Reisebericht Namibia Botswana Teil 4 (Etosha Nationalpark – Epupa Fälle)

Gepard

Halali – Otjiworongo Cheeta Farm
Heute dürfen wir ausschlafen, wir haben keine Eile. Auf der ganzen Strecke nach Okaukuejo lassen sich fast keine Tiere blicken. Nur ein braunes, wuscheliges, hundeähnliches Tier huscht vor uns über die Straße und lauert im Busch. Sowas haben wir noch nie gesehen. Ein Blick in unser Bestimmungsbuch sagt uns, daß es sich um eine der seltenen braunen Hyänen handelt. Na also. Die Landschaft ändert sich von Mpane-Wald zu offener Steppe. Obwohl alles sehr trocken und staubig ist, lassen sich auch an den Wasserstellen kurz vor dem Camp keine Tiere Blicken. Nur einige Oryx und Springböcke säumen den Weg. Das Camp steht unter deutschem Einfluß – im Laden gibt es Weihnachtsplätzchen zu kaufen. Wir beschließen, den Park zu verlassen. Bei der Eldorado-Farm, die wir in so guter Erinnerung hatten, machen wir einen kurzen Stopp. Leider sind die beiden Leoparden vor zwei Monaten „ausgebüxt“. Die schönen Geparden liegen faul im Schatten. Es ist noch zu früh um zu Campen und deswegen machen wir uns auf den Weg zu einer Geparden Farm, die wir vor zwei Jahren nicht erreichen konnten. Wir nehmen die Abkürzung über Farmland nach Kamanjab. Ein heißer Wind fegt über das trockene Buschland. Während uns Botswana mit seiner Ursprünglichkeit und der zahlreichen Tierwelt sehr beeindruckt hat, besticht uns Namibia mit seinen vielfältigen Landschaftsbildern, den Hügeln und Farben und seiner unendlichen Weite. Auf Otjiworongo werden wir gleich von einem drei Monate alten Gepardenbaby begrüßt. Tolpatschig wackelt der struppige Kleine durch die Gegend und schabt mit seiner rauhen Zunge an unseren Schuhen. Der Campingplatz ist sehr schön eingerichtet. Wir freunden uns mit unseren Nachbarn an, einer Schweizer Familie, die mit unseren ausgedruckten Namibia-Tipps reist und begeistert ist, uns persönlich kennenzulernen. Im Garten der Farm haben wir Gelegenheit, vier zahme – und doch recht wilde – Geparden näher kennenzulernen. Es ist unheimlich, wie diese großen Raubkatzen um uns herumschleichen und sich von uns kraulen lassen. Nachdem die Fütterung vorbei ist, werden wir auf den offenen Pick-up geladen und zu den Gehegen mit den wilden Geparden gebracht. Auf der Farm leben ca. 25 wilde Geparden, eine Leopardin und 2 Gepardenmütter mit je 3 Jungtieren. Es stockt uns der Atem, als wir durch das Gate in das Gehege fahren und überall aus dem Gebüsch die hungrigen Raubtiere auftauchen und hinter uns herlaufen. Einer der Geparden kann es kaum erwarten und springt fauchend auf die Laderampe zwischen unsere Beine. Mario, der Sohn des Farmers scheucht ihn wieder runter bevor er einen von uns frißt. Jetzt bekommt jede der Katzen ein Stück Eselfleisch. Wir sind total begeistert. In dieser Nacht sehen wir zum ersten mal so richtig den Sternenhimmel. Vorher war es entweder bewölkt oder der Mond zu hell.

