Zitadelle reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück; später wurde sie unter anderem im 19. Jahrhundert erheblich erweitert. Die langgezogene Festungsanlage liegt auf dem Bergrücken und bot von hier oben eine hervorragende Kontrolle über das Drino-Tal und eine wichtige Verkehrsroute Richtung Griechenland.
Wir nehmen uns natürlich die Zeit für einen Rundgang durch die beeindruckende Anlage. Zwischen dicken Mauern, Türmen und alten Gewölben kann man sich gut vorstellen, dass hier früher weniger Touristen mit Kamera unterwegs waren, sondern Menschen, die tatsächlich etwas zu verteidigen hatten.

Anschließend besuchen wir noch das Zekate-Haus, eines der schönsten und am besten erhaltenen traditionellen Wohnhäuser Gjirokastërs. Das im 19. Jahrhundert entstandene Gebäude ist ein besonders gutes Beispiel für die typische Kullë-Architektur. Die Wohnbereiche waren clever an die Jahreszeiten angepasst: Im Winter nutzte man die unteren, geschützteren Räume, während die Familie im Sommer in den höheren und luftiger gelegenen Bereichen lebte. Besonders sehenswert sind die reich dekorierten Innenräume und der große Çardak mit seinen vielen Fenstern.
Nach so viel Geschichte geht es wieder auf die Straße. Wir folgen dem Vjosa, einem der letzten großen frei fließenden Flüsse Europas, und fahren weiter durch das beeindruckende Bergland. Das Tal wird breiter, die Berge begleiten uns weiterhin und die Landschaft wirkt angenehm ursprünglich.
Unser Ziel ist das charmante kleine Städtchen Përmet, das sich besonders am Abend noch einmal von seiner besten Seite zeigt. Sobald die Temperaturen etwas nachlassen, erwacht die Stadt zum Leben: Die Menschen treffen sich auf den Plätzen und in den Cafés, die Restaurants füllen sich und plötzlich ist richtig etwas los. Përmet liegt direkt an der Vjosa und wird auch „Stadt der Rosen“ genannt.

Permet
Heute geht es zu den Thermalquellen von Bënjë – und wir sind früh unterwegs. Zum Glück, wie sich schnell herausstellt. Schon der riesige Parkplatz lässt erahnen, dass man hier offenbar größere Pläne hat. Und tatsächlich: Direkt daneben wurde ein weiteres, ungefähr doppelt so großes Areal für Parkplätze, Campingplätze, Souvenirshops und ein Informationszentrum aus dem Boden gestampft. Fertig ist davon allerdings noch wenig. Vieles wirkt halb gebaut, halb vergessen und insgesamt nicht so, als würde morgen jemand mit dem großen roten Band zur Eröffnung anrücken.
Auch rund um die eigentlichen Thermalbecken wurde kräftig gebaut und gepflastert. Die kleinen Badebecken, in denen das klare, 30 Grad warme Wasser zum Baden einlädt, sind inzwischen von einer ordentlichen Portion Infrastruktur umgeben. Umkleidekabinen – oder zumindest Gebäude, die irgendwann einmal welche werden sollen – stehen ebenfalls bereit.
Man bekommt unweigerlich den Eindruck, dass hier ein ziemlich großes touristisches Konzept geplant ist. Ob das allerdings eine gute Nachricht für die Thermalquellen ist, bleibt abzuwarten. Denn die wenigen kleinen Becken werden die Kapazität der riesigen Park- und Campingflächen wohl kaum bewältigen können. Wenn die geplante Vermarktung tatsächlich so kommt, dürfte aus dem heutigen Naturerlebnis irgendwann ein ziemlich überranntes Badevergnügen werden. Wir sind jedenfalls froh, dass wir noch zu den frühen Besuchern gehören.

