
19.10.2013 Casablanca
Wir kommen spät abends an und bekommen daher zunächst nur einen Eindruck von unserem Hotelzimmer – und der hat es in sich. Es ist entzückend: über und über mit marokkanischen Mosaiken geschmückt, jede Ecke eine kleine Kuscheloase. Unter einem bezaubernden Baldachin schlafe ich wie eine Prinzessin aus Tausendundeiner Nacht. Morgen kann die Marokko Reise beginnen.

20.10.2013 Casablanca – Meknès
Am Morgen geht es direkt zur ersten Moschee. Sie gehört zu den größten der Welt, und an Prunk wurde ganz sicher nicht gespart. 1989 eingeweiht, bietet sie Platz für 20.000 Männer und 5.000 Frauen. Auf den vollständig mit Marmor gepflasterten Vorplatz passen noch einmal 80.000 Gläubige. Ein 200 Meter hohes Minarett überragt die reich verzierte Fassade aus Stuck, Bögen und Mosaiken.
Danach stehen gleich zwei Königsstädte auf dem Programm: Rabat und Meknès. In Rabat bekommen wir eine Führung zum Königssitz und zum Königsmausoleum. Im Souk gibt es anschließend ein leckeres Mittagessen, bevor es weiter nach Meknès geht. Erstaunlich, wie sauber und zivilisiert hier alles wirkt.

21.10.2013 Meknès – Fès
Auch in Meknès besichtigen wir das Königsviertel mit seinen zahlreichen Mauern und schönen Toren, die Moschee der Neustadt und schließlich den Markt. Dieser ist zwar eng und vollgestopft mit Waren – Textilien, Haushaltsartikel, Schuhe – aber dennoch ordentlich und erstaunlich sauber.
Weiter geht es zum nächsten Highlight: Volubilis. Die weitläufige römische Ausgrabungsstätte mit ihren wunderschönen Mosaikböden lässt den einstigen Luxus der Römer erahnen. Ein Besuch der heiligen Stadt Moulay Idris, einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Landes, darf natürlich auf einer Marokko Reise nicht fehlen. Die Fahrt dorthin führt durch eine Landschaft, die ein wenig an die Toskana erinnert: weiche Hügel, einzelne Bäume und Schafherden.

22.10.2013 Fès
Fès ist die älteste, bedeutendste und – nach Marrakesch – sehenswerteste der vier Königsstädte. Auf einer Stadtrundfahrt nähern wir uns ihren Geheimnissen und erfahren viel über ihre bewegte Geschichte. Wir beginnen am Tor des Königspalastes, laufen durch das Judenviertel und tauchen schließlich ein in die schmalen Gassen der Altstadt. Hier reiht sich Laden an Laden, und durch die engen Gassen dringt kaum Tageslicht. Das Angebot ist überwältigend: frisches und getrocknetes Obst, Datteln, Feigen, Zitrusfrüchte, Hülsenfrüchte, Nudeln, Reis, Kichererbsen – und natürlich bergeweise Gewürze und Kräuter.
Es folgen Lederwaren in allen Farben, glänzende und geschmeidige Stoffe, Haushaltswaren, Kessel, Seifen und jede Menge Schnickschnack. Hier würde man sich nur allzu gerne verlieren, doch unser Guide sammelt uns zuverlässig wieder ein und führt uns zur weltberühmten Ledergerberei. Von einem Wohnhausfenster blickt man in den Hinterhof, wo in großen Wannen Tierhäute in Gerberlauge und Farblösungen verarbeitet werden. Die Arbeiter stehen halbnackt in den Becken und wenden die schweren Häute. Der Geruch von Verwesung und Chemikalien steigt bis zu den Fenstern hinauf – man möchte gar nicht wissen, wie es den Arbeitern dabei geht.
Deutlich angenehmer scheint es in der Töpferei zuzugehen. Hier werden bunte Fliesen zersägt und zu winzigen Scherben geschliffen – jede einzelne von Hand – um die typischen marokkanischen Mosaike herzustellen. Auch eine Weberei besuchen wir, in der aus Agavenfasern eine Art Seide gewonnen wird. Daraus entstehen erstaunlich weiche, glänzende und angenehm zu tragende Stoffe.
Hinter den hohen Mauern der Stadt verbergen sich noch weitere Schätze, zum Beispiel ein wunderschönes Restaurant, in dem wir schließlich ein landestypisches Tajine-Essen genießen.
23.10.2013 Fès – Erfoud
Eine längere Fahrt bringt uns nach Erfoud, an den Rand der Sahara, von wo aus unser Kameltrekking starten wird. Die Strecke ist überraschend abwechslungsreich. Wir steuern einen mächtigen Gebirgszug an und überqueren einen rund 1.500 Meter hohen Pass. Hier sieht es stellenweise tatsächlich aus wie in der Schweiz.
Gemächlich durchqueren wir ein Hochplateau mit einem See, bevor sich gegen Abend das Landschaftsbild ändert. Plötzlich ist es genau das Marokko, das man sich vorstellt: goldbraune Lehmgebäude, eingebettet in grüne Flussläufe.
Auch das heutige Hotel ist wieder ein Highlight – eine alte Kasbah, sehr stilvoll und geschmackvoll eingerichtet. Es gibt sogar einen Pool und dazu eine laue Sommernacht. Orientalischer geht es kaum.

