Reiseimpressionen Trekking Nepal Teil 1

Ankunft in Nepal

Erster Eindruck
Schon am Flughafen dürfen wir die Bürokratie Nepals kennen lernen. Wir werden von einem Schalter zum anderen geschoben, wo unsere Visa umständlich handschriftlich mit 2 Blaupausen ausgefüllt werden. Gut, dass wir gleich ganz vorne in der Schlange waren. Die letzten stehen hier bestimmt morgen noch an.

Kathmandus Taxis
In Katmandus Straßen regiert das Chaos. Sobald Nepali am Steuer sitzen, werden sie unkontrollierbar. An der Infrastruktur hat sich seit 13 Jahren, als ich das letzte mal hier war, nichts verbessert. Dafür ist der Verkehr um ein vielfaches angeschwollen. Kaum noch Radfahrer sind unterwegs. Wahrscheinlich wurden sie alle überfahren. Dafür pressen sich motorisierte Vehikel oder das, was sie einmal waren, durch die immer noch genauso engen und baufälligen Gassen der Stadt. Jeder drängelt, jeder hupt, jeder will ganz vorne stehen. Fußgänger werden zur Seite gedrängt und nur wenige Zentimeter von den Reifen entfernt sitzen Frauen in der Gosse und verkaufen verstaubtes Gemüse. Die Armaturen unseres Taxis sind geplündert, Scheiben fehlen, das Licht geht nicht und die Türen schließen nur mit brachialer Gewalt. Innen ist die Tür mit der bunten Abbildung Shivas bemalt und am gesprungenen Rückspiegel baumeln leuchtende Blumengirlanden. Wir haben Vertrauen, die Götter werden uns schon beschützen. Eine Sitzfeder bohrt sich mir ins Fleisch – hoffentlich sind wir bald da.

Pagoden

In der Großstadt
Vor dem Hotel spuckt uns das Taxi in das Getümmel. Es geht chaotisch zu in den engen Gassen. Schmutzig, armselig, baufällig und dennoch liebenswert. Man kann sich beglückwünschen, wenn man es unversehrt über eine einspurige Straße geschafft hat. Eine Besichtigung Katmandus sollte man allerdings erst nach einer Trekkingtour machen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis einem einer über den Fuß fährt oder man eine Lungenentzündung von den Abgasen bekommt. Eine Stunde Stadtbummel fühlen sich ohnehin an, wie ein Tag Trekkingtour. Der Sauerstoffgehalt ist genauso gering wie auf 4000 Metern und die Füße tun nicht weniger weh.

In einem Restaurant bestellen wir zwei verschiedene Gerichte. Warum wir beide das selbe bekommen und trotzdem verschieden Preise bezahlen werden wir nie erfahren. Aber unser erstes Nepali-Essen macht uns neugierig auf das, was da noch kommen mag.
Doch unweigerlich verfällt man dem Zauber, wird aufgesogen vom Trubel und fortgetrieben durch die engen Gassen, die bunten Geschäfte mit der Vielfalt der Waren auf engstem Raum, der historischen Kulisse. Bis man genervt ist von den Menschenmassen, den Gerüchen, dem Schmutz und Lärm, und aufwacht in der Realität. Dann sucht man sich einen möglichst ruhigen Platz auf einer Pagode und beobachtet das ganze Treiben von oben herab, als ob man gar nicht da wäre, sondern nur durch ein Zeitfenster in eine andere Welt blickt.

Schade, dass man die Geräuschkulisse der Stadt nicht auf Bildern festhalten kann. Doch sobald es dunkel wird, scheint es, als ob der Ton abgeschaltet würde. Mangels Strom gibt es auch keine Fernsehbeschallung, und keine Lichtverschmutzung. Das ist wie Urlaub auf einer einsamen Insel. Mit der Dämmerung wacht morgens langsam alles auf, bis es am Nachmittag zum Höhepunkt des Hubkonzerts kommt.

Am Flughafen
Am frühen Morgen ist es noch recht ruhig auf den Straßen. Eine gehäutete Ziege wird auf einer Rikscha zum Markt gefahren, aus 5 prallen Stofftüten an einem Fahrrad ragen nackte Hühnerbeine, Frauen verrichten Ihre Gebete und Opfergaben an den Schreinen. Die Luft ist geschwängert von einer Mischung aus Holzfeuer und Räucherstäbchen. Die ersten Sonnenstrahlen teilen die Gassen in staubige Streifen. Ein rustikales Taxi bringt uns zum Flughafen. Es gibt schönere Flughäfen, um auf einen Flug zu warten. Doch wir haben keine andere Wahl. Wegen schlechter Sicht wird der Flug nach Pokhara verschoben. Stunde um Stunde beobachten wir das vermeintliche Chaos und stellen bald fest, dass dieses sehr wohl organisiert ist. Wir spielen Nationen raten. Kaum rauscht eine unverständliche Durchsage durch die Lautsprecher, setzt sich die Menge in Bewegung. Jeder einzelne sucht sich nun Personal, um herauszufinden, ob die Ansage wohl dem eigenen Flug galt. Anschließend stellen sie sich wieder geduldig unter die Wartenden. Es ist erstaunlich, mit welcher Engelsgeduld und Freundlichkeit das Personal die Meute im Griff hat. Derweil nehme ich Nepali-Unterricht bei der Leibesvisite für Damen am Ausgang. Es ist der einzige Platz, an dem der Rauch und Kerosingeruch erträglich ist.
Nach Stunden des Wartens lässt sich ein Toilettengang leider nicht mehr aufhalten. Ich wage das Abenteuer. Eine Toilettendame schwemmt gerade eine Zelle aus. Bei kleinem Geschäft kann man wahlweise auch eins der 4 Löcher im Boden benutzen. Diese befinden sich direkt neben den Waschbecken. Man muss beim Hände waschen also aufpassen, dass man nicht hineinstolpert. Ich entscheide mich für eine der beiden Zellen mit europäischer Toilette, die bestimmt seit Bestehen des Flughafens noch nie geputzt wurde. Hier steht auch ein Abfalleimer für das gebrauchte Papier. Doch frisches Papier sucht man vergebens. Dafür gibt es einen Hahn, aus dem trübes Flusswasser tröpfelt, für die manuelle Reinigung und Spülung. Den Spülknopf fasst man lieber nicht an.