Otjiworongo – Ruacana
Auch heute haben wir keine Eile. Wir frühstücken in aller Ruhe, machen noch ein Schwätzchen mit unseren Nachbarn und unternehmen noch einen Rundgang zu den Gehegen. In Kamanjab füllen wir unsere Vorräte wieder auf, den wir wollen in das Kaokofeld, wo es sicher für längere Zeit keinen Laden mehr gibt. Die Pad Richtung Norden ist in gutem Zustand. Zuerst fahren wir wieder an den Hügeln des Etosha Nationalparks entlang, bis wir eine flache Buschlandschaft erreichen. Es ist unglaublich heiß und trocken hier. Die Landschaft wird grüner um so mehr wir nach Norden dringen. Die Dörfer werden immer ursprünglicher. Steiniges Buschland mit Wellblechhütten wechseln allmählich in roten Sand, höhere Bäume und Lehmrundhüttendörfer, die sich hinter hohen Holzzäunen verstecken. Bald erreichen wir den Kunene-Fluß bei Ruacana, der die Grenze nach Angola bildet. Der Ort ist gut genug zum Tanken, aber sonst hält uns hier nichts. Nachdem wir fast 300 km schnurgerade Richtung Norden gefahren sind, biegen wir nun 90 Grad nach Westen ab. Ganz plötzlich öffnet sich uns auf einem Paß ein herrlicher Blick über den Stausee des Kunene und das flache Land Angolas. Immer am Fluß entlang durchqueren wir nun wunderschöne Landschaft. Bergauf und bergab, zwischen kleinen Hügeln vorbei und durch so manches ausgetrocknete Flußbett hindurch. Große Bäume geben Schatten und darunter sprießt frisches Gras. Und im Hintergrund immer der Fluß. Wenn wir es nicht besser wüßten, könnte man glauben, wir seien im englischen Garten am Ufer der Isar. Am Abend erreichen wir ein hübsches Camp. Die Dusche ist sehr urig und tut nach einem anstrengenden Fahrtag gut. Ein Hirtenjunge treibt seine Ziegenherde durch das Camp und singt afrikanische Lieder. Wie idyllisch. Wir freuen uns auf unsere Grillwurst mit kühlem Bier unter Millionen Sternen am Ufer des Kunene.

Himbafamilie

Ruacana – Piste 3700
Was für ein herrlicher Tag. Die Sonne scheint, die Luft ist klar und kühl und der Fluß fließt träge wie Milchkaffee Richtung Westen. Das Ufer gegenüber glitzert freundlich und unser Auto hat einen Platten. In Botswana dachten wir eigentlich, schlimmer könnte es mit den Straßen nicht werden, doch die 90 Km die vor uns liegen übertreffen alles bisher Erlebte. Trotzdem gehört diese Strecke mit zum Schönsten, was wir in Namibia bisher gesehen haben. Der Trak führt stetig am Fluß entlang. Am Fluß wachsen riesenhafte Palmen, dazwischen hohe, Schatten spendende Mpane-Bäume. Immer wieder durchqueren wir ausgetrocknete Nebenflüsse. Mal sandig, mal mit großen Flußsteinen gespickt. Das Tal wird immer schmaler und schließlich führt der Weg, den man manchmal gar nicht mehr erkennen kann, hinauf auf einen Paß. Der Regen hat hier tiefe Furchen in den blanken Fels gewaschen. Es ist sehr steil und die Felsstufen scheinen unüberwindbar. Zurück können wir nicht mehr. Millimetergenau weiße ich den Fahrer ein, mit welchem Reifen er über welche Stufe in welchem Tempo und mit welchem Einschlagwinkel fahren muss. Eine harte Belastungsprobe für Material und Mensch. Mehrere Male wiederholt sich diese Situation und immer wieder schaffen wir es mit knapper Not dank dem Geschick des Fahrers, der guten Zusammenarbeit mit dem Beifahrer und nicht zuletzt, der erstaunlichen Leistungsfähigkeit unseres Fahrzeuges. Hier hängen zu bleiben, das Auto zu demolieren und Hilfe holen zu müssen, wäre sicher eine komplizierte Aktion, die mehrere Tage lang dauern würde. Auf diese Weise bewältigen wir heute 103 Km in 8 Stunden. Nur hin und wieder kommen kleine Dörfer. Völlig abgeschnitten von jeglicher Zivilisation leben hier Himbas nach ihren alten Traditionen. Manchmal kommen Kinder gelaufen und bitten um Sweeties. Dann gelingt es uns, sie zu einer Fotosession zu drapieren. Einige laufen lange neben dem Auto her. Barfuß über Stock und Stein und Tausende von Glasscherben. Der Stolz der Stämme sind seine Viehherden und in der Tat treffen wir auf eine Anzahl stattlicher Rinder mit imposanten Hörnern. Die Landschaft ist wunderschön. Von den Paßhöhen, die wir mühsam erklettern, haben wir immer wieder schönen Blick auf die Berge der fernen Umgebung und das Flußbett, das wie mit einer Perlenkette von Palmen gesäumt ist. Einmal kommen wir vom Weg ab und enden in einer Sodalithmine. Während Thomas den Aufseher ablenkt, pflücke ich einige Bruchstücke des blauen Halbedelsteins vom Boden. Am Nachmittag treffen wir auf den einzigen Gegenverkehr des Tages und am Abend auf zwei Fußgänger. Die beiden Österreicher möchten die Strecke zu Fuß bewältigen. Wir halten das für eine gute Idee, wenn da nur nicht die Hitze wäre. Langsam wird es Zeit, ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Als wir eins finden und unser Lager aufschlagen, bekommen wir auch schon Besuch von einem Einheimischen und einem hübschen Himbapärchen. Wir fragen artig, ob es recht ist, wenn wir hier zelten, und er nickt höflich, obwohl er uns bestimmt nicht verstanden hat. Wir bezahlen die Campinggebühr mit einem Päckchen Hirse doch scheinbar kennt man Hirse hier nicht. Neugierig untersuchen die drei die Hirse. Mit den beiden leeren Wasserkanistern, die uns der Himbajunge abschwatzt, können wir offensichtlich viel mehr Freude bereiten. Außerdem fragen sie nach Zündhölzern. Nächstes Mal wissen wir, was wir mitbringen müssen. Es ist sehr schön hier, ruhig und unverdorben. Ein letztes Aufleuchten der Sonne in den fernen Bergen und wenig später funkelt schon der Sternenhimmel über unserem Lager.

