Reiseimpressionen Trekking Nepal Teil 4

Verkaufsstand in Nepal

Der Schein der Zivilisation
Der Kontrast zwischen dem friedlichen Landleben und dem Chaos der Städte ist erschreckend. Staub und Abfall dominieren das Bild. Wild gewachsene Barackensiedlungen soweit das Auge reicht. Die Menschen versuchen zwischen dem Beton Vieh zu halten und Gemüse anzubauen wie sie es auf dem Land gelernt haben. Knäuel von wild durcheinanderhängenden Strom- und Telefonkabeln. Der Straßenverkehr ist unkontrollierbar geworden. Ohne jegliche Regeln. Es gibt keine Ampeln, nicht mal Verkehrsschilder. Wahrscheinlich auch keinen Führerschein. Nur Chaos, das offensichtlich nicht mehr in den Griff zu bekommen ist. Auch wenn es uns so beschrieben wurde, wie am Lago Maggiore sieht es in Pokhara nicht gerade aus. Überall wird der selbe Nippes angeboten. Tibetanischer Schmuck, Gebetsmühlen, Kunstwerke – also original Nepali-Souvenirs. Italienisches, Mexikanisches, Chinesisches Essen, doch traditionell Nepalifood ganz klein auf der Speisekarte. Die verstaubten Gebäckstücke in der „German Bakerie“ sind garantiert nicht älter als 2 Tage – wie uns versichert wird. In den Outdoor-Läden gibt es die komplette Kollektion von Northface, Mammut und Co. – Original versteht sich. Und wenn mal nicht das richtige Emblem aufgenäht ist, ist es garantiert in 2 Tagen lieferbar. Wir haben genug gesehen und flüchten wieder aufs Land.

Elefantentaxi in Nepal

Von Riesen und Ungeheuern
Schaukelnd trägt uns der graue Riese durch den Urwald. Äste streifen uns und alles mögliche Ungeziefer rieselt von den Blättern auf uns herab. Da, im sumpfigen Wasserloch tummeln sich zwei Nashörner. Sie sehen schlecht doch sie können gut hören. Wir sind besser still. Der Elefant überdeckt unseren Geruch, so dass wir uns in Sicherheit wiegen. Der „Driver“ treibt den Elefanten bis auf wenige Meter an das Ungeheuer heran. Er hat sein Reittier unter Kontrolle. Dieses lässt gutmütig alles über sich ergehen. Wie kommt man nur auf die Idee, ein so großes Tier zu zähmen? Die Leute müssen verrückt gewesen sein. Inzwischen hat er sich als Alround-Maschine bewährt. Fällt etwas hinunter, hebt reicht er es einfach mit seinem Rüssel wieder hinauf. Ist ein Ast im Weg, räumt er ihn einfach zur Seite. Wie praktisch doch so ein Arbeitselefant ist. Leider braucht er auch viel Platz in der Garage und produziert eine große Menge Kompost.

Starke Nerven
Zum Busfahren braucht man in Nepal starke Nerven und eine große Portion Optimismus. Überholt wird auf Teufel komm raus. Wenn es sein muss zu dritt nebeneinander, auf Straßen, die den Namen nicht annähernd verdient haben. Gegenverkehr wird einfach ignoriert. Statt dessen wird die Hupe überstrapaziert. Alles erinnert an ein waghalsiges Wettrennen. Unser Bus liegt gut im Rennen. Bisher wurde er jedenfalls noch nie überholt. Wir lassen dafür kein Überholmanöver aus. Links geht es tief in die Schlucht des Trisuli, rechts erhebt sich eine Bergwand senkrecht hoch. Dazwischen ist ein meterbreiter Wassergraben. Busse und schwere LKWs sind die einzigen Fahrzeuge, die unterwegs sind. Privatfahrzeuge gibt es so gut wie keine. Die Straße ist dem Schwerlastverkehr allerdings nicht gewachsen. Sie ist schmal, kurvig und bröselt beständig vor sich hin. Wir hoppeln von einem Schlagloch in das nächste. Die Brücken haben ihre beste Zeit schon lange hinter sich und die Geländer sind an mehreren Stellen durchbrochen. Ein kümmerliches Schild meint „one vehicle only“ doch niemand schert sich darum. Wrackartige LKW’s und qualmende Busse quälen sich dahin. Bisher haben wir noch kein einziges Fahrzeug gesehen, dass dem deutschen TÜV stand gehalten hätte. Jeder fährt wie er will. Übersicht braucht es nicht, Rücksicht gibt es nicht. Es ist nicht verwunderlich, dass so viel passiert, sondern es ist verwunderlich, dass nicht noch mehr passiert. Die Nepali haben da eine recht lockere Einstellung zum Schicksal. Einer meinte, Familienplanung braucht es nicht in Nepal, der Straßenverkehr würde das schon regeln…

