London – ein Erlebnisbericht!

London
Tower Bridge

London hat sich seit meinem letzten Aufenthalt, der vor dem Millenium schon einige Zeit zurück liegt, ziemlich verändert. In meiner Erinnerung hatte ich den Baustil jahrhunderte alter Gebäude wie Tower, Westminster und Co. Dieser Baustil verschwindet zwischen riesigen Glasplästen, die nun den Charakter des Stadtbildes beeinflussen. Was bleibt, sind ein paar Inseln Geschichte zwischen den Riesen der Moderne.

Es kommt mir jedoch auch weniger hektisch und sauberer vor. Die dicken Abgaswolken aus meiner Erinnerung haben sich verzogen. Geblieben ist der abgewohnte Charme der Tube. Am Covent Garden liegt sie 15 (!) Stockwerke unter der Oberfläche. Es wird empfohlen, die knapp 200 Stufen der Treppe nur im Notfall zu benutzen. Die Londoner nehmen es gelassen. Sie bewahren Contenance und sind immer freundlich. Auch in vollen Straßen kommt keine Hektik auf. Morgens ist es noch sehr ruhig. Erst gegen Mittag tauchen die Menschen auf. Sie essen aus Plastikschalen, tragen Stöpsel im Ohr und wischen auf ihren Handys herum. Wer noch eine Hand frei hat, füllt diese mit einem Kaffee to go. Nun kommt Leben in die Straßen von London. Ab 16:00 Uhr bilden sich dicke Trauben vor den Pubs. Zeit für das heilige Feierabend Ale. Wann wird hier eigentlich gearbeitet? Zwischen den Tea-Pausen?

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The Houses of Parliament

In 3,5 Tagen bringe ich es auf 60 Kilometer – zu Fuß. Für die größeren Strecken nehme ich die U-Bahn oder bevorzugt einen der oberirdischen roten Doppeldecker-Busse. Allerdings ist es nicht ganz einfach, die richtigen Bushaltestellen zu finden. Der Linksverkehr und die unzähligen Einbahnstraßen machen es nicht einfacher. Generell ist es für eine Stadt dieser Größenordnung jedoch sehr einfach sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurecht zufinden. Mit der Oyster-Card muss man sich keine Gedanken über Preise, Zonen und Fahrzeiten machen. Es handelt sich um eine Prepaid-Karte, die für U-Bahn, rote Busse und Riverbus auf der Themse gültig ist. Man bucht sich einfach beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus. Der Betrag wird automatisch abgebucht, maximal der Preis einer Tageskarte. Die Oyster-Card kann man überall mit neuem Guthaben auffüllen. Das erleichter die Fortbewegung in London ungemein.

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Der Tower von London

Am ersten Abend mache ich einen Spaziergang zur Tower Bridge. Michael, mein Vermieter, spricht von einer halben Stunde. Letztlich werden 1,5 Stunden und 12 Km daraus. Es gibt so viel zu sehen und die abendliche Sonne läßt die schmucke Tower Bridge in einem goldenen Licht schimmern. Für den Rückweg nehme ich den Riverbus auf der Themse zurück zum Embankment nahe Covent Garden.

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Trooping the Colour

Am nächsten Tag soll der Buckingham Palace mein Ziel sein. Ich erinnere mich noch gut an die Prachtmeile The Mall, die direkt vom Trafalgar Square auf den Buckingham Palace zuführt. Sie ist heute mit Flaggen geschmückt und für den Verkehr gesperrt. Durch Zufall gerate ich direkt in die Parade der „Trooping the Colour“. Es ist eine der unzähligen Proben für die Geburtstagsparade der Königin Elisabeth II. Der ganze Exerzierplatz der Admiralszitadelle ist voll mit der königlichen Garde in roter Uniform und den berühmten Bärenfellmützen, Pferdeabordnungen und Musikkpellen. Insgesamt sollen es 1500 Soldaten, 200 Pferde und 6 Musikkapellen sein. Eine unglaublich akurate Performance, als Geburtstagsgeschenk für ihre Königin.

