Costa Rica Reise: Tagebuch Teil 1

Costa Rica Reise, Tukan
Costa Rica Tukan

Costa Rica Reise „Highlights“ vom 26.12.15 – 11.01.16, Tagebuch Teil 1

26.12.2015
Die wilde Fahrt beginnt (muss nur erst noch Koffer packen). Heute beginnt die Anreise, morgen komme ich am späten Nachmittag (Ortszeit) in Costa Rica an.

27.12.2015
Bisher eher begrenzter Spaß, aber gute Stimmung. Iberia frisst Koffer wie andere Weihnachtsplätzchen. Jetzt bringen wir erst mal den Service hier auf Schwung – und der uns auf angemessenes Geduldsniveau. Immerhin ist das erste Bier schon mal eingeschwebt. Prost! Anflug auf San José.

28.12.2015
Der Vulkan, den wir heute „besucht“ haben, wollte nicht viel von uns wissen. Bis wir endlich in der Warteschlange vor dem Parkplatz am Naturparkeingang vorwärts gekommen waren, hatte sich der Vulkan samt vorgelagertem Bergsee in undurchdringlichen Nebel gehüllt. Schade! War aber trotzdem interessant, durch den Nebelwald (heißt echt so) zu stiefeln – auf ca. 2800 m Höhe auch etwas japsend.
Außerdem haben wir einen kleinen Abstecher in den Supermarkt gemacht, Geld getauscht und auf dem Rückweg vom Vulkan einen Kolibrigarten und eine Kaffeeplantage samt angeschlossener Ausschankstelle besucht.

29.12.2015
Der Tag heute war schön. Und die Gruppe ist total super. Lauter nette, unkomplizierte, offene Leute. Heute haben wir eine Kooperative besucht, die sich nachhaltig um Landschaft und Wasser in einer Bergregion bemüht und auch ein Zuckerrohrprojekt laufen hat. Die von Ochsen getriebene Mühle war leider wegen Krankheit außer Betrieb aber die Kostproben haben uns voll das Zuckerhigh beschert. Vorher gab’s noch lecker Gemüse/Rindfleischsuppe.
Danach noch ein Abstecher zu einem Maskenbauer (Abwehr von bösem Zauber vergleichbar Fasching). War wirklich nett! Egal wie engagiert ein Reiseleiter sein mag – gegenüber Menschen, die von ihren eigenen Projekten mit Herzblut und Begeisterung erzählen, ist das kein Vergleich.
Angefangen hatte der Tag mit Besichtigungen in der Hauptstadt San José. Auch heute durfte ich im Übrigen mein Geduldspotential trainieren. Ob Toilette, Postkarten kaufen, Briefmarken kaufen oder was auch immer: Es dauert! Blöd war nur, dass ich immer noch kein Geld tauschen konnte und mehrfach an wechselnden Kleinigkeiten gescheitert bin. Zuletzt gab es zwar eine Bank, die geöffnet hatte und nur 20 Minuten Wartezeit beansprucht hat, aber dann auf die Vorlage eines Passes bestanden hat – den ich leider gerade nicht zur Hand hatte. Macht aber fast nix, denn die Gruppe ist nicht nur mit lustigen Kommentaren, sondern auch mit praktischer Unterstützung zur Hand.
Wetter ist nach wie vor sehr angenehm, so 25 bis 30 Grad. Ab morgen geht es noch mehr Richtung Natur, Meer und Hitze: 36 Grad werden es jetzt wohl mindestens werden.
Wir müssen recht früh los, um eine Inselfähre zu kriegen. Buenas noches!

