Campingurlaub in Frankreich

31.08.2020 Schwarzwald – Murtensee/Schweiz – 275 Km
Frankreich ist irgendwie viel größer als es auf der Karte aussieht. Gerade mal 275 Km haben wir heute geschafft und sind noch nicht mal in Frankreich angekommen. Mit einem VW-Camper T4 Baujahr 1996 mit Reimo-Ausstattung sind wir unterwegs. Das Cockpit sieht aus wie in einem alten Golf. Es gibt gar kein Navi, was uns erst mal vor eine ungewohnte Herausforderung stellt. Doch nicht nur die alte Dame sondern auch wir kommen aus einem analogen Zeitalter und sind daher schnell in der Lage, uns mit einer (uralten) Straßenkarte und Straßenschildern zurechtzufinden. Zugegeben, ein paar elektronische Hilfsmittel wie GPS und Tablet unterstützen uns dabei. Die Routenplanung nimmt aber trotzdem erst mal deutlich mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Dazu kommt, dass wir aufgrund einer spontanen Corona-Warnung für unser geplantes Zielgebiet Provence umdisponieren müssen und für die Planung einer neuen Route noch keine Zeit hatten. Wir gehen es gemütlich an und wollen vor allem vom Land etwas sehen. Deswegen versuchen wir, Autobahnen zu meiden und übers Land zu fahren. Die alte Dame ist keine Rakete und so tuckeln wir gemütlich über Pässe, Landstraßen und kleine Dörfer in denen niemand zu leben scheint.
Wir schaffen es am ersten Tag bis kurz vor Neuchatel in der Schweiz zum Murtensee, wo wir auf einem offiziellen Parkplatz in der Nähe des Sees kostenlos über Nacht stehen bleiben können.
Erst mal ein kurzer Spaziergang um nach der langen Fahrt die Füße zu durchbluten und die Knochen zu sortieren – und schon entdecken wir einen kleinen Kiosk am Strand, wo uns ein erstes Ankommensbierchen winkt. Nichts ist los hier. Nur ein paar Gäste. Corona oder Saisonende? Wir wissen es nicht.
Wir müssen erst mal unser neues Zuhause einrichten: Betten, Fresskiste, Klamotten, Bücherkiste, 2 Tüten Kabelgedöns – was man halt so braucht – muss komprimiert und auf kleinstem Raum verteilt werden. Irgendwann ist auch die letzte Ritze vollgestopft und wir können zu Abendessen und Rotwein übergehen.

Campingurlaub in Frankreich

01.09.2020 Murtensee/Schweiz – Saint-Étienne-de-Crossey (Camping municipal) – 285 Km
Die Schweiz lassen wir bald hinter uns und passieren bei Genf die Grenze zu Vive la France. Ab jetzt soll es Croissants zum Frühstück geben. Der entzückende Ort Chanaz liegt genau passend für unsere Mittagspause, die ganz nach französischer Art sehr umfangreich ausfällt. In einem hübschen Restaurant direkt über dem Flüsschen bzw. Canal de Savieres begeben wir uns in das Abenteuer der französischen Cuisine und werden nicht enttäuscht. Allein schon wegen des Essens hat es sich gelohnt hier zu stoppen. Die Parkdauer von 2 Stunden investieren wir fast komplett in das 3-Gang-Menü, der Ort selbst ist in 10 Minuten fotografiert.
Wir fahren entlang der Rhone durch wunderschöne Landschaft mit Blick auf die steil abfallenden Gebirgsausläufer der Alpen bis Saint-Etienne-de-Crossey. Dort finden wir auf Anhieb einen kleinen Campingplatz für 11 Euro.