24.10.2013 Erfoud – Wüste
Am Morgen besichtigen wir einen bekannten Steinbruch, in dem der typische schwarze Marmor mit eingeschlossenen Fossilien gewonnen wird. Ammoniten und Kopffüßer sind kunstvoll herausgearbeitet und zieren Tische und allerlei Schnickschnack – durchaus sehenswert.
Im nächsten Ort bummeln wir durch einen interessanten Souk und saugen noch einmal ordentlich orientalisches Flair auf. Später treffen wir uns am Rand der Wüste mit unseren Kamelen. Jeder bekommt sein persönliches Reitkamel zugeteilt, und dann kann es losgehen. Das Kameltrekking ist einer der Höhepunkte unserer Marokko Reise.
Zwischen wunderschönen, goldenen Sanddünen schaukeln wir durch die Stille der Wüste. Am Ende des Tages schlagen wir unser Lager unter einem funkelnden Sternenhimmel auf und zählen Sternschnuppen. Um 23 Uhr geht der Mond auf – und stiehlt den Sternen langsam die Show.

25.10.2013 Kameltrekking durch die Wüste
Sobald es hell wird, zaubert uns das Begleitteam ein wunderbares Frühstück. Die ersten Stunden auf dem Kamel sind die schönsten: Die Sonne steht noch tief, das Licht ist weich, die Schatten sind lang. Nach einer Weile erklimmen wir die höchste Düne der Gegend. Zwei Schritte vor, einer wieder zurück – aber es lohnt sich. Der Blick von oben ist fantastisch. Unter einem schattenspendenden Tamariskenbaum erwartet uns ein erstaunlich umfangreiches Picknick mit Salaten, Couscous, Käse, Obst und Gemüse. Was für ein Luxus, so weit entfernt von jeder Zivilisation. Danach geht es weiter durch die endlose Stille der Wüste. Zu hören sind nur das Knirschen der Kamelhufe und der Wind, der uns nach und nach einstaubt und den Sand in jede noch so kleine Ritze treibt. Die zuvor erstandenen Tücher aus Agavenseide erweisen sich als äußerst praktisch. Ein Käppi wäre längst davongeweht, die Tücher dagegen bedecken Kopf, Ohren und Nacken – und bewahren zumindest diese Stellen vor der vollständigen Versandung.
26.10.2013 Kameltrekking durch die Wüste
Die goldene Sandwüste geht nun in eine graue Kieswüste über, durchzogen von feinen Sanddünen. Die Landschaft wirkt wie gemalt. Auf unseren Kamelen schaukeln wir gemächlich dahin. Weit und breit kein Strauch, kein Grashalm, nicht einmal ein einzelner Felsen – nur eine ebene Fläche, so weit das Auge reicht. Alles ist still. Niemand spricht ein Wort, die Kamele setzen ihre Hufe fast geräuschlos auf. Nur der Wind säuselt und treibt feine Sandfäden vor sich her. Für die Mittagspause haben die Jungs ein Küchenzelt aufgebaut, sodass wir einigermaßen wind- und sandgeschützt essen können. Es ist wirklich unglaublich, was uns das Team dreimal täglich auftischt: große Platten voller Leckereien, im Sand gegarte Tajine und zum Abschluss natürlich Minztee. Und das alles wird mit Kamelen transportiert und auf einfachen Feuerstellen gekocht – Respekt!
27.10.2013 Wüste – Erfoud
Ein letzter Sonnenaufgang in der Wüste, eine letzte Besteigung der Dünen, ein letzter Ritt auf den Kamelen – dann kehren wir zurück in die Zivilisation.