30.12.2015
Schon um 4:30 Uhr gibt es Tee/Kaffee und wir greifen unsere Lunchpakete und steigen in den Bus. Die Fähre von Puntarenas zur Insel Chira geht schon vor 8:00 Uhr und wer weiß, wie die Straßen sind und wie wir durchkommen. Wir kommen aber pünktlich an und können noch ein wenig die Atmosphäre an der Anlegestelle genießen:
Fischerboote mit vielen Reihern, Fregattvögeln und Pelikanen. Und etliche Inselbewohner, die schwer bepackt mit Einkäufen auf die Insel zurück wollen. Und das alles im malerischen Morgenlicht.
Wir besteigen mit meist reduziertem Übernachtungsgepäck unsere eigene kleine Fähre (laut und dieselig) und setzen in einer knappen halben Stunde auf die Insel über. Dort wartet schon der öffentliche Inselnahverkehr: Ein alter amerikanischer Schulbus (ähnlich laut und dieselig und mit kräftiger Gebrauchtanmutung), in den wir uns zusammen mit den Locals irgendwie reinfalten und der uns über die Insel bis zur Bedarfshaltestelle „Las damas de Chira“ schaukelt. Da schlagen wir dann schon kurz vor 9:00 Uhr auf, kriegen erst mal einen Kaffee und warten auf der Veranda, bis:
1.: die Zimmer fertig sind und wir unser Gepäck reinstellen können;
2.: die Infophase zum Projekt startet;
3.: das Mittagessen serviert wird;
4.: die allergrößte Hitze etwas nachlässt,
5.: die Gezeiten passen und die Insel- und Mangrovenwanderung beginnt.
Wir nehmen alles mit ortsüblicher Gelassenheit und genießen es sogar, denn es ist ja nicht nur Urlaub, sondern auch recht heiß und irgendwie sinnvoll. Die Zimmer sind großenteils in netten Holzbungalows. Alle einfach eingerichtet mit drei oder vier Betten. Mein Gemach ist eher Modell Jugendherberge: vier Stockbetten, ein fest an der Wand installierter und ein mobiler Ventilator, große Halle mit Betonboden, zwei Waschräume mit jeweils Dusche, Waschbecken, Toilette (wobei die Waschbecken erst gegen Ende des Tages nach massiver Handwerkerinstallation Wasser führen).
Jedenfalls sind wir in einem sehr interessanten und guten Projekt von echten Powerfrauen und auf einer landschaftlich schönen Insel gelandet. Seit mehr als 10 Jahren setzen sich die Frauen hier mit viel Kraft, Geduld, Humor und Widerstandskraft für ihre eigenen Interessen, den Nutzen der gesamten Inselbevölkerung und den Naturschutz ein – und müssen sich dabei leider auch in erster Linie erst mal gegen die Männer durchsetzen. Jedenfalls beeindrucken sie uns nicht zuletzt mit ihrem Humor und ihren lebendigen Erzählungen. Und schon auch mit dem leckeren Essen.
Der Mangrovenspaziergang – zunächst über Straßen, dann an der Mangrovenküste entlang ist heiß und nicht unanstrengend und sehr schön und interessant.

31.12.2015
Zum Einstieg mal wieder eine neue Transportvariante: An der Straße wartet ein Pick-up-Truck auf uns. Zunächst verlädt der Fahrer das Gepäck auf die Ladefläche, dann verfrachten wir uns ebenfalls dazu und klettern über Reifen und Laderampe und setzen uns auf eine Kante bzw. Radkasten oder auf den Boden oder auf das Gepäck oder stehen vorne am Fahrerhaus und halten uns da fest. Wir sind ja eine eher abenteuerlustige Gruppe, genießen das Ganze, sehen es als Variante zum Fotoshooting und reichen die Kameras nach hinten…
In der Anlegebucht angekommen steigen wir in ein Boot und halten Ausschau nach allerlei Vögeln, Krokodilen, sonstigen Lebensformen (Krabben) und natürlich Fotomotiven aller Art. Mit Erfolg – wenn es auch nur ein sehr kleines Krokodil ist, das sich den Fotoversuchen einigermaßen erfolgreich entzieht.
Egal, die Morgenstimmung ist schön, die Buchten und der Küstenverlauf sind abwechslungsreich und Bötchenfahren ist immer schön! Am Ufer wartet dann schon Alfonso mit unserem Bus auf uns und unser Übernachtungsgepäck und bringt uns zunächst zum Zwischenstop bei einer Kaffeeverarbeitungskooperative. Dort hören, sehen (und fotografieren) wir alles über Kaffee und seine Verarbeitung – und probieren natürlich zunächst mal Kaffee in zwei Röstungsvarianten. Später folgt dann noch eine „Blindverkostung“, bei der wir anhand von Kaffeemehl optisch, olfaktorisch und natürlich gustatorisch Bio- von Normalokaffee unterscheiden sollen (den Test haben praktisch alle einwandfrei bestanden: Organico ist viel besser und aromatischer!). Nach der Kaffeefahrt geht es dann aber erst weiter zum Monte Alto. Dort haben sich einzelne Engagierte, aber auch ganze Dörfer und Gemeinschaften zusammengetan, um ein Stück Regenwald, das vorher komplett abgeholzt worden war, wieder aufzuforsten.
Nach nur ca. 15 Jahren steht da nicht nur ein toller, gesunder, artenreicher Urwald, sondern auch die Wasserversorgung und die sonstige Artenvielfalt wieder da wie ’ne Eins! Wir bekommen erst ein leckeres Mittagessen (mal wieder Buffet!) und dann eine Führung durch den Orchideenlehrpfad. Im Prinzip nicht schlecht, das Ganze entpuppt sich aber leider wegen saisonalen Fehltimings mehr als Orchideenleerpfad, jedenfalls was die Blüten betrifft. Bissle schad is scho, aber so ein Regenwald/Urwaldspaziergang ist ja nie verkehrt.
Zum Abschluss kommt natürlich noch ein kleiner Vortrag – nicht uninteressant und mit Powerpoint untermalt, aber wir kämpfen doch etwas gegen die Müdigkeit, wo wir gerade mal so bequem sitzen…
Also wieder ab in den Bus, bisschen vorschlafen – ist ja Silvester – zur Weiterfahrt mit Supermarktstop bis zum Hotel. Happy new year!