Mittagspause in Chanaz

02.09.2020 Saint-Étienne-de-Crossey – Bedoin (Camping municipal la Pinede) – 235 Km
Für die 235 Km haben wir heute den ganzen Tag gebraucht. Das wäre auch schneller gegangen aber niemals schöner! Ganz bewußt entscheiden wir uns für die Strecke zwischen den Autobahnen und Schnellstraßen Richtung Süden und geraten dabei von einem spektakulären Pass zum nächsten. Auf abenteuerlichen Panoramarouten schlängeln wir uns durch tiefe Schluchten und über hohe Pässe. Besonders beeindruckt sind wir von der Gorge de la Bourne. Wir durchqueren Hochtäler und winzige Dörfer aus Stein. Die Landschaft wird immer mediterraner je südlicher wir kommen. Die ersten (verblühten) Lavendelfelder tauchen auf und werden später abgelöst von Weinstöcken.
Was uns daran erinnert, noch eine Flasche Wein fürs Abendessen zu besorgen. Wer als gebürtiger Bayer schon mal versucht hat, in Frankreich Wein zu kaufen, wird bestätigen, dass man damit schnell überfordert sein kann. Das Bierregal beschränkt sich auf 3 Bretter, während die Weinauswahl den halben Supermarkt einnimmt. Am Ende stellen wir jedoch fest, dass man mit französischem Wein gar nichts falsch machen kann, egal für welchen man sich entscheidet.
Unser Tagesziel ist Bedoin am Fuß des Mt. Ventoux. Also noch einen letzten schmalen Pass hochzwirbeln und schon finden wir unter duftenden Pinien ein schattiges Plätzchen auf dem örtlichen Campingplatz (13,50 €). Was für ein schöner Tag!

Gorge de la Bourne

03.09.2020 Bedoin – Pont du Gard (Camping la Sousta) – 142 Km
Schön ist er ja nicht gerade, der glatzköpfige Mt. Ventoux. Aber hoch. Und das verspricht eine grandiose Aussicht, denn mit seinen 1.909 m überragt er die gesamte umgebende Hügelkette. Klar, man kann mit dem Auto bis auf den Gipfel fahren. Mit dem Rad ebenfalls, wie uns Myriaden von Radfahrern beweisen. Wir bevorzugen aber unsere Wanderschuhe und legen die letzten 600 Hm zu Fuß zurück. Am Gipfel sieht es so aus, als ob der Berg noch nicht fertig wäre. Baumaschinen schieben noch die letzten Schotterhaufen zusammen. Vielleicht soll er noch die 2000 M erreichen? Sonst gibt es auf dem Gipfel nicht viel – außer natürlich einer spektakulären Aussicht über ganz Frankreich. Naja, fast ganz Frankreich. Das Meer und den Eifelturm können wir noch nicht sehen, aber weit entfernt die eisbedeckten Gipfel der Alpen. Dafür hat sich der Aufstieg gelohnt!

Gorge de la Nesque mit Mt. Ventoux im Hintergrund

Als nächster Höhepunkt steht die Gorge de la Nesque auf dem Programm. Dazu durchqueren wir die Lavendelmetropole Sault. Kaum zu glauben, dass auf diesen vertrockneten, steinigen Boden die duftenden Blüten gedeihen. Weite Lavendelfelder säumen unseren Weg. Die Blüten sind bereits abgeerntet und vermutlich in Öle, Seifen und Duftbeutelchen verwandelt worden.
Dann tauchen wir ab in eine zerklüftete Bergwelt. Das Rinnsal der Nesque hat einen tiefen Canyon in den Berg gegraben. Die Autostraße führt am steilen Hang entlang und immer wieder durch kleine Felstore. Es ist so wenig Verkehr, dass man den engen Pass ganz entspannt fahren kann.

Kurvige Passstraßen

Als Tagesziel haben wir ein ganz besonderes Bauwerk ausgewählt. Den Pont du Gard. Der Campingplatz la Sousta (22,00 €) liegt in Fußreichweite und natürlich lassen wir uns den Sonnenuntergang mit Blick auf das mächtige Aquädukt und einem Glas Rotwein nicht entgehen.