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Westminster Abbey

Ich durchquere den St. James Park zum Buckingham Palace und von dort zur Westminster Abbey und Houses of Parliament. Es wimmelt von Schulklassen und ich fliehe in den Hyde Park. Gleich am Eingang des Hyde Parks gibt es einen tollen Rosengarten der in voller Blüte steht. Am See mache ich Mittagspause und wandere dann weiter durch den Kensington Garden zum Kensington Palace, wo einst Diana wohnte und nun William mit seiner Cathrine und den beiden Kinder residiert. Der Wohnbereich ist wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelt und überwacht. Auch hier gibt es einen hübschen Garten, der zu Ehren von Dianas 20. Todestag in diesem Jahr ganz in weiß bepflanzt wird. Ein kurzer Abstecher nach Notting Hill läßt mich einen Eindruck der berühmten Wohngegend bekommen. Inzwischen bin ich 15 km gelaufen und nehme den Bus zurück zum Trafalgar Square.

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The Shard – die Scherbe

Der Weg entlang der Themse gefällt mir auf der Southbank sogar noch besser als auf der anderen Seite. In der warmen Morgensonne habe ich schöne Ausblicke auf das Bankenviertel gegenüber. Plötzlich stehe ich vor dem gigantischen Glasturm „The Shard“ – „die Scherbe“ der mit 310 m Höhe zum neuen Wahrzeichen Londons geworden ist. 30 Pfund kostet die Fahrt auf die Aussichtsplattform des Glasturms. Der Boden schwankt und die Aussicht ist überwältigend. Zu Füßen des neumodernen Glasgebäudes befindet sich der altmoderne Tower samt des ursprünglichen Wahrzeichen Londons, der Tower Bridge. Was für ein Kontrast.

Im Bankenviertel versteckt sich das „Monument“. Ein Denkmal des großen Brandes in London im Jahr 1666. Trotz seiner 61 Metern Höhe wirkt es wie ein Zwerg zwischen den modernen Glashochhäusern des „Zentrums“. Ein paar Meter weiter bin ich plötzlich umgeben von massenhaft Bankern in spitzen Schuhen und zu kleinen Anzügen. Hier wird also das Geld der Welt verwaltet. Von genau diesen Menschen.

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Vintage-Caffe im Camden Market

12,5 km habe ich schon auf den Sohlen. Ich nehme die Tube nach Camden und tauche ein in den berühmten Camden Market in dem es alles gibt, was niemand braucht. Hier kann man sich verirren wie im Souk von Marrakesch. Irgendwo im Untergeschoß in einer dunklen Ecke finde ich ein total verrücktes Vintage-Caffe. Hätte es beinahe nicht als solches erkannt. Das Interieur besteht aus wild zusammen gewürfelten alten Sofas, Tischen und Stühlen mit alten Lampenschirmen. Wie bei Oma im Wohnzimmer. Bei Simon and Garfunkel genieße ich Walnuss-Mocca-Kuchen und Schokomilchschake mit Marshmallows. Herrlich! Welch krasser Unterschied zur Bankermeile London City.

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Blick von The Shard

Entlang des Regents Kanals, der genau durch den Camden Markt verläuft, führt ein hübscher Fußpfad zum Regentspark und Primerose Hill, mein nächstes Ziel. Von dort hat man einen tollen Blick auf die City. Unglaublich, wieviele gepflegte Grünflächen London hat. Die jungen Leute treffen sich hier und alles ist sauber und zivilisiert. Hier gefällt es mir besonders gut. Im Regentspark gibt es einen weiteren wunderschönen Rosengarten. Dieser Park ist riesig und eignet sich für einen Sonnntagsausflug. Ich habe leider nicht soviel Zeit und nehme den Bus zurück nach Westminster. Die Abendsonne läßt das Gold an den Türmen blenden.

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London Eye

Zum Abschluß möchte ich noch Kew Garden, den Botanischen Garten Londons, besuchen, der sogar unter Weltkulturerbe steht. Mit der Tube ist es leicht dorthin zu kommen. Es gibt einen Rosengarten in voller Blüte und diverse Gewächshäuser. Diese sind so riesig, dass ich Mühe habe den Ausgang zu finden. Im Palmenhaus kann man über eine Wendeltreppe unter dem Dach wandeln, sofern man die Hitze dort ertragen kann. Im Prinzess of Wales Conservatory gibt es 10 verschiedende Klimazonen. Da kann schon mal den Überblick verlieren. Und ein weiteres Glashaus, mit 4800 qm das größte von allen, wird derzeit renoviert. Es gibt einen japanischen Garten und einen Treetopweg. Der Kew Garden eignet sich super für einen Tagesausflug. Besonders faszinierend sind die Flugzeuge, die im Minutentakt zum Greifen tief den Flughafen Heathrow ansteuern.

Zum Abschied tue ich es den Londonern gleich und gönne mir ein Feierabend-Bier in einem der unzähligen Pubs rund um Covent Garden.