Hinter den Becken wartet dann zum Glück genau das Albanien, das wir suchen: Die Lengarica-Schlucht öffnet sich vor uns und sieht aus, als würde sie geradezu darum bitten, erkundet zu werden. Also nichts wie hinein! Der Weg führt über große Steine immer tiefer in den Canyon und quert den Fluss unzählige Male. Das macht die Sache allerdings erst richtig spannend. Zwischendurch entdecken wir immer wieder kleine Gumpen, die förmlich zum Baden einladen. Und das Beste: In der schattigen Schlucht ist es angenehm kühl. Während draußen die albanische Sommersonne wieder ordentlich aufdreht, herrschen zwischen den hohen Felswänden fast paradiesische Bedingungen.
Wir waten weiter durch das klare Wasser, klettern über Felsen und genießen die Ruhe. Hier braucht es keine Souvenirshops, kein Infocenter und auch keinen riesigen Parkplatz – die Schlucht erledigt das touristische Konzept ganz hervorragend selbst.

Permet – Ohridsee
Gestern Abend hat es endlich einmal kräftig geregnet – und siehe da: Die Temperaturen haben sich tatsächlich ein wenig beruhigt. Ein durchaus erfreulicher Wetterumschwung, den wir gerne mitnehmen. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns vom Funky Hotel und machen uns auf eine längere Fahrt durch die albanische Bergwelt. Die Straße ist gut ausgebaut, aber ausgesprochen kurvenreich und führt durch eine wunderschöne Landschaft. Kurven gehören in Albanien inzwischen ohnehin zum festen Bestandteil unseres Reiseprogramms.
Unser Reiseführer kennt allerdings eine Abkürzung, die landschaftlich besonders reizvoll sein soll. Das klingt zunächst nach einer guten Idee. Also biegen wir ab und nehmen die 15 Kilometer unter die Räder. Was dann folgt, verlangt allerdings sowohl dem Fahrer als auch unserem VW Golf einiges ab. Die Straße wird offenbar schon seit geraumer Zeit nicht mehr gepflegt und besitzt kaum noch eine zusammenhängende Teerdecke. Eigentlich besteht sie hauptsächlich aus Schlaglöchern, unterbrochen von heruntergefallenen Steinen und Felsen.
Nach 15 Kilometern erreichen wir schließlich wieder eine vernünftige Straße – und sind ausgesprochen froh, dass unser Golf diese „Abkürzung“ ohne Blessuren überstanden hat. Landschaftlich war die Strecke wirklich schön. Als Fahrstrecke würden wir sie allerdings eher für ambitionierte Mountainbiker empfehlen.
In Leskovik treffen wir wieder auf eine frisch ausgebaute, wunderbar glatte Teerstraße. Was für ein Gefühl! Wir schlängeln uns weiter durch die Berglandschaft und erreichen schließlich Korçë.
Hier legen wir einen Zwischenstopp ein und schauen uns die Auferstehungskathedrale an. Die 1995 fertiggestellte orthodoxe Kathedrale gehört zu den markantesten Bauwerken der Stadt und beeindruckt vor allem durch ihre Größe und die farbenfrohe Gestaltung. Anschließend geht es noch über den historischen Basar mit seinen kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants. Korçë gilt als kulturelles Zentrum Südostalbaniens und wird wegen seiner ausgeprägten Café- und Bierkultur manchmal sogar als eine der lebensfreudigsten Städte des Landes bezeichnet. Wir haben das Städtlein jedoch in einer knappen Stunde abgehandelt.

Danach zieht es uns weiter zum Ohridsee. An der Grenze zu Nordmazedonien parken wir unser Auto und erledigen den Grenzübertritt ganz klassisch zu Fuß. Unser Ziel liegt etwa einen Kilometer hinter der Grenze: das berühmte Kloster Sveti Naum. Die Anlage wurde bereits im 10. Jahrhundert gegründet und liegt spektakulär oberhalb des Ohridsees. Besonders bekannt ist das Kloster für die Kirche mit ihren wertvollen Fresken und die Quelle des Flusses Crni Drim, die direkt unterhalb der Anlage aus dem Fels tritt. Der Ort gehört heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Region – und das können wir durchaus nachvollziehen.