Römisches Aquädukt, Pont du Gard

04.09.2020 Pont du Gard (Camping la Sousta)
Kann ein Tag schöner sein? Wohl kaum! Er beginnt für uns mit einer Wanderung flußaufwärts bis Collias. Als die Sonne am höchsten steht, treffen wir auf einen Bootsverleih und mieten ein Kanu für die Rückfahrt zum Campingplatz. Natürlich starten wir nicht, bevor wir ein erfrischendes Bad in dem glasklaren Wasser des Gardes genommen haben. Ab hier geht es dann gemächlich flußabwärts. Hin und wieder bewältigen wir kleine Stromschnellen oder genehmigen uns ein Bad im Fluß. Schließlich taucht hinter einer Biegung der fantastische Pont du Gard auf. Es ist uns eine Ehre unter diesem hochbetagtem Bauwerk durchzufahren. Kurz darauf erreichen wir die Landestelle und gleich gegenüber unseren Campingplatz. Natürlich lassen wir uns auch an diesem Abend den Sonnenuntergang am golden angestrahlten Äquadukt nicht entgehen. Wir stoßen an, auf die Römer, denen wir dieses anmutige Bauwerk verdanken.

Pont du Gard im Sonnenuntergang

05.09.2020 Pont du Gard – Saint-Martin-d’Ardèche (Camping Huttopia le Moulin Ardeche) – 97 Km
Unser nächstes Ziel soll die Ardeche sein. Natürlich nehmen wir nicht den bequemsten Weg sondern den schönsten Weg dorthin. Der führt vorbei an der Gorge de la Céze zur Aven d’Orgnac. Es handelt sich um eine der schönsten und größten Tropfsteinhöhlen Frankreichs. Und sie ist sehr, sehr, sehr beeindruckend! Über 700 Treppen werden wir durch die Unterwelt mit riesigen Sälen und mächtigen Tropfsteinformationen geführt. Manche Stalagmiten wachsen als dünne Nadeln meterhoch aus dem Boden, andere sehen wie Tellerstapel, Orgelpfeifen oder Tannenzapfen aus. Am Schluß gibt es noch eine Ton und Lichtshow. Auch wenn es die Führung nur auf französisch gibt lohnt sich ein Besuch unbedingt.
Unser heutiger Campingplatz befindet sich in Saint-Martin-d’Ardeche und belohnt uns noch mit einem Bad im Fluß.
Der kleine Ort am Fluß Ardeche ruft uns am Abend zu einem Bummel und einem feinen Abendessen. Doch alle Restaurants sind am heutigen Samstag ausgebucht. Am Schluss finden wir im La Guinguette du Moulin nahe des Campingplatzes noch zwei freie Stühle. Doch zum ersten mal sind wir sehr enttäuscht. An diesem Abend hätten wir besser in unserer kleinen Campingküche selbst gekocht.

Ardeche Schlucht

06.09.2020 Saint-Martin-d’Ardèche – Balazuc (Camping les acacias) – 73 Km
Für den heutigen Tag haben wir uns nichts anderes vorgenommen, als durch die berühmte Ardeche-Schlucht zu fahren. Entlang des Canyons kommen dutzende Aussichtspunkte und wir lassen natürlich keinen davon aus. In der Tat sind die Ausblicke grandios. Der gleichnamige Fluß hat sich tief in das Tal geschnitten und schlängelt sich durch steile Klippen und grüne Hänge. Gesprenkelt von winzigen roten und gelben Punkten, die sich als Kanus entpuppen. Die Straße ist gut ausgebaut und trotz dem Bekanntheitsgrad relativ wenig befahren. So rollen wir entspannt über die vielen Kurven und durch kleine Tunnels bis zum letzten Höhepunkt der Route, dem Vallon-Pont-d’Arc – einem natürlichen Steinbogen, der sich mächtig über den Fluß spannt.