Reisanbau in Nepal

Die Kornkammer Nepals
Es ist die Zeit, den Reis zu pflanzen. Die Felder müssen vorbereitet werden. Hier im Terrai ist das Land flach und fruchtbar. Daher sehen wir neben den bewährten Büffeln auch vereinzelt einen indischen Traktor in Betrieb. Bewässerungsgräben müssen von Unkraut befreit und Löcher in den Dämmen repariert werden. Dann werden die Felder mit einem komplizierten Bewässerungssystem geflutet. In kleinen Parzellen wurden bereits Reissetzlinge gezogen. Sie leuchten mit ihrem frischen hellgrün wie Phosphormoos. Menschen hocken darin und bündeln die jungen Pflänzchen. In den Feldern stehen die Frauen reihenweise im knöcheltiefen Schlamm um ständig gebückt die Setzlinge einzupflanzen. In einem Feld kann ich fast 40 Frauen in Reih und Glied zählen. Man stelle sich vor, bei uns müsste man jeden Getreidehalm einzeln setzen… Wer nicht auf den Feldern arbeitet, beschäftigt sich anderweitig. Jeder hat etwas zu tun. Die Kühe und Ziegen müssen zur Weide gebracht werden. Höfe werden sauber gekehrt, am Brunnen wird Wäsche gewaschen und die Enten baden im Abwasser. Die Dächer der zerbrechlich wirkenden aber robusten Hütten müssen vor dem Monsun repariert und neu mit Reisstroh eingedeckt werden. Die Wände und der Boden werden mit ockerfarbigem Lehmbrei neu verputzt. Frauen verlesen das Getreide mit der Hand, Erbsen, Bohnen und Linsen pulen und die Spreu vom Reis trennen, Maiskolben putzen… Alles wird mit der Hand erledigt. Anschließend trocknet das Getreide in bunten Haufen auf Matten in der Sonne. Das Stroh wird sorgfältig gebündelt und als Tierfutter, Einstreu oder Baumaterial verwendet. Kuhdung wird mit Körben als Dünger auf den Feldern ausgebracht. Alte Frauen flechten Schilfmatten und Körbe. Aus den einfachsten Materialien werden Lebensgrundlagen hergestellt. Alles ist im Einklang mit der Natur – noch.

