„Sir Vival“® -Rüdiger Nehberg – Menschenrechtsaktivist

Können Sie sich noch erinnern, liebe Leser, wie Sie mit 17 Jahren Ihren Urlaub verbracht haben? Vermutlich sind Sie mit Ihren Eltern ein paar Tage ans Meer gefahren oder zum Wandern in die Berge.
Nicht so Rüdiger Nehberg. Der 17-jährige Bäckerlehrling erbittet von seinem Chef zwei Monate unbezahlten Urlaub, bepackt sein selbstzusammengeschraubtes Fahrrad mit seinem selbstzusammengeflickten Zelt um sich auf die Reise nach Marokko zu machen. Anfang der 50 Jahre des letzten Jahrhunderts war das – und es war der Beginn eines überdurchschnittlich abenteuerlichen Lebens. Es folgen weitere Radtouren um die halbe Welt, er lernt einige arabische Gefängnisse von innen kennen, schlägt sich mit allerlei Getier herum und begegnet zahlreichen zweifelhaften Gestalten. Doch er kann sich dem Reiz der Abenteuer, die die Welt für ihn bereit hält, nicht entziehen und betrachtet seine Arbeitszeiten in der Backstube bald als unvermeidbare Unterbrechung seiner Urlaube.

Das Thema Survival, das in den 60-er Jahren von den USA nach Europa herüberschwappt, verändert Rüdiger Nehbergs Art des Reisens. Denn die Kunst des Überlebens abseits der Zivilisation, eröffnet ihm eine ganz neue Dimension. Gierig saugt er alles auf, was über das Thema Survival geschrieben steht, erweckt sämtliche Überlebensinstinkte zu neuem Leben und begibt sich schließlich mit seinem neu erworbenen Wissen auf einen Selbstversuch. Einem 1000 Km-Marsch von Nord nach Süd durch Deutschland – ohne Nahrung und ohne Ausrüstung. Er schläft in Mulden im Wald und ernährt sich von toten Tieren, die er unterwegs findet oder auch mal einer Schlange aus dem Bauch herausmassiert. Begleitet wird er von einem ZDF-Reporter. Vier Wochen später und 25 Kg leichter erreicht er Oberstdorf. Obwohl er mit seinen inzwischen 46 Jahren schon weitaus exotischere Abenteuer bestanden hat, erlangt er durch diesen Marsch einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland.

Dieser Bekanntheitsgrad sowie die Erfahrungen aus seinem Überlebenstraining kommen ihm ab den 80er-Jahren zu Nutzen, als er beginnt, sich für die in ihrer Existenz bedrohten Yanomami-Indianer im brasilianischen Regenwald stark zu machen. Um auf den drohenden Völkermord an den Yanomami-Indianern aufmerksam zu machen, überquert er mehrmals den Atlantik auf einem Tretboot, auf einem Bambusfloß und beim Dritten mal auf einem Baumstamm. Er bittet den Papst und die Weltbank um Hilfe. Doch die noch größere Herausforderung stellt der Kampf gegen die Goldmafia und die Landbesitzer Brasiliens dar. Rüdiger Nehberg gibt keine Ruhe, kämpft hartnäckig weiter, startet eine spektakuläre Aktion nach der anderen, 20 Jahre lang, bis die Yanomami-Indianer Ende der 90 Jahre endlich einen akzeptablen Frieden erhalten.

Nach diesem Erfolg möchte sich Rüdiger Nehberg, inzwischen 65 Jahre alt, keineswegs in den Ruhestand begeben. Es wird Zeit, sich auf neue Ziele zu konzentrieren. Den entscheidenden Ausschlag gibt ihm das Buch „Wüstenblume“ das eine tiefe Betroffenheit in ihm auslöst. Bereits bei seiner Durchquerung der Danakil-Wüste mit Kamelen 1977 wurde er mit der Thematik der Frauenbeschneidung konfrontiert. Er ernennt fortan den Kampf gegen die Beschneidung von Mädchen zu seinem neuen Lebensziel und gründet zusammen mit seiner Frau Annette die Menschenrechtsorganisation TARGET.

