Reisebericht Namibia Botswana Teil 3 (Chobe Nationalpark – Caprivi – Etosha Nationalpark)

Löwe im Etosha Nationalpark

Chobe Nationalpark – Kasane
Seit wir unterwegs sind, haben wir nur selten Orte mit Strom gesehen. Die 2000 Km, die wir bisher gefahren sind, verliefen größtenteils auf einspurigen, sandigen oder morastigen Pisten, die bei uns nicht einmal das Prädikat „Feldweg“ erhielten, und fast die ganze Zeit befanden wir uns im Busch, wo man ständig mit dem Auftauchen wilder Tiere rechnen muss. Außer auf Campingplätzen trafen wir nur selten auf andere Fahrzeuge. Wir hätten uns nicht träumen lassen, daß Botswana noch so ursprünglich ist. Im Vergleich dazu mutet Namibia an wie ein gut organisierter Zoo. Auch heute führt unser Weg über 100 Km durch dichten, eintönigen Mpane-Busch. Immer wieder finden wir frische Fußstapfen von Elefanten auf der Fahrbahn. Das Gelände ist mit Elefantendung übersät. Hin und wieder taucht ein Baobab wie ein mutierter Brokkolie zwischen den klassischen Schirmakazien auf. Nach einer Weile wird das Gelände etwas hügeliger. Wir freuen uns über diese Abwechslung. Kurze Zeit später erreichen wir das erste Dorf. Dieses scheint trotz seiner Abgeschiedenheit recht gut versorgt zu sein. Der Track wird zur Pad und am Straßenrand verläuft eine Stromleitung. Rinder grasen am Straßenrand. Wir befinden uns am Rand eines riesigen Sumpfgebietes, hinter dem Namibia liegt. Wir haben zum ersten mal seit Tagen wieder mehr als ein paar Meter Sicht. Nun kommen wir schneller voran. Bald erreichen wir Ngome-Bridge, den Grenzübergang zu Namibia, beschließen jedoch, nach Kasane zu fahren. Auf einer geteerten Transit-Strecke durchqueren wir den Chobe-Nationalpark und treffen prompt am Straßenrand auf Elefantenherden mit Jungtieren. Das Chobe-Safari-Camp liegt direkt am Fluß Chobe und ist mit Elektrozäunen von Elefanten geschützt. Zum ersten mal können wir uns sicher fühlen. Dafür gibt es am Fluß Krokodile und es ist nur noch ein Zeltplatz frei, nämlich der direkt am Fluß. Von einer Bar aus haben wir schönen Blick auf den Fluß. Einige Flußpferde tollen am anderen Ufer. Zur Feier der Rückkehr in die Zivilisation gehen wir heute abend im Hotel Essen. Am Büffet werden Kudu-Gulasch, Impala-Geschnetzeltes, Ochsenschwanz, Spare-Rips, Fisch, Salate und vieles mehr angeboten. Das freundliche Personal will uns ständig unsere Teller wegnehmen, aber wir sind nicht fertig bevor wir nicht alle Leckereien probiert haben.

Kasane – Ihoha Camp
Gleich am Eingang zum Zeltplatz erwarten uns Büffel. Auf der Straße zum Park kreuzen zwei Elefantenherden. Somit sehen wir heute außerhalb des Parkgeländes mehr Getier als im Nationalpark. Der scheint wie ausgestorben. Der Weg führt uns entlang des Chobe Flusses. Die Landschaft ist sehr schön. Hier leben Enten, Störche und andere Wasservögel. Wir sehen Warzenschweine, Paviane, 3 Warane und eine Gruppe Mungos beim Spielen. Das Camp ist das Schönste bisher. Vom Fluß steigt eine leichte Anhöhe auf und wir haben einen schönen Blick auf den Fluß und die gegenüberliegende baumlose Savanne. Das Camp ist durch einen künstlichen Erdwall vor Elefanten sicher. Am Abend unternehmen wir wieder eine Rundfahrt. Der Weg führt entlang dem Erdwall hinunter zum Fluß. Wir suchen und schauen nach Tieren und plötzlich befinden wir uns mitten in einer Elefantenherde, der wir gerade den Zugang zum Wasser versperren. Einige der Kühe sind nicht gut auf uns zu sprechen und wir können eben noch ausweichen. Aus sicherem Abstand beobachten wir sie beim abendlichen Bad. Langsam wird es spät, wir müssen zurück. Kurz vor dem Camp kommt uns eine weitere Herde Elefanten entgegen. In dem dichten Gebüsch sind sie einfach nicht zu sehen. Eh wir uns versehen sind wir mitten unter ihnen. Einer großen Kuh gefällt das gar nicht und sie setzt im Laufschritt auf uns zu. Wir setzten schnell ein paar Meter zurück, doch das reicht ihr noch nicht und sie greift nochmal an. Wir rammen ein Hindernis aber sie scheint zufrieden und läßt uns in Ruhe. Da haben wir gerade nochmal Glück gehabt. Aber was sollen wir jetzt tun, die Herde versperrt uns den Weg zum Camp. In unserer Not gelingt es uns, am unteren Ende des Erdwalles, quer über das Gelände zurück zu unserem Zelt zu kommen. Bald kommt die Dunkelheit und mit ihr die Affen. Wir können gerade noch erkennen, wie sie sich um uns formatieren, bevor wir sie mit lautem Tellerklappern auf den nächsten Baum jagen. Schließlich sind alle Bäume mit zeternden, kreischenden und schnarchenden Affen besetzt. Zu unserem Unglück haben sie sich vorgenommen, dort die Nacht zu verbringen. Wir machen Feuer. Im Dämmerlicht können wir gerade noch erkennen, wie eine Hochzeitsgesellschaft fliegender Ameisen aus dem Gebüsch aufsteigt und direkt in unser Feuer fliegt. Aber zuerst müssen sie durch unsere Haare und Kleidung. Wir flüchten ins Zelt, draußen hageln Insekten an die Zeltwand. Da haben wir unsere großen Tierherden.