Anschließend marschieren wir wieder zurück über die Grenze, holen unseren Golf ab und fahren noch ein Stück weiter am Ohridsee entlang.
Und hier scheint die Zeit tatsächlich ein wenig stehen geblieben zu sein. Der Ort liegt auf einer kleinen Halbinsel am westlichen Ufer des Ohridsees und wirkt noch erstaunlich wenig touristisch. Die schmale Straße quetscht sich zwischen alten, teilweise verfallenen Häusern hindurch und endet schließlich am See.
Auf den ersten Blick fragen wir uns durchaus, ob wir hier wirklich richtig sind. Dann beziehen wir unser kleines Guesthouse – und entdecken dahinter einen winzigen, wunderschönen Garten direkt am Wasser. Ein paar gemütliche Sitzplätze, der direkte Zugang zum See und absolute Ruhe machen plötzlich aus dem zunächst etwas unscheinbaren Ort einen echten Glücksgriff.

Also setzen wir uns mit einem Glas Weißwein an den See und schauen zu, wie die Sonne langsam untergeht. Dazu gibt es ein leckeres Abendessen aus dem Guesthouse. Manchmal muss man eben erst durch eine ziemlich fragwürdige Zufahrtsstraße fahren und sich durch ein scheinbar vergessenes Dorf kämpfen, um am Ende genau dort zu landen, wo man eigentlich sein möchte.

Ohridsee
Heute steht einmal ein fahrfreier Tag auf dem Programm. Der VW Golf darf sich ausruhen – wir nur bedingt, denn einfach nur herumzusitzen ist schließlich nicht so ganz unser Ding.
Also klettern wir zunächst auf die Felsen oberhalb des Dorfes. Dort befinden sich die Überreste einer frühchristlichen Anlage mit den Fundamenten einer Basilika aus dem 6. Jahrhundert, einem gut erhaltenen Bodenmosaik sowie einer Zisterne und unterirdischen Grabanlagen. Die archäologische Stätte gilt als besonders bedeutend, weil die Mosaike zu den ältesten und kunsthistorisch wertvollsten frühchristlichen Mosaiken Albaniens zählen.
Uns wurde allerdings erzählt, dass das Gelände inzwischen eingezäunt und nicht zu besichtigen sei. Macht nichts – allein wegen der Aussicht lohne sich der Aufstieg. Und da ist tatsächlich etwas dran: Von hier oben eröffnet sich ein fantastischer Blick über den Ohridsee, die Halbinsel und die umliegenden Berge.
Dann haben wir unerwartetes Glück: Gerade als wir uns mit dem Gedanken anfreunden, die historische Stätte eben nur von außen zu betrachten, kommt jemand vorbei und schließt den Zaun auf. Manchmal braucht man einfach nur das richtige Timing. So können wir doch noch einen Blick auf die alten Mauern und das Mosaik werfen.
Anschließend machen wir uns zu Fuß auf den Weg rund um die Halbinsel. Der schmale Weg führt immer wieder direkt am Wasser entlang und eröffnet uns ständig neue Ausblicke auf den See. Und natürlich dauert es nicht lange, bis wir den ersten schönen Badeplatz entdecken. Ein Sprung ins glasklare Wasser ist bei den sommerlichen Temperaturen schließlich eine ausgezeichnete Idee.
Aber wir sind ja eigentlich zum Wandern losgezogen – also geht es weiter. Ein Stück später wartet aber schon die nächste kleine Badestelle auf uns – menschenleer, da kann man nicht widerstehen.
Am Ende schließt sich unser kleiner Rundweg wieder bei unserer Unterkunft mit einem Glas Wein auf der Terrasse unseres Gartens direkt über dem Wasser.