01.01.2016
Der nächste Morgen beginnt geruhsam mit etwas späterem Frühstück. Dann ziehen wir um zum Hotel in Strandnähe nach Samara. Außer einem kleinen Mittagssnack (Salat mit Krabben und Palmitos = Palmherzen, lecker!) kann man irgendwie nicht viel anfangen, ist auch reichlich heiß. Am Abend wollen wir los, um an dem Strand zu sein, der zu den weltweiten Hotspots für die „Grüne Bastard-Meeresschildkröte“ gehört. Ca. ein Drittel der Gesamtpopulation ist hier geschlüpft und kommt zur Eiablage wieder hierher zurück. Ist eine Fahrt von gut zwei Stunden und wir kommen ziemlich passend zum Sonnenuntergang am Strand an. Die „Arribada-Phänomen“ beginnt: Kurz vor dem Sonnenuntergang kommen erst einzelne und dann die Nacht hindurch insgesamt zigtausende Tiere zur Eiablage an genau den Strandabschnitt, an dem sie selbst das Licht der Welt erblickt haben. Als wir ankommen, gibt es noch etwas Tageslicht und neben den vielleicht 40 menschlichen Besuchern und Guides nur wenige anlandende Tiere. Aber schon eine Stunde später (zappenduster, leichter Lichtglanz auf dem Meer und ziemlich viele Sterne bei leichter Brise und angenehmen Temperaturen) ist wirklich der ganze Strandabschnitt auf vielleicht 300 Metern fast flächendeckend mit rauf- oder runterkrabbelnden, Löcher schaufelnden oder wieder abdeckenden, andere Nester wieder ausgrabenden oder ihre eigenen jeweils 70-100 Eier ablegenden grünen Bastardschildkröten bedeckt. Wir geben trotz aller Verzückung unser Bestes, um nicht auf die Tiere draufzutreten. Wie in einer anderen Welt.
Was für ein Einstieg ins neue Jahr! Bin ganz erfüllt von Dankbarkeit.
Kleiner Aphorismus am Rande: Da kann man glatt neidisch werden, sogar auf sich selbst.

02.01.2016
Heute wieder Koffer packen und Hotelwechsel. Bevor es Richtung Regenwald und Vulkan (Arenal) geht, muss ich aber unbedingt noch in den Pazifik. Der ist auch vor dem Frühstück und nach einem kleinen Spaziergang am Kokospalmentraumstrand badewannenwarm – herrlich! Pelikanfrühstücksjagd kann ich auch beobachten. Nach unserem – servierten – nicht erbeuteten – üblichen „tropischen Frühstück“ mit Rührei, Speck, Toast und Früchten nimmt der Bus uns mit gesammeltem Haupt- und Nebengepäck auf und bringt uns Richtung Regenwaldpfad und Vulkan Arenal. Der „Baumwipfelpfad“ über diverse Hängebrücken (fest und stabil gebaute Metallkonstruktionen) bringt zwar kaum Tierbeobachtungen und Ausblicke auf den wolkenverhangenen Vulkan, ist aber trotzdem beeindruckend.

Costa Rica Reisen auf einen Blick