Rundhüttensiedlung

Ihaha Camp – Popa Fälle
Ich habe jetzt genug von den Elefanten. Der Schaden am Auto wird uns hoffentlich nicht zu teuer kommen. Im Vergleich zu Namibia ist Botswana sehr viel wilder, ursprünglicher und weniger erschlossen. Der Besucher wird hier mit dem wahren Afrika, mit seinem Wildreichtum, der Infrastruktur und den damit verbundenen Abenteuern konfrontiert. Allerdings kann Botswana landschaftlich nicht mit Namibias Vielfältigkeit mithalten. In gewisser Weise freuen wir uns jetzt, zurück nach Namibia zu fahren. Den Park lassen wir schon bald hinter uns, ohne auf weitere Elefanten zu treffen. Nur ein paar Kudus winken kurz vor dem Gate zum Abschied. Danach kommt gleich die Grenze. Zwei Stunden später erreichen wir Katima Mulilo. Es gibt nichts, was uns an diesem Ort halten würde. Wir decken uns nur kurz mit Lebensmitteln ein und steuern dann die berühmten Popa-Fälle als Tagesziel an. Dazu müssen wir aber den Caprivi-Streifen durchqueren. 189 Km durch den selben Wald, den wir schon in den letzten 10 Tagen gesehen haben. Hin und wieder tauchen Rundhüttensiedlungen am Straßenrand auf. Am Nachmittag erreichen wir die Popa-Fälle, die nicht sehr spektakulär sind. In dem schönen, gepflegten Camp der Lokal Community richten wir uns am Ufer des Okawango-Flusses häuslich ein. Es ist sehr schön und ruhig hier. Auf einer Aussichtsplattform am Fluß kann man schön entspannen. Am Abend grillen wir Steaks und Kartoffeln und essen im Schein unserer Gaslampe unter einem Moskitonetz, das uns vor den aufdringlichen Insekten schützt.

Popa-Fälle – Nahe Namutoni
In der Nacht hat es geregnet. Wir überqueren den Okawango und biegen nach Andara ab, wo es eine Missionsstation geben soll. Wir fragen uns durch den Ort und finden schließlich die Kirche und etwas später auch den dazugehörigen Pfarrer. Wir glauben, daß die Kinderkleidung, die wir mitgebracht haben, hier in guten Händen ist und freuen uns über unsere gute Tat zu Weihnachten. Wie uns scheint, bereiten wir durch die Draufgabe von 5 leeren Wasserkanistern noch viel mehr Freude. Wie auch immer. Die Hauptstraße nach Rundi, die wir nicht verlassen dürfen, finden wir langweilig, und so entscheiden wir uns für eine parallel dazu verlaufende Piste, die von einem Rundhüttendorf zum nächsten führt. Von Zeit zu Zeit haben wir Blick auf den Okawango, der die Grenze zu Angola bildet. Nach fast 200 Km erreichen wir Rundu. Hier haben wir einiges zu erledigen. Der erste Weg führt zu einer Bank. Doch auch hier der gleiche Anblick wie in gewohnt. Mindestens 200 Menschen stehen hier in der Schlange und vorne geht nichts voran. Im Ort ist es nicht besser. Es wimmelt von Menschen. In den Supermärkten ist zwischen den Regalen kaum Platz und an den Kassen herrscht schreckliches Gedränge. Ich dachte, wir wären den verkaufsoffenen Weihnachtstagen glücklich entkommen. Es kostet uns viel Zeit und Nerven, Geld, Lebensmittel, Gas und Eis zu organisieren. Auf das Fleisch verzichten wir, nur um raus zu kommen aus dieser Hektik. Das Wetter ist uns nicht so wohl gesonnen heute. Eine Regenfront baut sich auf. Wir versuchen näher an unser morgiges Ziel, dem Etosha Nationalpark zu kommen und fahren und fahren und fahren direkt in die große dunkle Regenwolke. Das Bushman Trails Camp, das wir zu unserem heutigen Tagesziel erklärt haben, hat geschlossen. Inzwischen regnet es in Strömen. Die Straße weicht auf und am Rand bilden sich kleine Seen. Wir fahren weiter, bis wir unter der Wolke durch sind. Endlich finden wir eine Lücke in den endlosen Zäunen. Hier können wir ungesehen, unser Zelt aufschlagen, bevor es dunkel wird.