Was ist das nur für ein Land?
Wo kleinste Kinder auf einem übrig gebliebenen Kieshaufen ihre Notdurft verrichten müssen, weil es keine Toiletten für sie gibt, wo man Hühner und Ziegen mitten in der Stadt im 3. Stock und auf dem Dach des Wohnhauses hält, wo Kühe, Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen, Hühner, Tauben, Ratten und Kinder sich den Schlafplatz teilen, wo jeder ungehemmt und geräuschvoll auf die Straße spuckt und rotzt, wo sich der Müll kniehoch in der Gosse türmt und andere darin nach Brauchbarem suchen, wo es kein funktionierendes Trinkwassersystem gibt und andere die dreckige Brühe aus der Gosse abfüllen.
Was ist das nur für ein Land? Es ist eine Schande für ein Land im 20. Jahrhundert. Eine Regierung, die Unsummen von Entwicklungsgelder aus dem Ausland bekommt, muss sich schämen, diese Zustände seiner eigenen Bevölkerung zuzumuten. Die Unfähigkeit der Regierung ist nicht in Worte zu fassen. In der Hauptstadt des Landes müssen Frauen stundenlang um einen Kanister Wasser anstehen und es fällt 16 Stunden am Tag der Strom aus. Hygiene ist nicht nur ein Fremdwort, sie existiert nicht einmal. Sie ist völlig unbekannt und das ist die Wurzel allen Übels. Es gibt keine Krankheit, die hier nicht gedeiht.
Wer seinen Aufenthalt in Nepal gesund übersteht, kann mit Recht von sich behaupten, eine gute Konstitution zu besitzen. Zimperlich darf man ohnehin nicht sein. Sei es, dass man mal die eine oder andere Made aus dem Reis fischt oder auf Sand beißt. Das gehört noch zu den kleineren Übeln. Alles wird angefasst, ob beim Hühnerhändler, beim Gemüsehändler oder beim Bäcker. Backwaren liegen so lange in der Auslage, bis sie verkauft werden – egal, wie viele Wochen das dauert und wie viele Fliegen schon daran kleben. Alles wird achtlos auf den Boden geworfen, der aussieht wie eine Müllkippe. Überall ist Taubenkot. Noch schmutziger sind die heiligsten Stätten. An jeder Ecke wohnen Götter. Schwarz von Ruß und Talglichtern, verschmiert mit roter und gelber Farbe, verklebt mit Reis und Opfergaben ziehen sie Kühe, Hühner, Hunde, Tauben und Ratten an, die dann dort wieder Ihren Dreck hinterlassen, wo Menschen hinfassen oder mit der Stirn berühren. Wie kann man seine heiligsten Plätze nur so verkommen lassen? Die Götter müssen hier echt geduldig sein. Für den Menschen ist die Situation jedenfalls unerträglich.
Übel sieht auch der Fluß aus, der als Trinkwasserspender unverzichtbar ist und als heilig gilt. Es handelt sich um eine Abwasserkloake, in der tote Tiere zusammen mit dem ganzen Abfall dümpeln. Menschen verrichten hier ihre rituellen Waschungen während andere am Ufer ihre Notdurft verrichten. Kinder baden und Frauen waschen ihre Wäsche in der braunen Brühe. Die eingeäscherten Toten werden einfach im Fluß entsorgt – was dem Verstorbenen den direkten Weg in den Himmel zusichert. Ich bin jedenfalls froh, dass ich voraussichtlich nicht in der Dreckbrühe enden muss.