Vallon-Pont-d’Arc

Doch noch sind nicht alle Höhepunkte des Tages erreicht. Am Nachmittag liegt nämlich der Besuch der Chauvet Grotte 2 auf dem Weg. Diesmal haben wir das Glück, an einer deutschsprachigen Führung teilnehmen zu können und sind schwer beeindruckt. Denn so erfahren wir viel von den Hintergründen über die bedeutenden 35.000 Jahre alten Höhlenzeichnungen. Dass die Besichtigung derart interessant ist hätten wir niemals erwartet. Wir sind richtig geflasht als wir nach einer Stunde wieder ans Sonnenlicht kommen.
Als Übernachtungsort haben wir uns den kleinen Ort Balazuc ausgesucht. Doch hier herrscht unerwartet viel Verkehr, der sich durch den engen, kurvigen Ort quält, dass es uns Angst um unser treues Gefährt wird. Wir nehmen reisaus und finden in einigen Km Entfernung einen kleinen Camping de la ferme unter schattigen Akazien. Das Schöne an den Campingplätzen auf Farmen ist, dass man oft frische Lebensmittel im Hofladen kaufen kann. Wir bestellen gleich mal Croissants fürs Frühstück und nehmen noch ein paar Tomaten, Käse und Brot fürs Abendessen und natürlich eine Flasche guten Rotwein mit.

Camping de la ferme

07.09.2020 Balazuc – Ispagnac (Camping le petit monde) – 130 Km
Auch heute ist der Weg das Ziel. Und der führt uns durch sehr abwechslungsreiche Landschaft über 1000 M hohe Pässe, ungezählte Kurven und Serpentinen. Wer hätte geahnt, dass Frankreich derart bergig und einsam ist. Winzige Dörfer aus Stein säumen den Weg. Die Dörfer wirken verlassen. Nur selten sehen wir Menschen. Mittags decken wir uns in Villefort, einem winzigen Bergdorf, bei Tante Emma mit Lebensmitteln ein und gönnen uns einen Cafe Latte bevor wir wieder eintauchen in die Berge, wo uns stundenlang kein weiteres Fahrzeug begegnet. Deswegen macht das Befahren der engen Bergstraßen auch richtig Spaß. Ein schmaler Felsspalt wird von einer mächtigen Ruine bewacht, der wir einen kurzen Besuch abstatten. Das Tagesziel ist die Gorge du Tarn. In der Nähe von Ispagnac finden wir einen kleinen alternativen Campingplatz (la petit monde – die kleine Welt) direkt am Flüsschen Tarn.

Ruine am Wegesrand

08.09.2020 Ispagnac – Le Rozier (Camping les Peupliers) – 54 Km
Die Tarn-Schlucht steht der Ardeche-Schlucht in nichts nach. Auch hier erwarten uns viele Kurven und tolle Aussichtspunkte. In Sainte-Énimie schlendern wir durch die Altstadt und gönnen uns einen Kaffee. Die Fahrstrecke gestalten wir heute ein bisschen kürzer, denn wir haben einen Tipp für eine interessante Wanderung erhalten. Am Ende der Tarn-Schlucht, im Ort Le Rozier, wo der Tarn und die Jonte zusammenfließen, quartieren wir uns ein. Dann schnüren wir die Wanderstiefel und marschieren los auf den Rocher de Francbouteille und weiter auf dem Balcon du vertige (Balkon des Schwindels), der seinem Namen alle Ehre macht. Dort warten sie auch schon auf uns: Myriaden von Gänsegeiern, die sich ohne auch nur einen einzigen Flügelschlag stundenlang von der Thermik herumtragen lassen. Bis zu 50 der stattlichen Tiere können wir zählen.