Pashupathinat

Pashupathinat
Aus den Flugverschiebungen wird schließlich eine Stornierung. Nun geht die Prozedur rückwärts los. Erst beim Ticket-Refund einen Stempel abholen, dann am Check in einen rosa Durchschlag abholen, damit bei der Bank die Tax zurückfordern und mit einem blauen Durchschlag das Gepäck erkämpfen.
Nun nichts wie raus und wieder hinein in ein schrottreifes Taxi. Der Taxifahrer übergibt uns vor der größten Hindustätte unbemerkt einem Führer, der uns unaufgefordert 1 ½ Stunden durch die Anlage führt und uns bestens informiert. Wir können einer Feuerbestattung beiwohnen, werfen einen Blick in das benachbarte Hospiz und lassen uns von dem Schlitzohr anschließend gnadenlos abzocken. Wir ärgern uns über unsere Naivität und beschließen, dass uns das nicht noch einmal passieren darf. Doch schon am selben Abend buchen wir eine völlig überteuerte Busfahrt nach Pokhara wie wir später feststellen. Es ist wie auf dem Flohmarkt, wirklich schwierig mit den hiesigen Preisen. Man kann als frisch eingereister Europäer nicht abschätzen, wie der tatsächliche Wert ist, da die Preise generell auf einem sehr niedrigen Niveau sind.

Auf dem Land
Es gelingt uns, die letzten verkommenen Vororte Katmandus zu verlassen. Es ist nicht zu beschreiben, in welchen Zuständen die Menschen hier hausen. Langsam wird es ländlicher. Die Dörfer sausen an uns vorbei und man kann die Bilder gar nicht schnell genug aufnehmen. Kinder, die mit kleinen Hunden spielen, eine Familie beim Schlachten einer Ziege, die Oma, die den Mädchen die Haare wäscht. Alles spielt sich vor den Häusern auf engstem Raum ab. Die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung wird nie langweilig.
In den ersten Stunden passieren wir viele hübsche kleine Dörfer. Unzählige Maultiere kommen uns entgegen. Sie sind auf dem Weg in den Ort an der Straße, um die Dörfer mit allerlei Nützlichem zu versorgen. Der Maultierhighway ist gut ausgebaut. Gepflasterte Wege, stabile Hängebrücken, und Sitzgelegenheiten für die vielen Träger. Es ist die einzige vorhandene Infrastruktur. Es gibt keine Autos und keine Motorräder hier. Nicht einmal Fahrräder sind angesichts der Geländebeschaffenheit möglich. Nur Maultiere und Fußgänger kommen hier her.
Wir finden eine sehr einfache Unterkunft. Das Doppelzimmer besteht aus einem kleinen Holzverschlag mit 2 einfachen harten Pritschen drin. Die Dusche befindet sich vor dem Haus direkt am Weg. Bestückt mit einem roten und einem blauen Eimer geht man zum Dorfbrunnen, bevor man Duschen kann. So kann man sich wenigstens einbilden man hätte warmes und kaltes Wasser. Zum Zähneputzen und Waschen genügt der Brunnen am Wegesrand. Alles sehr sehr einfach, aber völlig ausreichend und für 1 Euro pro Person durchaus erschwinglich.
Lange noch hören wir die Stimmen von unten. Durch die Bodendielen schimmert das Licht aus der Küche. Nachts bellt ein Hund und mag sich gar nicht mehr beruhigen. Was ihn wohl so aufregt? Der Opa schnarcht durch die dünnen Pappwände und das Telefon klingelt mehrmals mitten in der Nacht. Wir wohnen über der Telefonzentrale des Dorfes. Am Morgen klingelt ein helles Glöckchen alle wach.

Die Treppen von Ulleri
Schließlich überqueren wir eine Stahlhängebrücke und stehen vor unserer ersten großen Herausforderung: die berüchtigten 3280 Steinstufen von Ulleri. 600 Höhenmeter mit vollem Gepäck gleich am ersten Wandertag. Spätestens hier zieht es uns den Smog Katmandus aus der Lunge. Von Treppen kann keine Rede sein. Jede Stufe ist anders hoch, jede Stufe ist anders breit. Mit jedem Schritt stemmt man das ganze Gepäck hoch. Man findet keinen regelmäßigen Rhythmus. Der Atem geht unregelmäßig – eben wie die Treppen. Dazu ist es unglaublich steil – mir scheint beinahe senkrecht. Was für eine Plackerei. Die uns entgegen kommen sehen auch nicht glücklicher aus. Scheinbar ist hinunter gehen auch nicht besser.

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