Reiseimpressionen Trekking Nepal Teil 2

Trekking in Nepal

Das Wetter
In den ersten Tagen sehen wir von der Aussicht nur den Feinstaub, den es angeblich vom tibetischen Hochland herüber wehte. Seit Monaten hat es nicht mehr geregnet. Wir laufen bei angenehmen Frühlingstemperaturen mit einem trockenen, warmen Lüftchen dazu. Dank dem Smog müssen wir nicht in der prallen Sonne laufen – es hat auch alles eine gute Seite. Ein paar Tage später kommt es abends zu den ersten Gewittern. Morgens ist es klar und warm doch schon bald kriechen die ersten Wolken über die Berge die nach und nach dichter und dunkler werden. Am Nachmittag dröhnen dann die ersten Donner durch das Tal. Bis 15:00 Uhr sollte man tunlichst eine Unterkunft gefunden haben, möchte man nicht nass werden.

„Nepaliflat“
Die Menschen, denen wir auf dem Weg begegnen, sind sehr freundlich. Immer wieder fällt uns auf, dass sie interessiert sind, ohne aufdringlich zu sein. Die Scharen bettelnder Kinder, die wir erwartet haben, sind ausgeblieben. Wir sehen überhaupt nur sehr wenige Kinder. Die beliebteste Begrüßungsform lautet „where are you from?“. Dabei ist es dann egal, ob man antwortet, vom Mars, aus Europa oder Bayern. Sie geben sich mit jeder Antwort zufrieden. Die Angaben, die uns die Einheimischen über die Wegstrecken machen, stimmen allerdings zuverlässig. Nur bei den Höhenangaben müssen wir schmunzeln. Traue nie einem Nepali, wenn er „flach“ sagt denn er meint „Nepaliflat“: A little bit up and a little bit down, womit Hunderte steile Höhenmeter über Treppen gemeint sind. Danke, die haben wir bereits kennen gelernt. „Nepaliflat“ eben.
Es kommen immer noch mehr Treppen durch sonnigen Rhododendren-Wald entlang wilder Bäche. Ein paar 100 Höhenmeter fühlen sich außergewöhnlich anstrengend an. Vielleicht liegt es an den 11 Kg. Gepäck, vielleicht an der Höhe, vielleicht an den Treppen oder wahrscheinlich an allem zusammen.

Nepalifrau

In den Dörfern
Die Dörfer, durch die wir kommen, wirken sehr gepflegt. Als jahrhundertealte Handelsrouten sind die Wege mit Schieferplatten gepflastert und haben oft eine Art Sitzbank einmodelliert, wo man sich setzen und gleichzeitig das Gepäck aufstützen kann. Sie sind offensichtlich für die Träger gemacht. Aber auch wir freuen uns über diese willkommene Pausenplätze. Da es auch in den Dörfern sehr steil zugeht, gibt es auch hier eine Menge Treppen. In allen Dörfern gibt es einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Früher für die Karawanen der Händler, heute für die Karawanen von Touristen.
Leider ist der Umweltgedanke in Nepal noch nicht weit gekommen. Neuzeitliche Verpackungsmaterialien wie Chipstüten und Schokoladenpapier werden achtlos auf den Weg geworfen. Hätte die westliche Welt in Form von Tourismus hier nicht Einzug gehalten, gäbe es diese Art von Verpackung wahrscheinlich gar nicht. Ebenso sind die Plastikflaschen für Trinkwasser ein großes Problem. Diese werden in den Dörfern erst einmal in einer Grube versenkt. Doch was passiert danach damit? Wohin mit dem Zivilisationsmüll? Einige Regionen sind inzwischen dazu übergegangen, nur noch abgekochtes Leitungswasser in mitgebrachte Flaschen abzufüllen.

Einfache Unterkunft
Die Unterkünfte sind sehr einfach eingerichtet. Ein Bretterverschlag, in höheren Lagen auch ein Steinhäuschen, mit 2 Pritschen drin und einer dünnen Schaumstoffauflage darauf. Das wars. Keine Tür schließt ordentlich. Dafür sind sie auch nicht vorgesehen, denn die Leute schließen nie eine Tür, egal wie kalt es draußen ist. Die Türen haben auch keine Klinke. Nur je einen Riegel innen und außen.
Ein Duschraum befindet sich meistens irgendwo außerhalb des Hauses auf dem Hof oder nebenan. Zumeist nur mit kaltem Wasser. Manchmal aber auch mit „24 hours warm water by solar“. Wir müssen schmunzeln. 24 Stunden auf 4 Tage verteilt oder wie? Manchmal gibt es einen Boiler mit heißem Wasser. Aber dieses ist dann so heiß, dass man es gar nicht aushalten kann. Zudem ist der Raum so kalt, dass es nur noch so dampft. Dazu ist der Druck so gering, dass die Füße trocken bleiben, während man sich die Haare wäscht. Als Waschbecken dient der öffentliche Dorfbrunnen, in dem Zähne geputzt, Füße gewaschen und Geschirr gespült wird. In den Unterkünften gibt es dann einen Gemeinschaftsraum mit einem großen Tisch in der Mitte und einer Sitzbank außen herum. Dort speisen alle Gäste zusammen. Wenn es mal richtig kalt wird, dient ein Kessel mit glühenden Kohlen oder ein Kerosinkocher als Heizung. Dieser wird einfach unter den Tisch gestellt und an die Tischkante wird eine Decke genagelt. Dann stellt man seine Füße unter den Tisch und zahlt einen kleinen Obolus fürs Brennmaterial. Schon hat man warme Füße. Strom wird in kleinen Wasserkraftwerken an den Bächen produziert und macht die Dörfer unabhängig. So ist auf dem Land die Versorgung viel zuverlässiger als in den großen Städten, in denen der Strom im ganzen Viertel ausfällt, sobald der einer den Fernseher einschaltet. In der Hauptstadt Nepals gibt es 16 Stunden am Tag keinen Strom.