28.10.2013 Erfoud – Bou Trarar
Die Gegend ist wunderschön. Wir fahren entlang einer Schlucht, durch die sich ein Bach schlängelt. Die Siedlungen schmiegen sich farblich perfekt an die roten Felsen an und bilden einen tollen Kontrast zum grünen Bachbett.
29.10.2013 Bou Trarar
Ruhetag. Wir unternehmen eine Wanderung entlang des Flusses. Heute ist Waschtag: Die Frauen waschen ihre Wäsche am Fluss, während ein paar Jungs ein wachsames Auge auf das Geschehen haben. Das Dorf ist sehr klein. Die Häuser sind aus Lehm gebaut, quadratisch, mit je einem Türmchen an jeder Ecke. Hohe Mauern umgeben die Gehöfte, hinter denen sich das Leben abspielt. Es ist ruhig hier, und alle sind freundlich.

30.10.2013 Bou Trarar – Ouarzazate
Zu Fuß erkunden wir zunächst das grüne Mgouna-Tal, bevor wir unsere Reise entlang der berühmten Straße der Kasbahs nach Ouarzazate fortsetzen. Die Wanderung führt am Flussbett entlang, durch Gärten und Felder. Immer wieder tauchen alte Kasbahs auf – manche gut erhalten und gepflegt, andere bereits verfallen. Im Hintergrund sind schneebedeckte Berge zu sehen. Am Nachmittag erreichen wir Ouarzazate und besichtigen ein Kasbah-Museum. Die Strecke dorthin führt durch eine karge Hochebene mit Blick auf die Berge in der Ferne. Immer wieder passieren wir kleine Dörfer, die nur aus wenigen Kasbahs bestehen. Manche lassen auf wohlhabende Besitzer schließen.
31.10.2013 Ouarzazate – Marrakesch
Am Morgen besichtigen wir die Filmstudios bei Ouarzazate. Hier wurden einige bekannte Filme gedreht, darunter Der Medicus und Die Päpstin. Die Kulissen können besichtigt werden – ein bisschen Hollywood in der Wüste. Anschließend überqueren wir den Hohen Atlas auf einer spektakulären Passstraße. Die Ausblicke sind grandios. Unterwegs besuchen wir eine Frauenkooperative, in der Arganöl hergestellt wird. Und dann erreichen wir Marrakesch. Wir stürzen uns direkt ins Getümmel rund um den Djemaa el-Fna, den Hauptplatz der Stadt.

01.11.2013 Marrakesch
Der Souk von Marrakesch ist ein einziges Labyrinth – und gleichzeitig ein riesiger Kunsthandwerkermarkt. Eine solche Vielfalt und Menge an Waren habe ich noch nirgends gesehen. Die engen Gassen sind komplett vollgestopft mit Krimskrams, Orientierung nahezu unmöglich. Es gibt bunte, schillernde Stoffe, Leder, Schuhe, orientalisches Teegeschirr, Gläser, Keramik in allen Farben, Formen und Varianten. Massenhaft Tajines, Eisenwaren, Lampen, Lämpchen, Schmuck, Seife, Teppiche, bergeweise Kräuter und Gewürze, getrocknete Früchte, Datteln und Feigen. Ein kunterbuntes Gewimmel. Natürlich sind hier auch die Halunken nicht weit, mit denen man besser vorsichtig handelt. Das zweite „Nein“ wird meist akzeptiert – beim ersten braucht es noch etwas Nachdruck. Auf dem großen Platz Djemaa el-Fna sind inzwischen die Garküchen aufgebaut. Überall dampft und raucht es, rundherum Stände mit Orangensaft, Obst und Nüssen. Gegen Abend kommen Musikgruppen und Gaukler dazu. Ein paar Schlangenbeschwörer und Berberaffen dürfen natürlich nicht fehlen – und schon ist das Märchen aus Tausendundeiner Nacht perfekt.
In einem Dachrestaurant mit Blick auf das bunte Treiben genießen wir unser Abschiedsessen – selbstverständlich aus der traditionellen Tajine. Und so geht unsere abwechslungsreiche Marokko Reise zu Ende.