Ohridsee
Ruhetag und Badetag am See

Ohridsee – Valbona Tal
Nachdem wir uns und vor allem unserem Auto zwei Ruhetage gegönnt haben, geht es heute wieder auf die Straße. Unser Ziel heißt Valbona – und der Weg dorthin hat es durchaus in sich. 300 Kilometer liegen vor uns, dafür benötigen wir rund acht Stunden. Macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal 39 km/h. Wer jetzt denkt, wir hätten unterwegs ständig Kaffeepausen gemacht, irrt. Der eigentliche Grund sind die Straßen: die sind zwar gut ausgebaut, aber Kurve reiht sich an Kurve. Mehr als 100 Meter geradeaus am Stück sind eine Seltenheit. Das erklärt dann auch unsere eher gemächliche Durchschnittsgeschwindigkeit.
Was uns besonders beeindruckt: Die Berge scheinen überhaupt keinen Anfang und kein Ende zu haben. Zunächst fahren wir durch bergiges Gelände, dann wird es noch bergiger, zwischendurch für einen kurzen Moment etwas hügeliger – nur um anschließend endgültig in alpine Dimensionen vorzudringen. Hinter jeder Kurve wartet ein neues Tal, ein neuer Pass oder eine weitere spektakuläre Landschaft. Albanien fährt heute noch einmal alle Register auf.
Das große Finale kommt schließlich mit der Einfahrt ins Valbona-Tal. Plötzlich wird die Landschaft richtig alpin: gewaltige, schroff aufragende Berge säumen das Tal, dazwischen grüne Wiesen und ein glasklarer Bergbach. Die Szenerie erinnert tatsächlich an die Dolomiten vor 50 Jahren – bevor jeder grüne Fleck mit einem Wellnesshotel bebaut war.
Nach diesem langen Fahrtag sind wir froh, endlich in Valbona angekommen zu sein. Die letzten Kilometer haben sich allerdings mehr als gelohnt. Wenn das der Norden Albaniens ist, dürfen wir gespannt sein, was uns hier noch erwartet.

Valbona Tal
Das Valbonatal ist ein Ort, an dem man eigentlich gar nicht viel Programm braucht. Die gewaltigen Berge ringsum sorgen ganz von selbst für Beschäftigung – zumindest für die Augen.
Wer gerne wandert, findet hier hervorragende Möglichkeiten für alpine Touren. Steile Felswände, grüne Bergwiesen und hoch aufragende Gipfel machen das Tal zu einem idealen Ausgangspunkt für anspruchsvollere Wanderungen. Gleichzeitig eignet sich Valbona aber auch bestens für einen gemütlichen Ruhetag. Einfach einmal die Wanderschuhe stehen lassen, durchatmen und die beeindruckende Bergkulisse auf sich wirken lassen.
Wir entscheiden uns heute für eine Mischung aus beidem: ein bisschen Bewegung, viel Landschaft und vor allem kein Zeitdruck. Nach den kurvenreichen Kilometern der vergangenen Tage tut es gut, einmal nicht ständig irgendwohin fahren zu müssen. Stattdessen sitzen wir gemütlich zusammen, genießen die Ruhe und stellen fest: Für einen Ruhetag mitten in solch einer Bergwelt kann man sich durchaus erwärmen.
Das Valbonatal zeigt damit eine weitere Seite Albaniens – wild, alpin und gleichzeitig erstaunlich entspannend. Und langsam verstehen wir, warum der Norden des Landes bei Wanderern einen so guten Ruf genießt.