Poon Hill

Am Poon Hill
In Gorepani herrscht DAV-Fieber. Alle wollen zum Sonnenaufgang am Poon Hill sein. Wer als erster im Haus herumrumpelt hat gewonnen. Der Weg ist wie befürchtet steil und voller Treppen. Oben angekommen erwartet uns ein ebenso atemberaubender Ausblick. Annapurna, Daulaghiri und Fischschwanz werfen sich mächtig ins Zeug. Doch schon bald ist der rosa Zauber verflogen und die letzten Bewunderer trollen sich. Nun geht es hinunter und drüben wieder hinauf auf den Deuralipass, der nicht weniger schöne Ausblicke auf die großen Berge bietet. Ab dem höchsten Punkt muss es bergab gehen, sollte man meinen. Nicht in Nepal. Ein ständiges bergauf und bergab lässt uns alle Höhenmeter doppelt fühlen. Schließlich gelangen wir in eine steile, schmale Schlucht. Es ist derart steil, über Treppen versteht sich, dass man glaubt, auf einer Wendeltreppe abzusteigen.

Auf Wanderschaft
Die schönste Zeit zum Wandern sind die Morgenstunden. Das Licht scheint sanft durch den Wald und wirft interessante Schatten durch die moosbehangenen, alten Rhododendren-Bäume. Um diese Zeit drückt noch kein Rucksack und die Füße laufen noch wie von selbst. Um von einem Dorf in ein anderes zu kommen, muss man immer einen Fluss überqueren. Das bedeutet einige hundert Höhenmeter steil über Treppen abzusteigen und drüben wieder einige hundert Höhenmeter über Treppen aufzusteigen. Doch damit nicht genug. Um das andere Dorf endgültig zu erreichen muss man erst noch über einen Pass, was wiederum bedeutet einige hundert Höhenmeter über Treppen aufzusteigen und schließlich wieder einige hundert Höhenmeter über Treppen abzusteigen. Gegen Mittag ist dann der Morgenbonus aufgebraucht und es zittern die Knie. Dann kommt langsam der Punkt, an dem man keine Treppen mehr sehen möchte. Meistens kommt genau in diesem Moment das anvisierte Dorf für die Mittagsrast. Wirft man dann einen Blick auf die Karte, um die restliche Tagesetappe zu planen, findet man das nächste Dorf wieder auf der anderen Seite des Flusses, womit das Ganze wieder von vorne beginnt. Obwohl unsere Tagestouren nicht sehr lange sind, sind sie dadurch doch ziemlich anstrengend.

Interessante Gesellschaft
So schlagen wir oft schon recht früh unser Lager auf und trinken Tee. Dabei lernen wir viele andere Wanderer kennen. Immer wieder trifft man sich auf der Strecke wodurch sich Gespräche auch mal über das Gewöhnliche „woher kommt ihr“ und „wohin geht ihr“ hinaus entwickeln können. Wir sind erstaunt, wie dürftig die meisten von ihnen ausgestattet sind. Vielen scheint während eines Nepal-Besuchs erst eingefallen zu sein, dass man hier eine Trekkingtour unternehmen könnte. So haben sie weder Wanderschuhe noch warme Kleidung dabei. Manche laufen mit Crocks, andere mit gestrickten Hüttenschuhen. Kaum einer trägt eine Wanderhose oder Funktionswäsche. Wir sehen von indischen Pluderhosen über Bundeswehrcamouflage bis hin zu Seemannsölzeug alle Modestile. Jeans, Turnschuhe, Flipflops, alte Lederrucksäcke, an Schnüren festgebundene Wasserflaschen. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Es scheint, wir sind völlig overdressed. Stöcke hat fast niemand dabei und wenn, dann kann man daran die deutsche Wandergruppe identifizieren, gefolgt von einer Schar überladener Träger. Leider hat unsere Top-Outdoor-Bekleidung auch keinen Lotuseffekt und fängt schon bald an zu stinken. Im Angesicht der Bergriesen flattert die frisch gewaschene Wäsche lustig im trockenen Wind.

Dörfer in Nepal

Steile Berge
Noch nie habe ich so steile Berge mit so schmalen Flussläufen gesehen wie hier. Das ganze Gebiet ist so stark zerklüftet, dass es glatt als Canyon durchgehen könnte. Die steilen Hügel, an denen wir entlang wandern, haben eine geschätzte Höhe von 3.500 m. Darüber hinaus ragen die gewaltigen schneebedeckten Sieben- und Achttausender. Die Gebirgswelt ist scharf durchschnitten von wilden, steil abfallenden Bächen. Obwohl die steilen Hänge offensichtlich unerschließbar sind, sind sie doch auf eine Höhe von ca. 2.600 m noch bewirtschaftet. Überall in den Wänden kleben kleine Häuschen und Dörfer, die nur durch steile aber gepflegte Pfade und Hängebrücken verbunden sind. Die Pfade sind die einzige Infrastruktur. Über sie wird per Menschenkraft die gesamte Bevölkerung versorgt. Wer zu einer Straße möchte, auf der auch Autos fahren, muss sich auf einen tagelangen Fußmarsch über unzählige Hügel hinauf und hinunter einstellen. Die ganze Gegend ist so schwer zugänglich, dass eine Erschließung durch Straßen unmöglich erscheint. Seit Tagen haben wir kein Motorengeräusch gehört. Keine Autos, keine Motorräder, keine Rasenmäher, keine Motorsägen – einfach gar kein Motorengeräusch.

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