Vom Essen in der Stadt
Irgendwann kommt dann der Moment, wo man knurrenden Magens das Essen verweigert, weil man inzwischen gesehen hat, wo es herkommt, wie es gelagert und zubereitet wird. Mangels Strom gibt es keine funktionierende Kühlkette. Fleisch liegt stundenlang in der Sonne, schwarz von Fliegen. Kommt dann ein Käufer, wird die schwabbelige Masse willkürlich mit einem langen Säbel zerhackt. Teller, Besteck, Gläser werden mit Lehm vom Boden geschrubbt und mit brackigem Wasser gespült. Falls mal ein Tisch abgewischt werden sollte, dann mit einem schmuddeligen Lumpen, aus dem einem schon die Bakterien entgegenwinken. Man hat die Wahl zwischen verschiedenen Restauranttypen. Da gibt es z. B. die s. g. Roof-Top Restaurants mit Blick auf den jeweiligen Platz der Stadt. Diese sind ganz nach dem Geschmack der Touristen eingerichtet, völlig überteuert, mit miserablem Essen. Dann gibt es die indischen Garküchen im Hinterhof. Diese haben das Ambiente einer Tiefgarage. Der Boden und die Wände sind schwarz vom Öl, mit schmutzigen, angeschlagenen Tischen und Bänken und mit klebrigen Gläsern. Aber mit gutem, frisch zubereitetem Essen zu erstaunlich niedrigen Preisen. Zu solchen Preisen kann man halt keinen Luxus erwarten. Wenn man Glück hat, findet man in einer Seitengasse ein Restaurant, das noch original von Tibetern oder Nepali geführt wird, die selbst kochen. Dort bekommt man wirklich traditionelle Küche auf sauberen Tischen zu anständigen Preisen. Aber überall gilt: Hände weg von westlichen Angeboten wie Pizza oder Pasta. Da kann man nur verlieren. In Nepal kann man mangels Zutaten wie Tomatensauce, Käse oder italienischen Kräutern naturgemäß gar keine Pizza oder Pasta herstellen. Dazu haben die Nepali keine Ahnung von der Zubereitung oder wie es am Ende schmecken soll. Da kann es schon mal sein, dass man seine Spagetti mit warmer Ketchupbrühe serviert bekommt…

Pagoden

Barathpur
Keine historische Stadt, die wir bisher gesehen haben, kann sich mit Barathpur messen. Die gesamte Altstadt gleicht einem Freilichtmuseum. Man fühlt sich wie ein Besucher in einer Filmkulisse. Es ist nicht zu ermessen, welche Schätze hier verborgen sind. Alle Häuser sind reine Kunstwerke. Soviel kann man gar nicht schauen, wie es an Details zu entdecken gäbe. Jedes Fenster, jeder Balkon, jeder Pfosten ist ein Kunstwerk für sich. Und die Stadt ist flächendeckend voll davon. Die ganze Innenstadt wurde komplett restauriert und für weitgehend verkehrsfrei erklärt. Wer Barathpur gesehen hat, kann gut und gerne auf Kathmandu verzichten. Es gibt so viel schönes zu entdecken, das man Tage damit verbringen kann. Prachtvolle Steinmetzarbeiten, glänzendes Schmiedehandwerk und zerbrechliche Töpferwaren. Dem Kunsthandwerk sind hier keine Grenzen auferlegt. Kein Detail ist zu aufwändig. Die Menschen leben hier in einem der letzten Schmuckkästchen der Welt. Hoffentlich überlebt es den Fortschritt des 20. Jahrhunderts.

Botnath

Bodnath
Die Gegend um die Stupa Botnath herum unterscheidet sich gravierend vom restlichen Kathmandu. Inmitten totaler Verbauung ist sie kaum zu finden. Nur ein kleines Tor zwischen den Häusern bietet Einlass. Dahinter sind die Gassen so eng, dass sogar die Taxifahrer sich weigern dorthin zu fahren. Die buddistische Pilgerstätte zieht Gläubige aus Tibet, Indien, Ladak und anderen Regionen an. Und alle bringen ein Stück ihrer Kultur mit. In ihren farbenfrohen Trachten umkreisen Sie die Stupa in bunten Schwärmen. Viele tibetische Klöster wurden hier wieder aufgebaut und es wimmelt von rot gekleideten Mönchen. Beinahe schon hypnotisiert nimmt man die Eindrücke dieses ganz besonders spirituellen Ortes wahr. Die Gerüche der Räucherstäbchen in der Luft, die ganz besonderen Klangkulisse. Unentwegt trompeten Hörner, schlagen Schellen und klingen helle Glöckchen zum Durcheinander der Trommeln. Kein Wunder, dass etliche westliche Besucher hier die Erleuchtung suchen und nicht mehr herausfinden. Die Gästehäuser in diesem Viertel haben Zugang zu den Klöstern und sind sehr gepflegt. Der Tibetische Einfluss ist hier offensichtlich.

Reiseimpressionen Trekking Nepal Teil 4

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