Geier in der Jonteschlucht

09.09.2020 Le Rozier – Figeac (Monument du Cingle) – 232 Km
Was ist das für ein Geräusch? Hören wir etwa Regentropfen auf dem Dach? Es ist das erste mal auf dieser Reise und es wird – wie sich später herausstellt – auch das letzte mal sein. Prima, denn an sommerliche Temperaturen und warme Nächte haben wir uns gerne gewöhnt. Das Timing passt, denn heute ist ohnehin ein Fahrtag eingeplant. Wir ziehen um ins Perigord.
Der erste Stopp liegt nicht weit entfernt an der Autobahnbrücke von Millau. Was nicht sehr aufregend klingt entpuppt sich als längste Schrägseilbrücke der Welt und höchstes Bauwerk Frankreichs. Mit 343 m Höhe überragt es sogar den Eiffelturm. Wer hätte das gedacht, dass sich mitten auf der grünen Wiese über dem kleinen Flüsschen Tarn ein derart schönes und trotz seiner gewaltigen Ausmaße filigran wirkendes Bauwerk befindet?

Autobahnbrücke von Millau

Den zweiten Stopp legen wir in Cordes-sur-Ciel ein. Wir schlendern fast alleine durch die schöne mittelalterliche Stadt, die offensichtlich auf mehr Tourismus eingestellt ist. Auch hier ist nur wenig los. Corona oder Saisonende? Wir wissen es nicht.
Weiter geht die Fahrt durch ländliche Regionen bis wir gegen Abend den Ort Figeac erreichen. Auf einem Berg oberhalb der Stadt finden wir ein ruhiges Plätzchen für die Nacht mit Blick auf die beleuchtete Stadt.

Mittelalterliche Stadt Cordes-sur-Ciel

10.09.2020 Figeac – Cenac (Municipal de Cenac) – 110 Km
Immer noch schlängeln wir uns auf schmalen Sträßchen durch das Land. Langsam dämmert uns, dass es vermutlich in ganz Frankreich keine anderen Straßen gibt. Nur die großen Städte sind mit Schnellstraßen und Autobahnen verbunden – und die versuchen wir zu vermeiden.
Die Landschaft hat sich merklich verändert. Zerklüftete Gebirge und wilde Flüsse in der Ardeche und den Cevennen haben sich in der Dordogne in weiche Hügel und sanfte Flüsse verwandelt. Aus mediterranen Lavendelfeldern und Weinbergen sind Schaf- und Kuhweiden geworden, durchzogen von Hecken und Hainen. Auf jedem Hügel thront eine Festung oder befindet sich ein Dorf. Einem davon, dem Wallfahrtsort Rocamadur, statten wir einen Besuch ab. Kirche und Schloss kleben in mehreren Etagen am Felsen. Viele Pilger und Besucher sind hier unterwegs. Bei uns fällt der Ort eher unter die Kategorie „ganz nett“ und wir machen uns auf zu unserem Tagesziel. Am Fuß des Dorfes Domme in Cenac finden wir einen perfekten Campingplatz direkt am Fluß Dordogne. Erst mal ein erfrischendes Bad und dann ein Spaziergang hinauf in das mittelalterliche Städchen mit herrlichem Blick über den Fluß und das Umland. Natürlich mit der Beleuchtung der untergehenden Sonne.

Wallfahrtsort Rocamadur

11.09.2020 Cenac (Municipal de Cenac)
Es wird Zeit für einen autofreien Ruhetag. Der herrliche Fluß Dordogne zieht uns in seinen Bann und will unbedingt mit einem Kanu befahren zu werden. Die Strömung ist gut, der Fluß trägt uns zwischen steilen Felswänden und den beeindruckenden Burganlagen von La Roque-Gageac und Castelnaud-la-Chapelle bis Beynac-et-Cazenac. Mächtig bewachen die alten Festungen den Fluß und strahlen in der Sonne. Aus dieser Perspektive und mit der Ruhe des Flusses ist das ein wunderschönes Erlebnis. Am Ende der Kanustrecke klettern wir den steilen Weg hinauf in das Dorf Beynac-et-Cazenac. Es ist eines der schönsten mittelalterlichen Dörfer. Sehr gepflegt, sehr gut erhalten, sehr sehenswert.