Valbona Tal
Je länger wir durch Albanien reisen, desto mehr fällt uns auf, wie angenehm und unkompliziert das Reisen hier ist. Besonders positiv überrascht sind wir von unseren Unterkünften. Bisher haben wir wirklich durchweg gute Erfahrungen gemacht – und das möchten wir an dieser Stelle einmal ausdrücklich loben.
Alle Unterkünfte, in denen wir bisher gewohnt haben, waren sehr sauber und ordentlich, mit allem ausgestattet, was man unterwegs braucht, und vor allem mit sehr freundlichen Gastgebern. Oft sind es kleinere, persönlich geführte Unterkünfte, bei denen man sich sofort willkommen fühlt. Und auch beim Preis können wir eigentlich nur staunen: Für das, was geboten wird, sind die Übernachtungen nach wie vor erstaunlich günstig.
Natürlich darf man dabei keinen Luxusurlaub mit Designerbad, Wellnessbereich und Champagnerfrühstück erwarten. Aber wenn man darauf keinen besonderen Wert legt, gibt es aus unserer Sicht überhaupt nichts zu bemängeln. Im Gegenteil: Wir haben in anderen Ländern schon deutlich weniger komfortabel gewohnt – und dafür teilweise erheblich mehr bezahlt.
Albanien macht es uns damit ziemlich leicht, uns wohlzufühlen. Saubere Zimmer, nette Gastgeber, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und dazu oft eine wunderschöne Lage. Viel mehr braucht es für uns eigentlich gar nicht.
Auch kulinarisch erleben wir Albanien bisher eher bodenständig als spektakulär – aber dafür ausgesprochen lecker und vor allem erstaunlich günstig.
In allen unseren Unterkünften ist das Frühstück bereits im Preis enthalten. Serviert wird in der Regel Weißbrot mit Butter und Marmelade, dazu ein Teller mit Ei, Feta, Tomaten und Gurken. Fast immer kommt noch etwas Fettgebackenes dazu – mal Küchle, mal kleine Krapfen oder andere süße Gebäckteilchen.
Abends gehen wir meistens in eines der zahlreichen Restaurants. Die Auswahl ist dabei überschaubar, aber durchaus abwechslungsreich genug: Fisch, Lamm oder Chicken gehören zu den Klassikern. Für Vegetarier gibt es meist Griechischen Salat, gegrilltes Gemüse, gefüllte Paprika oder Spinat mit Feta im Blätterteig –Spanakopita, wie man es aus der griechischen Küche kennt.
Die Speisekarten sind also nicht endlos lang, dafür wird das, was angeboten wird, eigentlich immer frisch und schmackhaft zubereitet. Und dann kommt der Punkt, bei dem wir uns regelmäßig fragen, warum das zuhause eigentlich nicht genauso sein kann: die Preise. Für ein gutes Abendessen inklusive Getränken zahlen wir erstaunlich wenig.
Vielleicht ist die albanische Küche nicht unbedingt die vielfältigste, die wir auf unseren Reisen kennengelernt haben. Aber sie ist unkompliziert, schmackhaft und preislich ausgesprochen angenehm. Und mal ehrlich: Wenn das Essen gut schmeckt, der Wein kalt ist und die Rechnung am Ende für ein zufriedenes Lächeln sorgt, braucht es auch keine zehn Seiten Speisekarte.
Auch abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten macht Albanien auf unserer Reise einen durchaus interessanten Eindruck. Besonders die Überlandfahrten sind immer wieder ein Erlebnis. Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Straßen sind – zumindest auf den wichtigen Hauptverkehrsstraßen – meistens gut ausgebaut und führen durch beeindruckende Berglandschaften, tiefe Täler und entlang der Küste.
Sobald wir in die Ortschaften kommen, wird es allerdings deutlich enger. Gerade in den alten Städten sind die Straßen teilweise mit grobem, glattem Kopfsteinpflaster versehen, schmal und zusätzlich großzügig zugeparkt. Irgendwie passt trotzdem immer noch ein Auto durch. „No Problem!“
Auch das Thema Parken ist eine kleine Herausforderung. Parkplätze sind häufig nicht viel mehr als raue Schotterflächen, die man teilweise nur über gefährlich hohe Randsteinkanten erreicht. Dazu kommen größere Steine und andere Hindernisse, die sich gerne genau dort befinden, wo man sie beim Rangieren nicht gebrauchen kann.
Sehr unterschiedlich ist auch der Eindruck von Sauberkeit und Ordnung. Manche Orte wirken ausgesprochen gepflegt und sauber, andere deutlich weniger. Und fast überall begegnen uns die leider obligatorischen wilden Müllablagerungen. Plastikflaschen, Dosen und sonstiger Unrat liegen nicht nur am Straßenrand, sondern ziehen sich teilweise kilometerweit ins Hinterland.
Allerdings müssen wir uns dabei auch selbst ein Stück weit an die eigene Nase fassen. Als Touristen tragen auch wir zum Plastikmüll bei – vor allem durch unseren hohen Verbrauch an Wasserflaschen. Leitungswasser möchten wir unterwegs nicht einfach überall trinken, und eine wirkliche Alternative ist nicht immer leicht zu finden. Also kaufen auch wir regelmäßig neue Plastikflaschen und produzieren damit genau den Müll, über den wir uns anschließend ärgern.
Ähnlich sieht es bei den Getränken in den Restaurants aus. Cola, Fanta & Co. werden praktisch immer in Dosen serviert. Eine offene Cola zu bestellen, wie wir es aus vielen Restaurants zuhause kennen, ist offenbar keine Option. Entweder Dose oder Plastikflasche – die Auswahl ist überschaubar. Da hilft dann nur, die Dose zumindest ordentlich zu entsorgen und sich einzureden, dass man damit schon seinen Beitrag geleistet hat.
Besonders auffällig ist, dass Hausrat und Sperrmüll häufig einfach irgendwo am Hang oder an einer Böschung entsorgt werden. Man fährt durch eine eigentlich wunderschöne Landschaft und entdeckt plötzlich eine Ansammlung von alten Möbeln, Matratzen, Plastikteilen oder sonstigem Hausrat. Offensichtlich gilt hier noch die sehr einfache Methode: Wenn man es nicht mehr braucht, kommt es den Berg hinunter.
Das ist schade, denn landschaftlich hat Albanien wirklich viel zu bieten. Gerade auf den Überlandfahrten wird deutlich, wie großartig die Natur ist. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass das Land beim Thema Müllentsorgung und Umweltbewusstsein noch einiges aufzuholen hat.