Straße in Botswana

Etosha Nationalpark Namutoni
In der Nacht hat es immer wieder heftig geregnet. Entgegen unserer Erwartungen ist der Himmel am Morgen nicht blau, wie immer, sondern grau und düster. Alles ist naß, überall klebt Sand. Bald sind wir im Nationalpark. Wegen des Regens verstecken sich die Tiere heute. Erst später treffen wir auf große Herden Giraffen, die umständlich an den Pfützen trinken. Ein Elefantenbulle taucht im Gebüsch auf und nimmt erst mal ein Bad im Schlammpool. Offensichtlich ist ihm das Bad nicht schlammig genug, so daß er einen Termitenhügel abschabt und den Sand im Pool vermanscht. Wir sehen einige Schildkröten und Schakale. Der Unterschied zu den Parks in Botswana wird uns mehr als deutlich. Die Straßen sind viel besser ausgebaut und beschildert, die Wasserstellen besser einsehbar und die Camps abgesichert. Hier treffen wir auch auf viel mehr Fahrzeuge. Trotz des heftigen Regens letzte Nacht halten sich viele Tiere an den Wasserstellen auf. Bei unserer Abendrundfahrt haben wir diesmal sogar das Glück drei Geparden zu sehen. Heute ist Weihnachten. Der Campingplatz ist gut gebucht. Viele Deutsche und Südafrikaner sind hier. In unserer unmittelbarer Nachbarschaft ist Rotel-Tours eingefallen und belagert die Toiletten und Duschen. Später schallt gedämpft „Stille Nacht, heilige Nacht“ über den Platz. Wir können darüber nur lächeln, erscheint es uns doch in der Atmosphäre des afrikanischen Buschs recht abstrakt. Wir verbringen den Weihnachtsabend gemütlich mit Grillwürstchen, Reis, Plätzchen und Kerzen und zur Feier des Tages einer guten Flasche südafrikanischen Rotweins. Fröhliche Weihnachten.

Namutoni – Halali
Wie befürchtet, setzt der Trubel am Campingplatz um 05:45 ein. An Schlaf ist nicht zu denken. Auch wir verlassen das Camp zeitig. Und zum dritten mal gelingt es uns, unser Frühstück im Angesicht von Löwen einzunehmen. Diesmal sind es zwei Pärchen, und auch sie sind in Liebeslaune, wie wir bald feststellen. Gegen Mittag erreichen wir Halali. Es ist sehr heiß heute, jede Bewegung wird zur Qual. . Wir suchen uns einen Platz auf dem trockenen Staub. Auch dieses Camp ist gut besucht. Wir nehmen unsere Bücher und lassen uns mit Blick auf die Wasserstelle nieder. Von Zeit zu Zeit kommen Kudus, Zebras und sogar Tsessebes zum Trinken. Eine weitere Safari zur späteren Stunde ist ebenfalls recht frustrierend. Scheinbar ist es den Tieren heute auch zu heiß. Bestenfalls eine schöne Gruppe Flamingos verdient Erwähnung. Wir grillen unsere Würstchen und begeben uns bei Dunkelheit nochmal zur Wasserstelle. Eben hat ein Elefant seinen Auftritt. Die Tribüne ist voll und das Publikum muss an sich halten um nicht laut zu applaudieren. Er genießt seine Aufmerksamkeit sichtlich und verneigt sich artig bevor er im Busch verschwindet. Nun taucht ein Schakal auf und schleicht schüchtern am Wasser entlang. Eine Tüpfelhyäne leistet ihm Gesellschaft. Ein dunkler, massiger Umriß kommt langsam aus dem Gebüsch. Auch das Nashorn ist sehr scheu und mißtrauisch. Dafür läßt es sich zur Freude der Zuschauer beim Trinken viel Zeit. Hinter einem Felsen huscht ein Schatten hervor. Ein Raunen geht durch die Menge. Langsam und vorsichtig schleicht ein Leopard ans Wasser, trinkt und verschwindet ebenso lautlos wieder im Busch. Es ist nun 23:45. Die Show scheint zu Ende zu sein. Die Zuschauer gehen zufrieden schlafen, es war ein langer Tag. Auf dem Rückweg gibt uns noch eine glänzende Schlange eine Zugabe. Nun können auch wir schlafen gehen.

Reisebericht Namibia Botswana Teil 3 (Chobe Nationalpark – Caprivi – Etosha Nationalpark)

Abenteuerreise und -urlaub Weltweiter Erlebnisurlaub
Abenteuer und Erlebnis Reisen Namibia, Botswana, Südafrika