Castelnaud-la-Chapelle

12.09.2020 Cenac – Lespinasse (Camping de la Ferme Fournet) – 59 Km
Fehlt nur noch das mittelalterliche Castelnaud-la-Chapelle auf unserer Besichtigungsliste. Das mächtige Castell konnten wir gestern schon vom Fluss aus bewundern, nun wollen wir es zu Fuß erkunden. Nicht weit davon entfernt bietet sich das Schloss der berühmten Josefine Baker für einen Fotostopp an, bevor wir uns den Besuch der Stadt Sarlat-la-Canéda vornehmen. Heute ist Markttag. Schon die Suche nach einem Parkplatz in der verwinkelten, engen Altstadt ist ein kleines Abenteuer. Irgendwann finden wir eine winzige Lücke und begeben uns in das Marktgetümmel. Die Auslagen der feinen französischen Leckereien wären bestimmt ein Gaumen- und Augenschmaus, wäre da nicht Corona. Wir fühlen uns in der Menschenmenge nicht so recht wohl und beschränken uns auf die versteckteren Gassen und Kirchen im Hintergrund. Dennoch ist Sarlat-la-Canéda ein Bilderbuch-Städtchen mit vielen schönen Fotomotiven.
Ein weiterer Stopp ist Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil (wer läßt sich nur diese Namen einfallen?), aber mit den prächtigen Städten an der Dordogne kann dieses Dorf nicht mithalten. Deshalb ziehen wir weiter und suchen uns einen Campingplatz auf einer Farm bei Lespinasse. Abends unternehmen wir einen Spaziergang zum historischen Dorf La Madeleine, welches in die Felsen gebaut und lange Zeit bewohnt wurde.

Farmland bei Lespinasse

13.09.2020 Lespinasse – Jardins du Manoir d’Eyrignac (Parkplatz) – 45 Km
Das Maison forte de Reignac lassen wir rechts liegen und besuchen statt dessen die historischen Höhlenwohnungen von La Roque St. Christophe. So früh am Morgen können wir dem sonntäglichen Besucheransturm entgehen. Das Museum ist sehr anschaulich beschrieben und versetzt uns 20.000 Jahre zurück, als die Menschen auf einem Felsvorsprung in diesen Höhlen gelebt haben. Alte Werkzeuge und raffinierte Maschinen veranschaulichen wie die Wasserversorgung, die Verteidigung und die alltäglichen Aufgaben bewältigt wurden.

Höhlenwohnungen bei La Roque St. Christophe

Die Mittagspause verbringen wir in dem mittelalterlichen Ort Saint-Léon-sur-Vézère um dort eine Kleinigkeit zu essen. Aber mit dem Essen ist das in Frankreich so eine Sache. Wartezeiten von über einer Stunde sind sogar in einem kleinen Imbiss ganz normal. Vorher braucht man gar nicht nachzufragen. Die Franzosen verbringen sehr viel Lebenszeit beim Warten auf das Essen. Wir sitzen im Schatten eines Baumes am Fluß, mit Blick auf die wunderschöne Kirche und tun es ihnen gleich.

Kirche in Saint-Léon-sur-Vézère

Das Essen selbst ist sprichwörtlich lecker. Zumal wir mangels Sprachkenntnissen nie so recht wissen, was wir eigentlich bestellt haben. Mit etwas Glück sind es keine Froschschenkel und Schnecken. Mit dem Begriff vegetarisch ist ein Franzose allerdings ziemlich überfordert. Ratlos blicken sie über das Essensangebot und können selbst eindeutig vegetarische Gerichte nicht zuordnen. Der Versuch, Menüs einfach ohne Fleisch zu bestellen, scheitert daran, dass dann auf dem Teller je eine angeschmorte Zwiebelhälfte und eine Tomatenscheibe serviert werden – die Beilage zum Fleisch eben. Der Preis für die Gerichte fällt dagegen recht umfangreich aus. Am besten nimmt man eines der 2-3-Gänge-Menüs zum Preis eines Hauptgerichts mit 2-3 Euro Aufpreis. Davon wird man wenigstens satt.
Wir investieren also 2 Stunden in das Mittagessen und 10 Minuten in die Stadtbesichtigung bevor wir uns auf den Weg zu den Gärten von Manoir d’Eyrignac machen. Wenigstens in einem der klassisch strukturierten französischen Gärten möchten wir den Vergleich mit den englischen Gärten ziehen. Und tatsächlich, dieser Garten ist einer der schönsten Frankreichs. Frau und Herr König flanieren im goldenen Abendlicht durch die formvollendet geschnittenen Buchsfiguren.
Und weil das so schön ist, übernachten wir gleich auf dem Parkplatz vor dem Garten.