Valbona Tal – Shirokë am Shkodrasee
Heute verlassen wir das Valbonatal und machen uns auf den Weg Richtung Fierza. Schon die Anfahrt zum Fährhafen ist landschaftlich ein Erlebnis, denn die Straße schlängelt sich wieder durch die Berge.
In Fierza wartet allerdings die nächste Herausforderung auf uns: die kleine Fähre über den fjordähnlichen Stausee Drini. Unser Auto muss rückwärts auf das Schiff gefahren werden – und der Platz ist, sagen wir einmal, überschaubar. Zentimeter für Zentimeter geht es auf die Fähre, bis wir tatsächlich millimetergenau eingeparkt sind. Viel Spielraum gibt es nicht, und Aussteigen ist anschließend eher eine Frage der Akrobatik.
Dann beginnt die eigentliche Fahrt. Rund zweieinhalb Stunden sind wir auf dem Wasser unterwegs und fahren durch eine Landschaft, die tatsächlich an norwegische Fjorde erinnert. Steile, bewaldete Berghänge ragen links und rechts aus dem tiefblauen Wasser, immer wieder öffnet sich der Blick in kleine Seitenarme und enge Täler. Eine ausgesprochen entspannte Art zu reisen.
Bemerkenswert ist dabei, wie ruhig und gelassen das Fährpersonal alles organisiert. Autos werden eingewiesen und rangiert, Passagiere steigen aus und wieder ein, und am Ende müssen wir von der Fähre auch noch direkt in einen engen Tunnel fahren. Natürlich mit Gegenverkehr. Was für uns nach einer ziemlich abenteuerlichen Angelegenheit aussieht, wird vom Bootspersonal mit einer Selbstverständlichkeit erledigt, als wäre das hier der ganz normale Berufsalltag. Wahrscheinlich ist es das auch.
Anschließend geht es über eine nagelneue Bergstraße weiter. Die Straße führt uns schließlich hinunter zum Shkodrasee und in das kleine Fischerdorf Shirokë.
Nach der spektakulären Fährfahrt und den vielen Kilometern durch die Berge sind wir froh, dort angekommen zu sein. Jetzt wartet erst einmal der See auf uns – und vielleicht ein kühles Getränk an der Seepromenade.