Piste 3700 – Epupa Falls
Die Tage sind hier deutlich länger. In Botswana saßen wir bereits um 19:30 Uhr im Dunklen während es hier bis 20:00 Uhr hell ist. Dafür wird es morgens entsprechend später hell. Auch auf den letzten 25 Km der Strecke kommen noch einige Passagen, die nur unter höchster Konzentration und aller Kraft- und Technikreserven, die das Fahrzeug hergibt zu bewältigen sind. 2 ½ Stunden mühen wir uns ab, kraxeln über Stock und Stein, bis wir endlich die Epupa-Fälle erreichen. Immer wieder treffen wir auf prächtige Himbafamilien, vom Stammeshäuptling über die Großmutter bis zu den schön geschmückten Kindern sind alle vertreten. Nach dem letzten, mühevollen Paß erreichen wir das Camp direkt am Fluß. Jetzt haben wir aber einen Ruhetag verdient und hier scheint der richtige Ort dazu zu sein. Im Auto herrscht Chaos. Die Ladung wurde kräftig durchgemischt, nichts ist mehr da, wo es war. Unser Zelt plazieren wir unter herrlichen Palmen direkt am Ufer des Kunene. Abends, als es nicht mehr so heiß ist, unternehmen wir noch einen Spaziergang am Fluß entlang und erst jetzt werden uns die Dimensionen der Wasserfälle bewußt. Der mächtige Kunene stürzt sich über eine Länge von mehreren hundert Metern über unzählige Fälle in eine tiefe Schlucht. Dazwischen klammern sich an steile Felsen alte Baobab-Bäume. Angola ist zum Greifen nah. Hoch ragen die karg bewachsenen Hügel auf der anderen Seite hinauf. Wir können eine kleine Siedlung erkennen. Als die Sonne untergeht kommt Wind auf, der die Palmen über uns rauschen läßt. Im Hintergrund dröhnt das Donnern der Fälle. Der Mann ist wieder für die Würstchen zuständig, während ich die Beilagen auf dem offenen Feuer koche.

Reisebericht Namibia Botswana Teil 4 (Etosha Nationalpark – Epupa Fälle)

Namibia Erlebnisreise Höhepunkte Namibias
Rundreise in Namibia „Wo die natur unendlich ist“