Gärten von Manoir d’Eyrignac

14.09.2020 Jardins du Manoir d’Eyrignac – Salers (Camping a la ferme) – 181 Km
Und wieder bestätigt sich, dass ganz Frankreich aus schmalen, kurvigen Straßen zu bestehen scheint. Nahezu ohne Gegenverkehr, so dass das Fahren sehr stressfrei ist. Anfangs dachten wir noch wir hätte besonders schöne, unbekannte Passstraßen gefunden. Heute wissen wir, die Straßen sind alle so. Es sei denn, man bevorzugt die Autobahn. Aber dann würde man die unglaublich schöne Landschaft und die vielen kleinen Ortschaften verpassen. Das wäre wirklich sehr schade, denn wir möchten ja das authentische Frankreich kennenlernen. Also cruisen wir über Kurven und durch Eichenwälder vorbei an Viehweiden mit mächtigen roten Rindern und durch zauberhafte Dörfer.

Berühmte Salers-Rinder

Nichts ist auf dem Land mit Neubausiedlungen oder Gewerbegebieten verbaut. Die Häuser bestehen aus massivem Stein mit vielen Türmchen und Erkerchen. Sie passen sich wunderbar der Landschaft an. Jedes Dorf hat noch eine prächtige Kirche zu bieten.
Nachdem wir Aurillac passiert haben tauchen in der Ferne die ersten Hügel der Chain des Puys auf. Das Landschaftsbild verändert sich und wird alpiner. Die Straße wird noch enger und noch kurviger bis hinauf auf den auf den Puy Mary (1783 m). Dort erwartet uns eine wahnsinnig tolle Aussicht und viele Touristen. Parkplätze sind rar. Wir finden eine Lücke, doch unser Nachbar ist nicht damit einverstanden, dass er seine Fahrertüre nicht mehr öffnen kann. Ce n’est pas un problem monsieur, wir finden eine andere Lücke. Von dort besteigen wir den Gipfel des Puy Mary auf einer 2 m breiten, sehr steilen Betontreppe. Die Aussicht einmal rundherum bis zum Horizont ist herrlich.
Eine weitere enge Straße führt uns zwischen zwei Tälern auf einem Bergkamm entlang in das filmreife Dorf Salers. Dort finden wir einen großzügig angelegten Campingplatz auf einer Farm und erkunden beim Abendspaziergang die schöne historische Altstadt.

Historische Altstadt von Salers

15.09.2020 Salers – Nebouzat (Camping les Domes) – 151 Km
Da hat wohl jemand eine handvoll Dörfer genommen und wahllos zwischen die Berge gestreut. Das alles mit ein paar kurvigen Straßen verbunden und schon ist Frankreich fertig. Unsere alte Lady kann nicht so schnell und tuckelt uns gemütlich hinauf auf den nächsten Vulkan, den Puy de Sancy (1885 m). Die letzte Etappe über Schafweiden ist für uns zu Fuß einfach zu bewältigen. Der Rundumblick auf dem Gipfel ist wieder einmal überwältigend. Am liebsten würden wir gleich weiterwandern auf dem Höhenweg der sich dem Gipfel anschließt und von einem Gipfel zum nächsten führt. Auch das Tagesziel, der Puy de Dome ist bereits in der Ferne zu sehen.