Shirokë am Shkodrasee
Heute steht wieder einiges auf unserem Programm. Unser Ausgangspunkt ist Shirokë am Ufer des Shkodrasees – und von hier aus machen wir uns zunächst auf den Weg zur Ura e Mesit, einer historischen Steinbrücke nördlich von Shkodër. Die alte Brücke überspannt den Kir und besteht aus mehreren Bögen. Ein schönes Stück albanischer Geschichte, das heute etwas unscheinbar in der Landschaft liegt, aber durchaus einen Abstecher wert ist.
Anschließend geht es weiter zum Rozafa Castle, das hoch über Shkodër auf einem felsigen Hügel thront. Von hier oben haben wir einen tollen Blick über die Stadt, den Shkodrasee und die umliegenden Berge. Die Festung selbst erzählt eine ziemlich bewegte Geschichte und wurde über Jahrhunderte von verschiedenen Herrschern genutzt. Viel spannender als die Jahreszahlen ist für uns allerdings die Aussicht – dafür hat sich der Aufstieg auf jeden Fall gelohnt.
Zurück in Shkodër bummeln wir anschließend noch durch die Einkaufsstraße. Zwischen Geschäften, Cafés und allerlei geschäftigem Treiben lassen wir uns einfach ein bisschen treiben. Nach den vielen Bergen, Schluchten und kurvigen Straßen der letzten Tage ist ein gemütlicher Stadtbummel fast schon eine willkommene Abwechslung.
Und weil es inzwischen wieder ordentlich warm ist, fehlt zum perfekten Abschluss eigentlich nur noch eines: Baden! Unsere Unterkunft liegt direkt am Shkodrasee, also müssen wir dafür nicht einmal irgendwohin fahren. Einfach Badesachen an, ein paar Schritte bis ans Wasser und hinein. Herrlich unkompliziert.
So endet unser Tag in Shirokë mit einem Sprung in den See – und wir stellen einmal mehr fest, dass eine Unterkunft direkt am Wasser durchaus ihre Vorteile hat.

Shirokë am Shkodrasee – Theth
Heute steht ein weiterer Höhepunkt unserer Albanienreise auf dem Programm: die spektakuläre Fahrt nach Theth. Der Routenplaner berechnet für die 85 Kilometer zweieinhalb Stunden.
Die Straße ist von Anfang an so schmal, dass zwei Autos gerade noch so aneinander vorbeikommen. Und natürlich sind wir nicht allein unterwegs. Uns kommen gefühlt Hunderte Fahrzeuge entgegen – Autos, Kleinbusse, Camper und alles, was sonst noch Räder hat. Bei jedem Gegenverkehr heißt es: bremsen, ausweichen, hoffen, dass beide Fahrer die gleiche Vorstellung davon haben, wie breit die Fahrzeuge sind.
Dafür ist die Strecke spektakulär. Hunderte Kurven führen uns immer weiter hinauf, bis wir schließlich den Qafa e Thores auf 1.668 Metern erreichen. Hier oben liegt uns die Bergwelt zu Füßen. Nach einer kurzen Pause geht es wieder bergab – und zwar genauso kurvenreich, wie wir gekommen sind. Tief unter uns liegt das Theth-Tal, umgeben von steil aufragenden, schroffen Bergen.
Auf dieser schmalen Straße ist allerdings einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt. Viel Zeit zum Landschaft-Genießen während der Fahrt bleibt. Unser VW Golf schlägt sich tapfer und bringt uns Kurve für Kurve sicher hinunter ins Tal.
Unser erster Stopp in Theth ist der Grunas-Wasserfall. Der Weg dorthin ist noch einmal eine kleine Wanderung, aber die Mühe lohnt sich. Rund 50 Besucher haben sich bereits eingefunden und genießen die Abkühlung. Wobei „genießen“ vielleicht nicht auf alle zutrifft: Das Wasser ist ziemlich kalt. Zum Baden wagen sich deshalb nur die ganz Harten hinein. Wir überlegen kurz, ob wir zu dieser Gruppe gehören – und entscheiden uns dann doch für die etwas weniger heldenhafte Variante.
Anschließend machen wir uns auf die Suche nach unserer kleinen Unterkunft in Theth. Nach dieser aufregenden Fahrt freuen wir uns auf ein ruhiges Zimmer, etwas Erholung und einen gemütlichen Abend. Und eines steht jetzt schon fest: Die Anfahrt nach Theth gehört definitiv zu den Fahrten, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Theth
Nach den vielen Kilometern und den unzähligen Kurven der vergangenen Tage ist heute Schluss mit Autofahren. Wir gönnen uns einen Ruhetag in Theth – und könnten uns dafür kaum einen besseren Ort vorstellen. Rund um das Tal ragen die schroffen Berge steil in den Himmel. Dazu kommen grüne Wiesen, kleine Häuser und eine wohltuende Ruhe.
Wir lassen den Tag deshalb ganz entspannt angehen, genießen die Bergwelt und unternehmen nur kleine Spaziergänge in der näheren Umgebung. Kein Zeitplan, kein Routenplaner und vor allem keine Straße, auf der uns im nächsten Moment wieder ein halber Reisebus entgegenkommt.
Theth ist damit genau der richtige Ort für eine kleine Pause. Hier kann man wunderbar durchatmen, die Berge genießen und einfach einmal einen Gang zurückschalten.