TARGET setzt sich zum Ziel, das grausame Ritual der Beschneidung an Frauen und Mädchen zu beenden. Dabei bedient es sich der wertvollsten Waffe als Partner: dem Islam selbst. Denn nirgendwo steht geschrieben, dass Frauen beschnitten werden müssen. Auch nicht im Koran. Rüdiger Nehberg organisiert mehrere Wüstenkonferenzen mit höchsten islamischen Gelehrten. Den Durchbruch erzielt er 2006 mit der internationalen Gelehrtenkonferenz in der Azhar (bedeutende internationale islamische Institution) wo der Brauch als unvereinbar mit den Werten des Islam erklärt wird. Der Großmufti von Ägypten übernimmt sogar die Schirmherrschaft für diese Konferenz.

Weitere spektakuläre Aktionen sorgen für die notwendige Aufmerksamkeit. Er läßt ein von Islam-Gelehrten abgesegnetes „Goldenes Buch“ verteilen, um direkt in den Moscheen für die Ächtung der Beschneidungspraxis zu werben.

In der Danakilwüste ist TARGET mit einer fahrenden Krankenstation unterwegs. 2015 wird am Rande der Danakilwüste in Äthiopien nach 4-jähriger mühsamer Bauzeit eine Geburtshilfeklinik eingeweiht. Auch die Waiapi-Indianer in Brasilien bekommen eine Urwaldklinik.

Für sein Engagement wird Rüdiger Nehberg 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse geehrt, nachdem er schon 2002 das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Menschenrechtsarbeit verliehen bekommen hat. Zahlreiche weitere Ehrungen folgen.

Rüdiger Nehberg ist inzwischen 82 Jahre alt. Dschungelexkursionen oder Atlantiküberquerungen unternimmt er nicht mehr – oder vielleicht doch? Zuzutrauen wäre es ihm durchaus. Aber dennoch verfolgt er weiterhin mit viel Energie und Herzblut seine Ziele. Er bereist arabische Länder, trifft sich mit hochrangigen Imamen und hält in ganz Deutschland spannende Vorträge über seine Abenteuer und Projekte.

Als ich ihn vor ein paar Jahren bei einem Life-Vortrag in Leipzig persönlich kennenlernen durfte, erklärte er mir, dass ihm wohl bewusst sei, dass seine verbleibende Lebenszeit nicht mehr ausreichen würde, um alle seine Ziele zu verwirklichen aber dass er weiter kämpfen werde so lange es eben ginge und vielleicht sogar noch ein bisschen darüber hinaus.

Chapeau vor diesem mutigen, ehrgeizigen und humorvollem Menschen, dem Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Misshandlung anderer Menschen unerträglich sind. Die Welt könnte um so vieles besser sein, wenn es mehr Menschen von seinem Schlag gäbe. Menschen die sich unerschrocken und unermüdlich für Menschenrechte einsetzen.

Chapeau vor der Lebensleistung des Rüdiger Nehberg.


Wenn Sie mehr über Rüdiger Nehberg und seine Abenteuer erfahren möchten, nehmen Sie sich Zeit für eines seiner vielen Bücher. Sie sind allesamt spannend, witzig und kurzweilig geschrieben.


TARGET e. V. finanziert seine Arbeit durch Spenden, Sponsoring und Stiftungszuwendungen. Für die Unterstützung von TARGET Rüdiger Nehberg gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Verschenken Sie eine Spende an Freunde oder lassen Sie sich zu Ihrem Geburtstag Geldspenden statt Geschenke schenken. Starten Sie selbst Aktionen wie die Versteigerung von Flohmarktartikeln, Lehrgutpfand-Sammelaktionen, Kuchenverkauf, Musikkonzerte oder andere tolle Ideen. Oder übernehmen Sie eine Urwald-Patenschaft für die Waiapi-Indianer.

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Erlebnisreisen-weltweit spendet jedes Jahr einen Teil seines Erlöses an TARGET sowie an andere Menschenrechtsorganisationen, die sich für Frauen und Mädchen weltweit einsetzen.

Rüdiger Nehberg
TARGET