Aussicht auf dem Puy de Sancy

Auf dem Weg dorthin läuft uns zufällig noch die beeindruckende Basilique Notre-Dame-des-Fers d’Orcival vor die Kamera. Sie wird in keinem Reiseführer erwähnt und erscheint auf keiner Karte und ist dennoch unbedingt sehenswert.

Basilique Notre-Dame-des-Fers d’Orcival

Die Campingplätze werden hier schon ein wenig seltener. Der einzige den wir finden, befindet sich in Nebouzat. Er ist eigentlich ganz ordentlich, befindet sich aber nahe einer stark befahrenen Straße, so dass wir die ganze Nacht mit LKW-Verkehr beschallt werden.

16.09.2020 Nebouzat – Palinges (Camping du Lac) – 175 Km
Heute wollen wir nochmal die Wanderschuhe schnüren und einen der Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes, den Puy de Dome (1464 m) besteigen. Natürlich nicht auf dem direkten Weg sondern durch einen mystischen Haselnusswald, über den Ringwallkrater Nid de la Poule (1178 m) von hinten auf den Aussichtsberg.

Vulkanlandschaft Chaine des Puys

Ein hervorragend ausgebauter Wanderweg führt über Erikawiesen und durch Schafweiden steil hinauf auf den Gipfel. Von hier können wir schon fast die Heimat sehen. Naja, fast eben. Vor allem aber ragen die Vulkankegel der Chain des Puys aus dem flachen Umland auf. Beim Abstieg zieht ein Gewitter hinter dem Gipfel auf und taucht ihn in ein bedrohliches Grau. Wir kommen aber noch trocken zum Ausgangspunkt und begeben uns nun auf die Rückreise nach Deutschland. Je weiter wir fahren, desto rarer werden die Zeltplätze. Die letzte Nacht in Frankreich verbringen wir bei Palinges am See.

Wanderung auf den Puy de Dome

17.09.2020 Palinges – Falkensteig bei Freiburg/Deutschland – 381 Km
Frankreich hat uns mit seiner abwechslungsreichen und vielfältigen Landschaft überrascht. Die rauhe Berglandschaft mit seinen tiefen Schluchten Nesque, Ardeche, Tarn und Jordes gehörten zu den Höhepunkten der ersten Woche. Besonders beeindruckten uns die Tropfsteinhöhle Aven d’Orgnac und die historischen Felsmalereien der Chauvet Grotte 2 sowie die historischen Wohnhöhlen von La Roque St. Christophe und natürlich seine Majestät, der erhabene Pont du Gard.
Die zweite Woche war geprägt von den historischen Städten, Burgen und Kathedralen entlang der Dordogne. Eine schöner als die andere. Auf die wunderschön erhaltenen und kulturhistorisch so wichtigen mittelalterlichen Städte wie Rocamadur, Sarlat und Sarles aber auch auf die vielen kleinen „schönsten Dörfer Frankreichs“ können die Franzosen wahrlich stolz sein.

Historische Städte

In der dritten Woche stand wieder die Landschaft im Vordergrund. Diesmal in Form der Vulkankette Chain des Puys.

Vulkanlandschaft

Besonders viel Spaß machten die Kanutrips auf dem Gardes und der Dordogne und die Wanderungen auf den Glatzkopf, den Geierberg und die Puys.
Was wäre eine Reise ohne das Wetter im September? Täglich Sonne und sommerliche Temperaturen bis in die Nacht. Nur einen halben Tag Regen. Keine nervenden Moskitos oder sonstiges Getier und diese herrliche Stille.
Sogar mit der Sprache und den Gepflogenheiten der Franzosen kann man sich gut anfreunden. Und noch eines muss man ihnen lassen: Wein können sie!

18.09.2020 Falkensteig – Schwarzwald – 78 Km

Wanderurlaub in Frankreich