Theth – Tirana
Heute heißt es leider Abschied nehmen von Albanien. Doch bevor wir endgültig Richtung Tirana fahren, wartet noch einmal eine ordentliche Portion Kurven auf uns.
Von Theth aus schrauben wir uns wieder über unzählige Serpentinen aus den Bergen hinaus. Noch einmal geht es über einen Pass, bevor die Landschaft allmählich ihr Gesicht verändert. Ab Shkodër wird es deutlich flacher. Die gewaltigen Berge bleiben hinter uns zurück und machen Platz für eine zunehmend zersiedelte Landschaft mit geraden Straßen, Häusern, Gewerbebetrieben und leider auch wieder reichlich Müll am Straßenrand. Nach den beeindruckenden Berglandschaften der vergangenen Tage wirkt diese Gegend fast ein wenig ernüchternd.
Einen kurzen Zwischenstopp legen wir an der Patok-Lagune ein. Die Lagune liegt an der Adriaküste nördlich von Durrës und bietet noch einmal eine ganz andere Landschaft: flaches Land, Wasser und weite Horizonte.
Es bleibt noch etwas Zeit, also beschließen wir spontan, noch einen Abstecher nach Krujë zu machen. Und tatsächlich: Der dortige Basar ist der erste auf unserer Reise, der seinen Namen wirklich verdient. Eine lange, historische Gasse mit kleinen Läden reiht sich aneinander – allerdings besteht das Warenangebot zu einem großen Teil aus genau den Dingen, von denen wir bisher gar nicht wussten, dass wir sie nicht brauchen. Teppiche, Souvenirs, Schmuck, Holzarbeiten und allerlei touristischer Tinnef warten darauf, mitgenommen zu werden.
Dann geht es endgültig nach Tirana und damit ist unser Albanien-Abenteuer tatsächlich zu Ende.
Nach mehreren Wochen mit Bergen, Küsten, Schluchten, historischen Städten, wilden Straßen, überraschend guten Unterkünften und unzähligen Kurven heißt es nun Abschied nehmen. Albanien hat uns immer wieder überrascht – meistens positiv, manchmal etwas herausgefordert und gelegentlich auch zum Staunen gebracht.
Vor allem die gewaltige Bergwelt, die freundlichen Menschen und die unkomplizierte Art des Reisens werden uns in Erinnerung bleiben. Und unser Fazit fällt eindeutig aus: Albanien ist ein ausgesprochen interessantes Reiseland – besonders für alle, die gerne unterwegs sind, etwas Neues entdecken und nicht erwarten, dass hinter jeder Kurve bereits ein perfekter Parkplatz wartet.